Harburg
Wechsel an der Spitze

Olaf Kuhnigk ist der neue Chef im Ginsterhof

Dr. Olaf Kuhnigk ist der neue Geschäftsführer und ärztliche Direktor der Klinik Ginsterhof.

Dr. Olaf Kuhnigk ist der neue Geschäftsführer und ärztliche Direktor der Klinik Ginsterhof.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Der Psychiater und Psychotherapeut löst den langjährigen Geschäftsführer und Ärztlichen Direktor Christoph Schmeling-Kludas ab.

Tötensen. Die Wände sind noch kahl. An der Decke baumelt eine schmucklose Glühbirne. Der einzige persönliche Gegenstand im Büro von Olaf Kuhnigk ist ein Kunstdruck von Picasso. Das Bild zeigt einen Flamingo, gezeichnet in einer einzigen fließenden Linie. Dem Besitzer gefällt die Zeichnung, weil sie minimalistisch ist, auf das Wesentliche reduziert. Sie drückt Klarheit aus. Olaf Kuhnigk gefällt das. Er ist ein Mensch ohne Schnörkel und Allüren. Einer, der die leisen Töne mag und sich nicht in den Vordergrund stellen muss. Er setzt auf Teamgeist – auch in der Führung.

Im Januar hat der 49 Jahre alte Facharzt für Psychiatrie und Psychiatrie, der den Großteil seiner beruflichen Laufbahn an der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg verbracht hat, die Geschäftsführung des Evangelischen Krankenhauses Ginsterhof übernommen. Er löst damit auch als ärztlicher Direktor seinen Vorgänger Prof. Dr. Christoph Schmeling-Kludas, der Ende Juni in den Ruhestand geht. „Ich hätte mir keinen besseren Nachfolger wünschen können“, sagt er. „Olaf Kuhnigk ist medizinisch vom Fach, und hat Zusatzqualifikationen im Gesundheitsmanagement und im Bereich der Aus- und Weiterbildung. Er passt perfekt in die Leitung unserer Klinik.“

Der Chef will Prozesse analysieren und optimieren

Olaf Kuhnigk selbst sieht die neue Aufgabe als „spannende Herausforderung“, welcher er mit Freude entgegenblicke. „Hier kann ich das tun, was ich am besten kann: Prozesse analysieren und optimieren“, sagt er. Denn genau das hat der Mediziner im Rahmen seiner 13-jährigen Tätigkeit an der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg und der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) getan.

Er war Projektleiter des Modellstudiengangs Medizin, leitete das Prodekanat für Lehre und übernahm schließlich die stellvertretende Geschäftsführung der Medizinischen Fakultät, bevor er 2017 als Chefarzt die Leitung der psychiatrischen und psychotherapeutischen Klinik der Gesundheit Nord am Standort Bremen-Ost übernahm.

Als der Ginsterhof bei ihm anfragte, ob er bereit sei, Standort und Aufgabe zu wechseln, schlug er ohne zu zögern ein. Weil er findet, dass der Ginsterhof zu ihm und seinen Ideen von einer gut funktionierenden Klinik passt. „Die Strukturen sind hier vorbildlich, die Abläufe hervorragend organisiert und das Personal ist menschlich top“, sagt er. „Ich wollte unbedingt diese Aufgabe, auch wenn ich hier als Mediziner zurückstecken muss.“

Sanierung des Altbaus soll zum Abschluss gebracht werden

Denn mit Patienten hat er im Ginsterhof als Therapeut keinen unmittelbaren Kontakt. Doch weil auf das Praktizieren nicht ganz verzichten möchte, hat er sich den Donnerstagabend als Praxistag frei gehalten. Dann steht er in der Eppendorfer Praxis seiner Frau für ein Patienten zur Verfügung.

In seiner neuen Aufgabe als Geschäftsführer wird der gebürtigen Dortmunder, der in Göttingen Medizin studiert hat und erste Berufserfahrungen in der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie am Klinikum Essen gesammelt hat, auch die Arbeiten für den Erweiterungsbau und die Sanierung des Altbaus zum Abschluss bringen. Das Bauprojekt ist mit einem Volumen von 17 Millionen Euro das größte der Klinik seit 60 Jahren und soll 2021 abgeschlossen werden. Durch den Neubau erhöht sich die Bettenzahl für die stationäre Psychotherapie von 132 auf 154 Betten.

