Harburg
Kommunalwahlen Niedersachsen

Erste Runde zur Bürgermeisterwahl

Wer wird im Jahr 2021 im Neu Wulmstorfer Rathaus residieren? Die ersten Weichen dazu werden jetzt bald gestellt.

Wer wird im Jahr 2021 im Neu Wulmstorfer Rathaus residieren? Die ersten Weichen dazu werden jetzt bald gestellt.

Foto: Michael Rauhe

Die Ratsparteien formulieren für die Kommunalwahl 2021 erste Forderungen. Und auch erste Namen sind schon im Gespräch

Neu Wulmstorf. Mit den Kommunalwahlen 2021 werden in vielen Städten und Gemeinden Niedersachsens auch die Bürgermeisterposten neu besetzt. In Buxtehude signalisierten dazu bereits frühzeitig die Ratsfraktionen von CDU und SPD der parteilosen Amtsinhaberin Katja Oldenburg-Schmidt (wie berichtet) ihre Unterstützung. Aber auch im benachbarten Neu Wulmstorf positionieren sich Ratsparteien mit ersten Forderungen für diese wichtige Wahl, bei der der jetzige Amtsträger Wolf Rosenzweig (SPD) aus Altersgründen ganz offensichtlich nicht wieder antreten wird.

Und es werden erste Namen genannt: So gilt der Vize-Bürgermeister und umtriebige Bauausschuss-Vorsitzende Thomas Grambow beispielsweise als möglicher Kandidat mit starken Ambitionen auf einen Führungsposten in der öffentlichen Verwaltung. Immerhin hatte der 56-jährige SPD-Politiker bereits 2014 bei der Landratswahl kandidiert und gegen den damaligen Favoriten Rainer Rempe (CDU) mit rund 47 Prozent einen Achtungserfolg erreicht.

Grambow hatte seinerzeit einen kräfteraubenden Wahlkampf geführt und klingelte bei rund 4000 Haushalten direkt an der Haustür, um Rede und Antwort zu stehen: Und auch diesmal steht er wieder in den Startlöchern, allerdings nicht in seinem Heimatort: „Ja, ich möchte kandidieren, aber nicht in Neu Wulmstorf“, sagt er. Wo, sei noch offen, auf jeden Fall aber im Landkreis Harburg, sagt Grambow, der Diplom-Verwaltungswirt ist und bei der Krankenkasse Knappschaft als Controller arbeitet.

Grambow überlässt seinem Parteifreund die Kandidatur

Die Kandidatur in Neu Wulmstorf überlässt Grambow damit offensichtlich seinem Parteifreund Tobias Handtke, der als zweiter möglicher Bürgermeisterkandidat der starken Neu Wulmstorfer SPD gilt, die im Rat größte Fraktion ist. Handtke ist sowohl im Rat wie im Kreistag Fraktionschef seiner Partei und hatte ebenfalls schon einmal einen Wechsel von der ehrenamtlichen zur professionellen Politik angestrebt: 2017 hatte der gelernte Einzelhandelskaufmann für den Landtag kandidiert, für einen Sitz im Landesparlament fehlten am Ende nur wenige Stimmen.

Direkt auf eine mögliche Kandidatur angesprochen, äußert er sich allerdings noch zurückhaltend. „Klar habe ich darüber nachgedacht, werde auch oft dazu angesprochen aber für eine Entscheidung ist es auch noch zu früh“, so Handtke, der als Teamleiter bei Karstadtsports in der Hamburger City arbeitet.

CDU hält „gewisse Führungserfahrung“ für wichtig

Auch bei der Neu Wulmstorfer CDU hat man sich erste Gedanken über die mögliche Bürgermeister-Nachfolge gemacht: Wichtig sei eine „gewisse Führungserfahrung“, sagt Fraktionschef Malte Kanebley. Entweder in einer Verwaltung oder auch in einem Unternehmen. Ähnlich lautet die Forderung der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG), die 2021 gemeinsam mit den Freien Wählern antreten will. „Am besten ist ein erfahrener Verwaltungsexperte, auf den sich alle Parteien einigen können“, sagt UWG-Fraktionschef Jan Lüdemann.

Doch die Suche nach einem solchen von allen Parteien unterstützen Kandidaten könnte sich auch schwierig gestalten diesmal. Bürgermeister sind in Niedersachsen zum einen Repräsentanten des Ortes – aber eben auch Chefs der gesamten Verwaltung, wozu eine gewisse Berufserfahrung in der Regel ganz brauchbar sein dürfte.

Amtszeit schrittweise auf fünf Jahre reduziert

Allerdings wurde in Niedersachsen 2016 die Amtszeit der Bürgermeister von acht Jahren schrittweise auf demnächst fünf Jahre reduziert und damit an die Legislaturperioden der Kommunalparlamente angeglichen. So sei eine „politische Kontrolle“ besser möglich, hieß es zur Begründung. Bürgermeister und auch Landräte galten manchen politischen Kritiker eben allzu oft als „kleine Könige“.

Eine so kurze Amtszeit dürfte dann für Bürgermeister-Kandidaten mit der geforderten Verwaltungserfahrung aus anderen Teilen des Landes aber auch ein höheres Risiko beinhalten, wenn sie dafür vertrauten Wohnsitz und womöglich gute Posten aufgeben müssten. Gute und externe Bewerber aus dem Öffentlichen Dienst könnten daher rar werden.

Das aber dürfte dann die Chance von örtlichen Bewerbern wie dem SPD-Politiker Handtke erhöhen – auch wenn sie nicht aus der öffentlichen Verwaltung kommen. Er selbst sieht dies im Übrigen nicht als Manko. Wichtiger, so Handtke, sei für das Bürgermeisteramt „nicht das Verwalten, sondern das Gestalten“.

Kommunalwahlen

Alle fünf Jahre werden in Niedersachsen Ratsfrauen und Ratsherren in den Städten und Gemeinden gewählt, ebenso die Kreistagsabgeordneten. Die letzten Kommunalwahlen fanden am 11. September 2016 statt, die Wahlperiode begann dann am 1. November und endet am 31 Oktober 2021 – die nächste Kommunalwahl wird daher voraussichtlich im Herbst 2021 stattfinden.

Die hauptamtlichen Bürgermeister der Städte und Gemeinden werden in Niedersachsen indes unmittelbar durch die Einwohner gewählt. Bisher betrug die Amtszeit acht Jahre, sie wurde aber schrittweise auf fünf Jahre reduziert. Ab 2021 werden daher nun in Niedersachsen Kommunalwahlen und Bürgermeisterwahlen parallel stattfinden.