Harburg
Die Serie – 50 Jahre Wildpark

Auge in Auge mit Adler und Eule

Falkner Thomas Wamser setzt die Schleiereule behutsam auf den Arm des Jungen. Der ist mit einem großen Lederhandschuh geschützt.

Falkner Thomas Wamser setzt die Schleiereule behutsam auf den Arm des Jungen. Der ist mit einem großen Lederhandschuh geschützt.

Foto: Wildpark Schwarze Berge

Der Wildpark Schwarze Berge ist 50 Jahre alt. Was hat sich in der Zeit in einem der beliebtesten Tierparadiese im Süden Hamburgs verändert?

Vahrendorf.  Während die Angst vor Computerabstürzen zur Jahrtausendwende bei manchen Zeitgenossen eine regelrechte Weltuntergangsstimmung auslöste, tat man im Wildpark Schwarze Berge das, was man immer tat: Den eigenen Laden auf Trab halten – und behutsam weiterentwickeln. „Ägyptische Nilflughunde zogen als erste im Jahr 2000 in das neu errichtete, reetgedeckte Fledermaushaus“, berichtet Arne Vaubel, der Geschäftsführer des Parks.
Das Schöne daran: Besucher dürfen die flinken Veganer mit Obst füttern. Aber warum gibt es eigentlich keine heimischen Fledermäuse im Park? Vaubel winkt ab: „Unsere einheimischen Fledermäuse fressen Insekten. Das würde einen erbärmlichen Gestank verbreiten.“ So einfach ist das.

Im selben Jahr siedelten die Wildpark-Macher auch die ersten Elche an. Der schwedische Generalkonsul Leif Sjöström ließ es sich nicht nehmen, das Elchgehege höchstpersönlich einzuweihen. „Elche sind sehr schwer zu halten, sie haben enorme Ernährungsanforderungen“, erklärt Vaubel. „Elche sind naschhafte Fresser, sie sind sehr wählerisch. In ihrer Heimat pflücken sie allerlei Moose.“ Elche erreichen in Gehegen bei guter Pflege ein Alter bis zu 27 Jahren, während sie in freier Wildbahn in der Regel lediglich zehn bis 14 Jahre alt werden. Elche sind auch sehr gute Läufer, bis zu 60 Kilometer schnell und ziemlich ausdauernd.

Und sie sind schnelle und ausdauernde Schwimmer. Sie können sogar sieben Meter tief tauchen – kaum zu Glauben, aber wahr. „Vor Kurzem kam ein Elchkalb im Park zur Welt. Wir sind guter Hoffnung, dass es schon bald wieder eine größere Gruppe Elche bei uns geben wird.“

Die Hasen waren stressempfindlich

Im Jahr 2001 wurde es im Wildpark im wahrsten Sinne unterirdisch. In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Sielmuseum bauten die Naturfreunde einen Rattentunnel. „Wir haben versucht, auf dem Tunnel einen Hasenhügel abzulegen. Dieses Projekt ist leider gescheitert“, erzählt Vaubel. Der Grund: Hasen mit ihren langen Löffeln (Ohren) sind ziemlich stressempfindlich. „Das Kindergeschrei hat den Tieren zugesetzt.“

Heute tummeln sich auf dem Tunnel knuffige Meerschweinchen. Die haben lütte Ohren – und stecken so einiges weg. Im Jahr 2002 fiel der Startschuss für das nächste Projekt: das Naturerlebniszentrum. Die Idee, eine Brücke zwischen Mensch, Tier und Pflanzen zu schlagen, indem Besucher Flora und Fauna hautnah erleben können, wurde eine Erfolgsgeschichte: Heute führen hauptamtliche Mitarbeiter des Parks regelmäßig Schulklassen, Hortgruppen und Kinder durch den Park – 1500 mal im Jahr.

Wie fühlt sich die Wolle eines Schafs an? Wie borstig ist das Wildschwein? Bei einer Streichelrunde durch den Park können unterschiedliche Tierfelle von den Kleinen erfühlt werden. Bei Schaufütterungen von Wolf und Luchs lassen sich Unterscheide und Gemeinsamkeiten der in Deutschland heimischen Raubtiere feststellen. Kleinteiliger wird es, wenn sich die jungen Naturforscher in der Gruppe mit der Becherlupe auf Ameisenjagd begeben oder dem Tausendfüßler auf die Spur kommen.

Spektakulärer Nervenkitzel am Himmel

2003 entstand das neue Waschbärengehege. Und drei Jahre später folgte die erste Vogelflugschau im Park. „Anfangs brachte die Event-Falknerei Wamser ihre Greifvögel für die Schau mit dem Auto mit. Nur einmal im Monat, immer am letzten Sonntag, gab es auf dem Parkplatz Flugschauen“, erinnert sich Vaubel. Heute können die Zuschauer dreimal täglich den spektakulären Nervenkitzel am Himmel erleben. Bequem von der großen Tribüne aus beobachten sie die eleganten Tiere – vom Turmfalken, der nicht viel mehr wiegt als eine Tafel Schokolade bis zum wuchtigen Weißkopfseeadler mit zwei Metern Flügelspannweite. Da werden die Köpfe schon mal eingezogen, wenn der Adler dicht darüber hinweg gleitet. Elegant greift der Wüstenbussard einen Leckerbissen in der Luft, während der Falke wie in einer Achterbahn mit dem Federspiel in der Luft spielt und am Ende auf dem Boden landet, um seine Belohnung zu vertilgen.

Garniert mit frechen, lustigen Sprüchen vermitteln die Falkner den Gästen während und nach der Show fundiertes Wissen über die Greifvögel. Ist es denn nicht gefährlich, wenn die Vögel so knapp über die Köpfe des Publikums segeln? „Nein“, versichert Vaubel. Nur ein einziges mal habe es in all den Jahren einen Landeunfall bei den äußerst beliebten Flugschauen gegeben. Dabei habe sich ein Falkner leicht verletzt.

Wem Greifvögel dennoch unheimlich sind, der sollte von einer Flugschau lieber Abstand nehmen. In dem Fall ist man mit der Familie bei den bunten Sittichen in ihren Volieren in der Kunsthandwerkerhalle sicherlich besser aufgehoben: Die vorwitzigen Piepmätze gibt es im Wildpark seit 2007 – und obendrein ein paar pechschwarze Rabenvögel als Kontrastprogramm.

Seeadler

Der Seeadler – deutsches Wappentier und mit bis zu 2,60 Metern Flügelspannweite größter Greifvogel Mitteleuropas, war einst in vielen Ländern Europas verbreitet.

Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der Mensch den Seeadler fast vollständig ausgerottet. Jahrhunderte lang hatte er den Raubvogel rücksichtslos bejagt.

Der WWF rief 1968 das „Projekt Seeadlerschutz“ in Schleswig-Holstein ins Leben, das auf Länder wie Schweden, Norwegen und Finnland übertragen wurde. Der WWF errichtete Schutzzonen und Horste. Heute brüten in Deutschland wieder 580 Seeadlerpaare so erfolgreich, dass eine natürliche Wiederbesiedlung Österreichs und Dänemarks erfolgen konnte.

Seeadler können 15 bis 40 Jahre alt werden. Viele Adler sterben früher an Vergiftungen. Mit Störungen am Seeadler-Horst ist der Mensch der größte Feind.

Lesen Sie morgen Teil 5 der Serie: Die Bären sind los