Harburg
Mienenbüttel

Tierversuch-Labor: Landkreis prüft Betriebs-Untersagung

Die Gebäude des Labors in Rade-Mienenbüttel sind durch Nato-Stacheldraht gesichert, in den Zwingern rechts werden die Versuchshunde gehalten.

Die Gebäude des Labors in Rade-Mienenbüttel sind durch Nato-Stacheldraht gesichert, in den Zwingern rechts werden die Versuchshunde gehalten.

Foto: Axel Tiedemann / AT

Noch werden Hunderte von Affen und Hunden in dem Labor gehalten – Tierschützer erwarten neue Demonstrationen in Hamburg und vor Ort.

Mienenbüttel.  Nach der Veröffentlichung von heimlich aufgenommenen Videoaufnahmen aus dem LPT-Tierversuchslabor in Mienenbüttel prüft die Landkreisverwaltung eine mögliche Untersagung der Betriebsführung. Ein Ergebnis liege aber noch nicht vor, so ein Sprecher des Kreises. Unmittelbar nachdem die Tierschutzorganisation „Soko Tierschutz“ die verstörenden Aufnahmen von Hunden und Affen öffentlich gemacht hatten, war der Kreis aktiv geworden und hatte den Betrieb außer der Reihe zusätzlich überprüft und dabei zu kleine Affenkäfige festgestellt.

Landkreis ermittelt weiter

Danach habe es weitere Kontrollen gegeben, so der Sprecher. Ob dabei weitere Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt wurden, wollte er mit dem Verweis auf ein laufendes Verfahren nicht benennen. Der Abtransport von 76 Affen an den „Lieferanten“ in den Niederlanden sei allerdings ebenfalls kontrolliert und nicht beanstandet worden.

Eine Absprache zwischen Landkreis und dem Unternehmen über eine Schließung habe es aber „definitiv nicht gegeben“, sagte der Sprecher weiter, der damit entsprechende Medienberichte zurückwies. Wobei die Landkreisverwaltung lediglich prüfe, ob die Tierhaltung in dem Labor den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Landesbehörden würden hingegen derzeit prüfen, ob die Tierversuche in dem Labor, das seit Jahrzehnten schon in der Kritik von Tierschützern steht, den Vorschriften entsprechen würden.

139 Affen und 201 Hunde sind noch in dem Labor

„Das uns vorliegende Videomaterial wie auch die inzwischen abgestellten Mängel bei der Haltung der Affen stellen juristisch gesehen aber noch keinen hinreichenden Grund für die Schließung der LPT dar“, so der Sprecher weiter. Seinen Angaben zufolge befinden sich noch 139 Affen, 201 Hunde und 49 Katzen in dem Labor in Mienenbüttel. Wenn Tiere getötet werden oder das Labor verlassen, müsse dies dem Landkreis mitgeteilt werden.

Für dieses Wochenende werden neue Demonstrationen erwartet

Seit Mitte Oktober steht das Unternehmen mit Sitzen in Mienenbüttel und Neugraben wegen der gezeigten Videoaufnahmen unter starker medialer Beachtung, zu einer Großdemonstration in Neugraben waren mehr als 7000 Menschen gekommen. Und auch für den heutigen Sonnabend erwarten Tierschützer am Hauptbahnhof wieder ab 14 Uhr viele Demonstranten. Aber auch vor Ort in Mienenbüttel könnte es zu einer größeren Demonstration im Zuge der Hamburger Veranstaltung kommen, vermutet die Neu Wulmstorfer Tierschützerin Sabine Brauer, die seit gut zehn Jahren den Protest vor Ort organisiert. So gibt es auch derzeit eine Mahnwache der Tierschützer vor dem Labor. „Wir machen solange weiter, bis das Labor schließt“, sagt Brauer. Der Protest richte sich aber auch generell gegen Tierversuche in Deutschland. Nur 18 Prozent davon seien für die Arzneimittelproduktion wirklich gesetzlich vorgeschrieben, sagt Brauer. „80 Prozent sind lediglich erlaubt, damit Firmen sich von möglichen Regressansprüchen freihalten können - die könnte man auf den Schlag beenden, da ist die Politik jetzt gefordert.“

LPT verweist auf Genehmigung durch Behörden

Das Unternehmen LPT äußerte sich auf schriftliche Anfrage des Abendblatts unterdessen nicht zur aktuellen Entwicklung. In einer ersten Stellungnahme hatte LPT darauf verweisen, dass die Versuche gesetzlich gefordert und von Behörden genehmigt seien.