Harburg
Heimfelder Holz

Politischer Kuhhandel an der Kuhtrift?

Etwa 15000 Bäume hat die Firma Immoforst an der Heimfelder Kuhtrift. 600 davon möchte sie ernten. 

Etwa 15000 Bäume hat die Firma Immoforst an der Heimfelder Kuhtrift. 600 davon möchte sie ernten. 

Foto: Lars Hansen / xl

Wurde das Heimfelder Holz unter Naturschutz gestellt, um Kahlschlag zu verhindern? Oder gibt es andere Gründe?

Heimfeld. Wurde das Heimfelder Holz unter Naturschutz gestellt, um Kahlschlag zu verhindern? Diesen Eindruck erweckt eine Mitteilung der Behörde für Umwelt und Energie, die einen Tag vor Silvester an die Öffentlichkeit geriet. Oder gibt es Gründe, die mit der Schaffung von Ausgleichsflächen zu tun haben?

CDU sucht Antworten beim Bezirksamt

Die CDU-Fraktion in der Harburger Bezirksversammlung möchte Klarheit in dieser Frage. Sie hat am Freitag eine Anfrage an das Bezirksamt gerichtet und um Beantwortung entsprechender Fragen gebeten. „Hier geht es unserer Meinung nach nicht um die Rettung eines Naherholungsgebietes, sondern um Grünausgleich für andere Maßnahmen“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Ralf-Dieter Fischer.

Umfangreiche Rodungen – also großflächige Fällungen ohne Nachpflanzung – hatte die private ImmoForst OHG, der die Hälfte des Waldes gehört, bislang nicht angekündigt. Laut Heinrich Schabert, dem Inhaber der ImmoForst, sollen auf seinem Grund lediglich etwa 600 Bäume seines 15.000 Bäume starken Mischwaldes, den er 2012 als Forst erworben hatte, gefällt werden. „Diese Bäume würden vereinzelt zwischen den anderen Bäumen entnommen werden“, sagt Schabert.

Fällung war bereits für das Jahr 2019 angekündigt gewesen

Die Fällung war bereits für das Jahr 2019 angekündigt gewesen, dann jedoch unterblieben, weil Schaberts Waldarbeiter wegen der Borkenkäferplage in anderen Forsten seiner Gesellschaft gebunden waren. Nach eigenen Angaben kam Schabert mit der Absicht, die 600 Bäume – hauptsächlich Buchen – zu fällen, einer Aufforderung der Hamburger Wirtschaftsbehörde nach, seinen Teil des Forstes im Sinne des Waldgesetzes zu pflegen.

2012 hatte Schabert etwa die Hälfte des 92 Hektar großen Heimfelder Holz von der Immobilienverwaltung des Bundes gekauft. Der Bund hatte das Waldstück einst im Zuge des Baus der Autobahn A7, an der es liegt, erworben. Die Hansestadt Hamburg hätte ein Vorkaufsrecht auf die Fläche gehabt, nahm dies aber nicht wahr. Schabert wollte in seinem Teil des Waldes einen Kletterpark errichten (wir berichteten), scheiterte aber an der Umweltbehörde, die entsprechende Genehmigungen verweigerte.

Stattdessen legte die Stadt ihm nahe, den Wald der Forstwirtschaft, zuzuführen. Schabert versteht deshalb nicht, was nun gegen seine geplante Fällung sprechen sollte. „Das wäre eine Pflegemaßnahme, um anderen Bäumen besseres Wachstum zu ermöglichen“, sagt er. „Der Hamburger Staatsforst fällt sehr viel umfangreicher, als wir.“

Anordnung umfasst tatsächlich 18 Verbote

CDU-Fraktionschef Fischer vermutet deshalb, dass der Schutz der Bäume gar als zweitrangig angesehen werde: „Hier geht es um die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen, die die rot-grüne Koalition für die Erweiterung des Hit-Technologieparks und des Mercedeswerks gefordert haben und die nach ihrem Willen direkt im Bezirk erfolgen müssen“, vermutet er.

Die CDU fragt daher unter anderem, ob der Entschluss, das Naturschutzgebiet vorläufig zu sichern, vom Bezirk oder von der Umweltbehörde angestoßen wurde. Außerdem fragt Fischer, ob die bisherigen Freizeitnutzungen des Gebiets bedacht wurden.

Die vorläufige Anordnung umfasst tatsächlich 18 Verbote, von denen einige – außer dem Fällen von Bäumen – auch Aktivitäten betreffen, die Waldbesucher sonst für selbstverständlich halten. Das Spazierengehen zwischen den Bäumen zum Beispiel, Geländelaufen und sogar das Pilzesammeln wird untersagt.

Die Hundeauslauffläche und der Ponyhof, beide in der städtischen Hälfte des Gebiets, bleiben ausgenommen – vorerst. In den kommenden zwei Jahren wird die eigentliche Verordnung ausgearbeitet. Daran beteiligt sind Umweltbehörde, Umweltverbände, Umweltpolitiker die betroffenen Bürger, die spät im Verfahren schriftliche Einwände gegen den fertigen Verordnungsentwurf erheben können.