Harburg
Serie: 50 Jahre Wildpark

Zwei Bärinnen zieht es hoch hinauf

Die Bären gehören zu den beliebtesten Attraktionen im Wildpark Schwarze Berge.

Die Bären gehören zu den beliebtesten Attraktionen im Wildpark Schwarze Berge.

Foto: Wildpark Schwarze Berge/Bettina Blumenthal

Der Wildpark Schwarze Berge ist 50 Jahre alt. Was hat sich in der Zeit in einem der beliebtesten Tierparadiese im Süden Hamburgs verändert?

Pünktlich zum 40. Geburtstag des Wildparks war es soweit: Im Jahr 2009 wurde das Bärengehege eingeweiht. Seitdem sind Europäische Braunbären im Wildpark Schwarze Berge heimisch.

Die jungen Geschwister Salla und Saana zogen als erste ein. Die knuffigen Bärinnen kamen aus Finnland, wo heute noch schätzungsweise 430 bis 600 Braunbären in freier Wildbahn leben. Ein erwachsenes Tier bringt bis zu 600 Kilo auf die Waage. Dabei sind Braunbären extrem schnell. Und ausgezeichnete Kletterer. „Als Salla und Saana ins Gehege zogen, kletterten sie schnurstracks auf eine 15 Meter hohe Kiefer“, erzählt Wildpark-Geschäftsführer Arne Vaubel.

Da saßen sie nun, die jungen Bärinnen – und begannen erst einmal, oben im Geäst lustig zu schaukeln. „Die haben sich einfach in eine Astgabel gesetzt. Stundenlang sind die in der Krone geblieben“, sagt Vaubel. Und weil es Salla und Saana so gut gefiel, ihr Gehege von oben aus luftiger Höhe zu betrachten, zog es die flinken Bärinnen immer wieder hinauf in den Baumwipfel.

Einige Besucher fanden das allerdings gar nicht witzig. Überzeugt davon, dass das Gehege leer war, mokierten sie sich bei der Parkleitung darüber, dass „da ja gar keine Bären sind“. Was tun? „Wir haben Schilder gemalt, darauf stand: ,Die Bären sind da oben im Baum’. Die Schilder haben wir an die Besucherplattform genagelt“, sagt der Wildpark-Chef. Sein Tipp. „Sollte Ihnen irgendwann einmal in freier Natur ein Bär begegnen. Klettern Sie niemals auf einen Baum! Der Bär ist schneller als Sie.“

Die Bären haben alles, was sie brauchen

Salla und Saana leben heute noch im Park. „Sie haben hier alles, was sie brauchen“, sagt Vaubel. Ab und zu, wenn es besonders heiß ist, gibt es auch schon mal eine leckere Eisbombe, garniert mit gefrosteten Brombeeren.

Seit der Eröffnung des Parks vor 40 Jahren hatte sich vieles verändert. Die Besucher kamen längst nicht mehr nur aus Hamburg und der Region, viele reisten von weit her an. „Wir hatten die Idee, einen Wohnmobilparkplatz einzurichten. Schließlich entschlossen wir uns, einen richtigen Campingplatz zu bauen“, erinnert sich Vaubel, der gern mit dem Wohnmobil verreist. Seit 2011 gibt es Sommercamping im Wildpark – auf 72 Plätzen, von denen zehn als Notplätze eingerichtet wurden. Der Platz ist mit Schranke, Empfang, Waschhaus, Toiletten und Duschen komplett ausgestattet.

Im selben Jahr wurde das neue Fuchs- und Dachsgehege eingeweiht. Die Greifvögel bekamen eigene Volieren und ein Falkner-Shop wurde eingerichtet.

Eine Wildparkbahn zuckelt über das Gelände

Der Eingangsbereich und das Park-Restaurant wurden im Jahr 2013 für 1,2 Millionen Euro renoviert. Seit 2014 zuckelt zudem eine Wildparkbahn über das Gelände. Sie fährt zweimal täglich und ermöglicht auch Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, einen Besuch im Park.

2015 wurde ein zweites Wolfsgehege gebaut. Dunja (2) aus Tambach und Django (1) aus Gotha lebten sich dort schnell ein. Schon zwei Jahre später gab es die ersten Wolfsjungen. Auch bei den Hängebauchschweinen rührte sich was: Dank eines neuen Ebers klappte es dort endlich wieder mit Nachwuchs. Die Hängebauchschweine laufen im Eingangsbereich frei umher, sie lassen sich sogar aus der Hand füttern.

