Harburg
Wildpark Schwarze Berge

Wenn in Rosengarten die Wölfe heulen

Wölfe im Wildpark  Wildpark Schwarze Berge. So ausgeruht wie auf diesem wunderbaren Foto sieht man die Tiere selten.

Wölfe im Wildpark  Wildpark Schwarze Berge. So ausgeruht wie auf diesem wunderbaren Foto sieht man die Tiere selten.

Foto: Wildpark Schwarze Berge/Raff

50 Jahre Wildpark Schwarze Berge. Was hat sich in den Jahrzehnten in einem der beliebtesten Tierparadiese im Süden Hamburgs verändert?

Ein Kracher war die Ansiedlung von Luchsen im Wildpark Schwarze Berge. Sie fiel nach etwas ruhigeren Zeiten Anfang der 1990er-Jahre in die dritte Dekade des Parks. Bernard und Bianca waren die ersten Luchse – zwei scharfsinnige Raubkatzen, die immerhin bis zu 20 Jahre alt werden können.

Der Name war offensichtlich eine Anspielung auf die damals erfolgreiche Zeichentrickserie „Bernard und Bianca – die Mäusepolizei“. Bernard und Bianca entwickelten sich rasch zu Publikumslieblingen im 1996 neu errichteten Wildkatzengehege. Noch im selben Jahr entstand das Alpensteinbockgehege. Doch der Höhepunkt der Dekade war die Ansiedlung von Wölfen.

Das Damwild graste am Hang und spiegelte sich im Waldsee. Goldenes Licht fiel auf den Waldboden. Fast so wie immer im Wildpark. Und doch war dies ein ganz besonderer Tag im Frühjahr 1999: Das Wolfsgehege wurde eröffnet! „In ganz Deutschland gab es nur sehr wenige Parks, die heimische Wölfe hatten“, erinnert sich Wildpark-Geschäftsführer Arne Vaubel. Die Idee für ein Wolfsgehege stammte vom Tierarzt Hartmut Müller. Der hatte angeregt, dort, wo sich bisher die Wildschweine im Park wohlfühlten, ein 7000 Quadratmeter großes Gehege für Wölfe zu bauen.

Die Wölfe Donner und Didi zogen als erste ein

„Die Ziegen wurden umgesiedelt. Ihre Gehege wurden ebenfalls in das Gelände für die Wölfe integriert“, sagt Vaubel. Damit die Wölfe auch schön brav im Park blieben, wo sie hingehörten, wurde um ihr Gehege herum ein 2.70 Meter hoher, nach innen abgewinkelter Zaun errichtet.

Die Wölfe Donner und Didi zogen als erste ein. Die Rüden stammten aus dem Bayerwald Tierpark in Lohberg. Später kam Doria, eine Fähe aus dem Tierpark Sababurg bei Kassel, hinzu. Donner und Doria wurden ein Paar, Didi war „der ewige Prügelknabe“, wird berichtet. Anfangs ließen sich die von Natur aus scheuen Wildtiere allerdings eher selten blicken.

Zum Leidwesen von Besuchern – und auch der Journalisten, die zur feierlichen Eröffnung des Wolfsgeheges ihre Fotoapparate und Kameraobjektive ins lichte Gehölz richteten. Doch nichts geschah. Wo waren die Wölfe? Angeblich hielten sie sich in „gut 800 Meter Entfernung“ versteckt, versicherte der Wolfspfleger den Journalisten. Minute um Minute verstrich – von Wölfen weit und breit nichts zu sehen.

Wolfsführung mit Schaufütterung

Erst als niemand mehr mit ihnen rechnete, waren sie da. „Sie standen plötzlich ganz dicht vor uns auf. Niemand hatte ihr Herannahen bemerkt – außer der Tierpfleger natürlich“, erinnert sich ein Harburger Journalist, der damals dabei war. Heute sind die Wölfe im Wildpark längst heimisch und sehr zugänglich. Sie lassen sich durch das leichte Gehölz sehr gut beobachten – und spätestens bei einer kostenlosen Wolfsführung mit Schaufütterung bestens fotografieren.

