Harburg
Kiekeberg

Schlachtfest wie vor 100 Jahren

Till Harms, Fleischer-Azubi, ist beim Schlachtfest am Kiekeberg dabei.

Till Harms, Fleischer-Azubi, ist beim Schlachtfest am Kiekeberg dabei.

Foto: FLMK

Freilichtmuseum am Kiekeberg präsentiert Fleischerhandwerk und bietet Spezialitäten vom Bunten Bentheimer Schwein an.

Ehestorf. Neben Weihnachten zählte früher das Schlachtfest zu den Höhepunkten des Winters. Warum das so war und was dabei passierte, zeigt das Freilichtmuseum am Kiekeberg bei seinem traditionellen Schlachtfest am Sonntag, 26. Januar. Fleischer Wolfram Siemann und sein Auszubildender erklären dann ihr Handwerk. Zuschauen und Fragen stellen ist ausdrücklich erwünscht, denn beim Schlachtfest erleben Besucher die handwerkliche Verarbeitung des Fleisches und erfahren von Wolfram Siemann alles über Qualität und Verwendung der einzelnen Fleischteile, dazu stellt er Wurst her. Außerdem gibt es eine Ausstellung und einen Film.

Bei einem winterlichen Rundgang über das Museumsgelände erleben große und kleine Besucher zudem die Darsteller der Gelebten Geschichte 1804. Ganz wie früher stellen sie Grützwurst am offenen Feuer her und mischen scharfen Senf. Außerdem gehen sie den typischen Arbeiten nach, die im Winter vor 200 Jahren auf einem Hof anfielen: Die Frauen spinnen oder weben Flachs und Wolle, Männer versorgen das Vieh oder reparieren verschiedene Gerätschaften. In der alten Museumsschmiede führt ein Schmied sein Handwerk vor. Kinder können Futterkugeln für hungrige Vögel basteln.

Rote und weiße Grützwurst für die Besucher

Für Besucher gibt es beim Schlachtfest rote und weiße Grützwurst, Sauerkraut und Grünkohl, Wellfleisch, Schlachtbrühe, Schmalzbrote und Bratwurst frisch zubereitet, aber auch vegetarische Speisen wie Pellkartoffeln mit Quark und Kaffee und Kuchen stehen bereit. Wer mag, kann zudem eingemachte Wurst im Glas oder Mettwurst mit nach Hause nehmen.

Die Landbevölkerung hielt Schweine bis in das 20. Jahrhundert hinein als die wichtigsten Schlachttiere. Sie ergaben eine hohe Schlachtausbeute. Das Fleisch wurde gepökelt, geräuchert oder in Sauer eingelegt. Nur an wenigen Tagen im Jahr wurde es frisch genossen, etwa zu den Hausschlachtungen im Winter. Waren die anstrengenden Arbeiten beendet, fand ein Schlachtfest, plattdeutsch „de Slachtköst“, statt.

Im Freilichtmuseum am Kiekeberg werden bereits seit Jahrzehnten Bunte Bentheimer Schweine gehalten, wie es um 1900 auf dem Land üblich war. Obwohl ihre Beliebtheit steigt, ist die robuste Rasse ist jedoch vom Aussterben bedroht. Vereine und private Züchter engagieren sich deshalb für den Erhalt der schwarz-weißen Tiere. Bei einem Spaziergang über das Museumsgelände überzeugen sich Besucher: Am Kiekeberg leben die Schweine artgerecht in dem rund 300 Jahre alten Schweinestall eines Heidebauernhofes.

Schlachtfest im Freilichtmuseum am Kiekeberg, Sonntag, 26. Januar, 11-16 Uhr, Eintritt 9 Euro für Besucher ab 18 Jahre