Harburg
Hot Stuff

Tischgrill lief beim Schulfest auf Hochtouren

Klaus Wienecke hat sein Tischgrillgerät „Moulinex A 55“ seit Jahrzehnten nicht benutzt.

Klaus Wienecke hat sein Tischgrillgerät „Moulinex A 55“ seit Jahrzehnten nicht benutzt.

Foto: Angelika Hillmer / HA

Serie zur Museums-Austellung „Hot Stuff“: Ex-Lehrer Klaus Wienecke und sein betagter „Moulinex SA 55“.

Harburg.  Seit Jahrzehnten stand er im Abstellraum. Doch als Klaus Wienecke den Schalter seines Tischgrills Moulinex A 55 dreht, ist sofort ein ratterndes Geräusch zu vernehmen – „das ist der Lüfter“, sagt Wienecke. Er spürt mit der Hand, dass die Heizspirale Wärme abstrahlt, und freut sich darüber, dass sein Grill nach so langer Zeit problemlos anfängt zu arbeiten. „Solche Dinger waren in den 1970er-Jahre heiß begehrt, als Toast Hawaii in Mode war“, sagt Wienecke.

Als er von der Abendblatt-Aktion zur Museums-Ausstellung „Hot Stuff“ gelesen hatte, blieb ihm der Artikel im Kopf. Schließlich hatte er ein paar Jahre ehrenamtlich für das Helms-Museum gearbeitet. Der Pensionär erinnerte sich an einigen „heißen Scheiß“, der sicherlich noch in der einen oder anderen Ecke verstaubt. Ein paar Tage später entdeckte er das alte Grillgerät. Zu ihm hat Wienecke eine Geschichte zu erzählen.

Der ehemalige Lehrer an der damaligen Höheren Handelsschule/Wirtschaftsgymnasium Harburg denkt zurück an den Tag, an dem das Moulinex-Grillgerät im wahrsten Wortsinn über viele Stunden heiß lief: bei einem abendliches Schulfest des Wirtschaftsgymnasiums (WG). Es hatte seinen Standort an der Kasernenstraße. Dort residiert jetzt die Technische Universität.

„Meine Klasse, die Vorstufe des WG, wollte sich auch einbringen und irgendetwas verkaufen“, erzählt Wienecke. Nach längerer Diskussion stand fest: Hunger haben unsere Mitschüler immer, also Baguettebrötchen mit Tomate, Gurken und gekochtem Schinken oder Käse, schön frisch gegrillt.“

Probegrillen vor dem Schulfest

Hier kommt der Moulinexgrill ins Spiel. Klaus Wienecke brachte ihn ein paar Tage vor dem Fest mit in die Schule, zum Probegrillen. Nach bestandener Prüfung durfte Moulinex A 55 zusammen mit einem zweiten Grill beim Schulfest antreten. Das Fest startete um 18 Uhr. Die belegten halben Brötchen zum Preis von zwei D-Mark gingen weg wie geplant. Wie warme Semmeln eben. Die Schüler schmierten Brötchen in Serie, der Engpass waren die Backgeräte, obwohl beide auf Hochtouren liefen.

Schon bald bestand die Gefahr, dass dem Grillteam die Rohware ausgeht. „In diesem Moment setzte unser Rudolfo sein theoretisches Wissen über Markt, Angebot, Nachfrage und Preis in die Praxis um“, sagt Wienecke. „Er malte ein großes neues Preisschild – die Baguettes kosteten ab sofort wegen der großen Nachfrage vier D-Mark. Die Marktanalyse war richtig. Noch vor Ende des Schulfestes waren unsere Baguettes vollständig ausverkauft, die Klassenkasse gut gefüllt und Rudolfo der Held der Marktwirtschaft.“

Grill ist etwas lautstark geworden

Rudolfo sei ein Kind der ersten Gastarbeiter-Generation aus Italien gewesen, so Wienecke. „Er sprach perfekt Deutsch, machte sein Wirtschafts-Abi und studierte anschließend an der Universität Hamburg Jura. Als sein Vater in Rente ging, ist die Familie zurück nach Italien, nach Rom, gezogen.“

Die Grillaktion und Rudolfos Preispolitik sind für den pensionierten Oberstudienrat, der sich seit Jahrzehnten im Harburger Turnerbund engagiert, und für seine Frau Heidrun unvergesslich. Und als der alte Grill zwar etwas lautstark, aber doch willig auf dem Esstisch rund 40 Jahre später wieder loslegte, sagte Heidrun Wienecke zu ihrem Mann: „Klaus, lass’ ihn stehen, wir können heute Abend doch was grillen!“