„Donner und Doria haben viel Nachwuchs bekommen“, sagt Vaubel. Ein Rudel von zeitweise bis zu zwölf Tieren entstand so über die Jahre – zu viel für das auf 7000 Quadratmeter begrenzte Gehege. Was also tun? Junge Wölfe wurden auf andere Parks verteilt, einige gelangten sogar bis nach Frankreich. Und: Geburtenkontrolle war angesagt. „Wir gaben Wölfin Doria zeitweise die Pille“, verrät Vaubel. Inzwischen hat eines ihrer Wolfskinder das Rudel übernommen.

Um das alte Rudel nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen, entschloss sich Arne Vaubel, im Jahr 2015 ein zweites, junges Wolfsrudel in einem zweiten Gehege aufzubauen. So kamen die Fähe Dunja aus Tambach und Rüde Django aus Gotha in den Wildpark. Obwohl sich die beiden Wölfe von Anfang an sehr gut verstanden, wollte sich zunächst nicht so recht Nachwuchs einstellen. Doch dann entdeckte der Tierpfleger am Höhleneingang in der Wolfsschlucht ein winziges Wolfskind. Es war eines von drei winzigen weiblichen und drei männlichen Welpen. „Es war der erste Wolfsnachwuchs seit sieben Jahren,“ berichtet Vaubel. Alle sechs Welpen wurden gut von Mutter Dunja versorgt.

Die Wölfe der ersten Stunde im Wildpark sind mittlerweile alt, sehr alt. In der Natur erreichen Wölfe etwa zehn Jahre, im Tierpark werden die Tiere bis zu 20 Jahre alt. „In freier Wildbahn würden Wölfe niemals ein so hohes Alter erreichen. Sie würden von den Jungen verstoßen“, sagt Vaubel. So etwas steht im Park außer Frage. „Wir haben uns entschieden, die alten Wölfe in Ruhe zu lassen und ihnen ein eigenes Gehege gebaut. Drei Tiere sind eingezogen. Es ist unsere ,Alten-WG’.“ Einer der alten Wölfe litt an Arthrose und ist inzwischen gestorben. Doch es gibt auch immer wieder Nachwuchs – und wenn nötig Geburtenkontrolle.

Märchen und Mythen ranken sich um den Wolf, der versuchte Rotkäppchen vom rechten Weg abzubringen und die sieben Geißlein mit einer weißen Pfote täuschte. Dabei ist der sagenumwobene „Bösewicht“ ein scheues, gejagtes Tier.

Und weil es inzwischen so viel über die Rückkehr des Wolfes in unsere Gefilde zu berichten gibt, wurde im Wildpark Schwarze Berge in diesem Jahr erstmals der „Tag der Wölfe“ ausgerufen: Wie arbeiten Herdenschutz- und Zollhunde? Wie viel Wolf steckt in unseren Hunden? Mit Vorträgen und Vorführungen, Märchen, Wolfsfütterungen und einem gemeinsamen Laternelaufen zur Feuershow im Freigehege wurde großen und kleinen Besuchern gezeigt, was hinter dem faszinierenden Wesen steckt.

Wölfe

Der Wolf war viele Jahrhunderte das meistverbreitete Raubtier in Deutschland. Besonders in den östlichen Gebieten streiften Wolfsrudel durch Wald und Flur – und wurden gnadenlos bejagt. Bis der Wolf Anfang des 20. Jahrhunderts in unseren Breitengraden ausgerottet war.

Mehr als hundert Jahre lang gab es keine Wölfe mehr in Deutschland. Inzwischen hat sich der Wolf von Osten her kommend wieder angesiedelt. Das freut Tierschützer, Forscher und Biologen. Bei Jägern, Tierhaltern und Wanderern sorgt es für Vorbehalte. Frei lebende Wölfe erbeuten hauptsächlich mittelgroße bis große Huftiere – darunter Schafe.


Lesen Sie morgen Teil 4: Die Adler erheben sich