Harburg
Hot Stuff

Als es ohne Film noch kein Foto gab

Christian Heidelmann hält in der Hand seine erste Digitalkamera, eine Caplio R7, die die Spiegelreflexkameras ablöste.

Christian Heidelmann hält in der Hand seine erste Digitalkamera, eine Caplio R7, die die Spiegelreflexkameras ablöste.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Christian Heidelmann ist Hobby-Fotograf. Für die Ausstellung Hot Stuff im Archäologischen Museum hätte er einiges beizusteuern.

Heimfeld.  Sie war ein absolutes technisches Highlight. Ein Gerät, das jeder Fotofreak in den 1990er-Jahren haben musste. Eine Kamera, die neue Maßstäbe in der kreativen Spiegelreflexfotografie setzte. 1995 überraschte und begeisterte Pentax die Spiegelreflexkenner mit der Einführung der superkompakten leistungsstarken Pentax MZ-5N, die mit ihren leicht zu bedienenden Einstellrädern für leichte und fehlerfreie Bedienung sorgte, sodass sich der Fotograf auf das Motiv, die Bildgestaltung und einzigartige Fotogelegenheiten konzentrieren konnte. „Sie war damals ein absoluter Trendsetter in der Spiegelreflexfotografie“, erinnert sich Christian Heidelmann. „Programmautomatik, Blendenautomatik, Zeitautomatik – alles vorhanden.“ Für den begeisterten Hobbyfotografen war klar: „Die musst du haben!“

Der Farbfilm ist noch originalverpackt

Die MZ-5N funktioniert noch immer und ließe sich hervorragend in die laufende Ausstellung des Archäologischen Museums integrieren, die noch bis April Kultobjekte aus den vergangenen Jahrzehnten zeigt. Selbstverständlich also, dass sich Christian Heidelmann sofort angesprochen fühlte, als das Abendblatt seine Leser aufrief, eigene Must-Haves der Vergangenheit zu präsentieren. Sogar einen originalverpackten Farbfilm hat der Besitzer noch in der Fototasche liegen, der möglicherweise noch einmal zum Einsatz kommen soll. Selbst, wenn das Haltbarkeitsdatum seit mehreren Dekaden abgelaufen ist.

40 Jahre bei Phoenix als Ingenieur

„So etwas schmeißt man doch nicht auf auf den Müll“, sagt Christian Heidelmann. Der Ingenieur, der 40 Jahre lang bei den Harburger Phönixwerken angestellt war und dessen großes Hobby die Fotografie ist, hütet jede seiner Kameras wie einen Augapfel. Zum einen, weil sie alle noch technisch einwandfrei funktionieren. Zum anderen, weil jede von ihnen in einer bestimmten Lebensphase die besten Momente festgehalten hat.

Immer reiste eine von ihnen mit: nach Dänemark und Schweden, nach Holland, Österreich, Frankreich und Korsika. Auch bei den unzähligen Touren, die der Harburger mit seiner Frau und den drei Söhnen gemeinsam mit dem Arbeiterwanderverein Naturfreunde in der Region seit Mitte der 1970er-Jahre unternommen hat, war eine Kamera immer dabei.

Wie ein kleines Fotomuseum

Jetzt stehen die technischen Neuheiten der vergangenen Dekaden fein säuberlich aufgereiht im Wohnzimmerregal des kleinen Reihenhäuschens im Stadtteil Heimfeld. Angefangen von der historischen Plattenkamera aus den 1920er-Jahren, deren Fotoplatten noch aus Glas waren, über die Kamera seiner Mutter, einem Modell mit Kompurverschluss und schwarzem Vulkanit-Gehäuse, der Rolleiflex der Firma Franke & Heidecke und der Baldax Schneider-Kreuznach, die alle aus den 1930er-Jahren stammen, über die Baldax Compur Rapid aus den 1950er-Jahren bis hin zu den Kameras, die sich Heidelmann ab den 1960er-Jahren selbst anschaffte: der Contaflex Zeiss, der Minox 35ml, der Pentax MZ-5N sowie der Caplio R7, seiner ersten Digitalkamera. Im Einsatz ist allerdings nur noch das neueste Modell, die Lumix DMC TZ 36 von Panasonic.

Und dennoch sind es die alten Kameras und deren Erzeugnisse, die Christian Heidelmann vermehrt in den vergangenen Jahren wieder hervorgeholt hat. Dutzende Magazine mit Dias aus den vergangenen 50 Jahren hat der Hobbyfotograf im Keller untergebracht. Im dortigen Gästezimmer hat er Leinwand und Diaprojektor aufgebaut und gemeinsam mit den Kindern und seiner im vergangenen Jahr verstorbenen Ehefrau Silvia unzählige Bilderreisen in die Vergangenheit unternommen.

Der Diaprojektor ist noch in Betrieb

Seinen ersten Diaprojektor, ein Zettomat II der Marke Voigtländer, hat er noch immer. Heidelmann erwarb ihn 1961 bei Foto Schröder in der Schwarzenbergstraße. Und es wäre noch heute im Einsatz, wenn sein Inhaber eine Idee hätte, wo er den einstigen Verkaufsschlager zur Reparatur geben könnte. Glücklicherweise funktioniert der zweite Projektor, der MSC twin 300 von Rollei auch nach fast 25 Jahren noch tadellos. „Das Gerät war 1995 der erste Projektor mit einer völlig neuen und absolut ausgereiften Überblendtechnik mit nur einem Projektor aus nur einem Magazin“, so sein Inhaber, der hofft, dass das Gerät noch möglichst lange durchhält. Schließlich ging sein Hersteller 2014 Konkurs, die Fertigung der Diaprojektoren wurde für immer eingestellt.

Geschont wird das Gerät dennoch nicht. Wenn die Söhne oder Enkelkinder zu Besuch sind, werden Dias angeschaut. Für die Kids ein ganz besonderer Spaß. Neulich holte der Opa die alte Pentax aus dem Regal. „Mach mal ein Foto von mir“, sagte der neunjährige Enkelsohn spontan. Christian Heidelmann schüttelte den Kopf. „Das geht nicht. Ich muss erstmal einen Film einlegen“, antwortete er. Sein Enkel sah ihn fragend an: „Warum denn einen Film, Opa? Du sollst doch nur ein Bild machen.“