Im laufenden Klinikbetrieb will der neue Geschäftsführer vorläufig alles so lassen, wie es ist. „Ich übernehme hier ein gut funktionierendes Unternehmen mit tollen Mitarbeitern und hervorragenden Strukturen“, sagt er. „Aber natürlich müssen wir flexibel bleiben. Die Gesellschaft ändert sich, unsere Patienten ändern sich.“ So steige aktuell vor allem die Zahl der unter 30-jährigen Patienten drastisch an. Besonders groß sei die Gruppe der 18- bis 22-Jährigen.

„Für viele junge Leute wird es immer schwerer, einen Platz im Leben zu finden“, sagt Olaf Kuhnigk. Die Orientierungslosigkeit ist größer geworden. Viele bringen einen hohen Anspruch an sich selbst mit, ohne zu sehen, was man als Person wirklich in der Lage zu leisten ist.“ Sein Rat an Eltern: „Wenn man Kindern immer alles schenkt, sind sie dauerhaft nicht zufrieden.“ Es sei ein hohes Gut, zu lernen, dass man sich Dinge erarbeiten müsse. Eltern sollten daher zwar leiten, aber nicht bestimmen. Sie sollten ihren Kindern Möglichkeiten eröffnen, aber nicht vorschreiben, was zu tun sei.

Eigentlich wollte Olaf Kuhnigk Lehrer werden

Zur Medizin kam Olaf Kuhnigk, der ursprünglich Lehrer werden wollte, weil er zu gern anderen Menschen komplexe Inhalte verständlich vermittelt, über den Zivildienst beim DRK. Zwei Jahre arbeitete er als Rettungssanitäter. Anschließend war für ihn klar: „Hier kann ich das tun, was mir wirklich wichtig ist: anderen helfen.“ Der Schwerpunkt fiel schließlich auf die Psychiatrie.

Er habe schon immer ein Händchen für Menschen gehabt habe, die aus dem System gefallen seien, sagt er. „Schon als Schüler habe ich mich um diejenigen gekümmert, die es schwerer hatten. Als sich zum Beispiel die Eltern eines Mitschülers trennten, habe ich ihn mir geschnappt und mit ihm Mathe gebüffelt. Ich wollte nicht, dass der arme Kerl auch noch eine Klasse wiederholen muss.“

Zu seinem neuen Arbeitsplatz will Olaf Kuhnigk künftig von Lokstedt mit dem Fahrrad kommen. 28 Kilometer ist die Strecke lang. Dafür braucht er etwa 80 Minuten. „Ich bringe einen entscheidenden Vorteil für das Radfahren mit“, sagt er und streicht sich über den kahlen Kopf. „Egal wie das Wetter ist, meine Frisur sitzt immer.“

Die Klinik

  • Die Psychosomatische Klinik Ginsterhof ist ein Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Hamburg. Das Versorgungsspektrum umfasst die psychotherapeutische Behandlung psychogener Erkrankungen.
  • Das Krankenhaus kann auf eine fast 90-jährige Geschichte zurückblicken. 1932 als privates „Sanatorium Ginsterhof“ gegründet, ist die Klinik seit 2007 eine gemeinnützige GmbH. Einziger Gesellschafter ist der Verein „Ev. Krankenhaus Ginsterhof e.V.“.
  • Aktuell wird mit Förderung des Landes Niedersachsen ein Ersatzneubau mit drei Stationen erstellt. Insgesamt werden 22 Betten zusätzlich bereit gestellt.
  • Die Zahl der Therapieplätze in der Psychosomatik hat sich allein in Niedersachsen von 2007 bis 2019 von 264 auf 997 mehr als verdreifacht.
  • Rund 40 Prozent der Patienten kommen aus dem Landkreis Harburg sowie den drei Nachbarkreisen, der Rest aus dem übrigen Niedersachsen und Norddeutschland.
  • Für den Ausbau des Krankenhauses werden drei Ärzte und Psychologen sowie ein Spezialtherapeut für Bewegungs-, Musik- und Kunsttherapie gesucht. Auch für die Pflege werden neue Mitarbeiter gebraucht. Weitere Infos: www.ginsterhof.de