200 Meter lange Rampe führt zum Restaurant

Um Eltern mit Kinderwagen und Besuchern mit körperlichen Einschränkungen den „Aufstieg“ im Gelände zu erleichtern, wurde ebenfalls 2015 eine Gehwegrampe gebaut. Kostenpunkt: 100.000 Euro. Die EU beteiligte sich mit 69.000 Euro. Es war das erste Mal, dass der Park Fördermittel in Anspruch nahm. Die 200 Meter lange Rampe führt barrierefrei zum Bahnparkplatz und ins Restaurant.

Doch dann, ausgerechnet zum 10. Geburtstag der Flugschauen, verschwand plötzlich Weißkopfseeadler Artus. Die Thermik hatte das stolze Tier aus dem Talkessel befördert. „Die Vögel sind es nicht gewohnt, so hoch und weit zu fliegen. Dann finden sie plötzlich nicht mehr zurück“, erklärt Vaubel. Der gesamte Norden half bei der suche nach Artus mit. Der kleinste Spatz am Himmel wurde als Artus „identifiziert“. Das alles geschah zu allem Überfluss auch noch im Jahr, als die Vogelgrippe Schlagzeilen machte und Zugvögel im Wildpark vorsichtshalber eingesperrt wurden. Schließlich die erlösende Nachricht: Artus war gefunden und wohlauf. Kurz darauf war auch die Vogelgrippe kein Thema mehr. Ende gut, alles gut.

Das Lieblingstier im Wildpark schwarze Berge gibt es nicht

Nachdem der erste Elbblickturm 2017 durch einen 750.000 Euro teuren Neubau ersetzt worden war (siehe Teil 2), kamen 2018 gleich vier kleine Wölfe zur Welt. Zum Jubiläumsjahr legten sich die Wildpark-Macher noch einmal richtig ins Zeug: Die Frettchen zogen Anfang des Jahres ins neue Bahnhofshäuschen, im April wurde die neue Flugschaubühne mit Platz für 900 Gäste eröffnet. Und mit dem Bau der Marderlandschaft wurde begonnen. Sie soll Ende dieses Jahres fertig sein. Das vielleicht schönste Geschenk zum Jubiläum war der Luchsnachwuchs von Ronja und Finn, die im Mai Lenny und Benny zur Welt brachten. Noch leben alle gemeinsam im Gehege. Eines Tages aber werden Lenny und Benny ausziehen. So will es die Natur.

„Ein Tierpark ist immer ein Kompromiss“, sagt Vaubel. „Wir versuchen, es den Tieren hier so gut wie möglich zu machen und Besuchern die Tierwelt in Deutschland möglichst nahe zu bringen. Das unterstreichen wir mit unseren Umweltbildungsprogrammen.“ Das Lieblingstier im Park? Gibt es nicht. „Der Wolf steht ohne Frage hoch im Kurs. Aber auch die einfache Bergziege. Weil sie gefüttert und gestreichelt werden können.“ Bei Flugschauen gebe es den „Wow-Effekt“, Frettchen sind dagegen auf Kindergeburtstagen die Stars: „Weil man sie an der Leine führen und streicheln kann. Für jedes Tier gibt es einen Besucher, der es toll findet.“ Und das soll auch in den nächsten 50 Jahren im Wildpark Schwarze Berge so bleiben.

Neuerungen

Zurzeit wird auf dem Gelände das Marderland gebaut. Zunächst sollen dort Steinmarder leben und später fast alle heimischen Marderarten gezeigt werden.

Mit neuen Schildertafeln mit QR-Codes werden Besucher künftig durch den Park geleitet. Die ersten Schilder stehen schon.

Ein neues Gehege für Nerz und Mink wird gerade gebaut.

Das Fischottergehege wird umgebaut. Es bekommt eine Glasscheibe, damit man die flinken Otter auch beim Schwimmen beobachten kann.

Der Iltis wird bei den Frettchen angesiedelt.

Zahlenspiele

Rund 1000 Tiere aus 100 Arten leben im Wildpark Schwarze Berge auf rund 50 Hektar Fläche.

Pro Jahr besuchen 300.000 bis 350.000 Menschen den Park.

Der Umsatz wird mit fünf Millionen Euro pro Jahr beziffert.

Es gibt 150 Mitarbeiter. Die Personalkosten schlagen mit zwei Millionen Euro zu Buche. Der Werbeetat beträgt 400.000 Euro. Tierfutter und Tierarzt kosten 100.000 Euro. Der Gewinn vor Steuern beträgt 200.000 bis 300.000 Euro.

Der Park sucht ständig neue Mitarbeiter. Nähere Informationen unter www.wildpark-schwarze-berge.de