Harburg
Kleine Sensation

Als das Ohnsorg-Theater blankzog

Das Filmmuseum Bendestorf hat zum Film auch noch die eine oder andere Original-Werbung aufbewahrt.

Das Filmmuseum Bendestorf hat zum Film auch noch die eine oder andere Original-Werbung aufbewahrt.

Foto: Filmmuseum Bendestorf

Filmmuseum Bendestorf zeigt den lange verschollenen Streifen „Otto und die nackte Welle“ von 1968.

Bendestorf. Des Freundeskreis des Filmmuseums Bendestorf zeigt an diesem Donnerstag eine kleine Sensation: die einzige erhalten gebliebene 35-Millimeter-Filmkopie des Streifens „Otto und die nackte Welle“ von 1968. Der in Bendestorf produzierte Film ist ein Projekt des Hamburger Ohnsorg-Theaters, bei dem Stars wie Otto Lüthje, Heidi Kabel, Henry Vahl, Heidi Mahler, Erwin Wirschaz, Ernst Grabbe, Heini Kaufeld, Heinz Lanker, Hilde Sicks und Werner Riepel mitwirkten. Der Film galt seither als verschollen.

„Otto und die nackte Welle“ ist ein deutsches Filmlustspiel aus dem Jahr 1968 mit Otto Lüthje als Otto, Heidi Kabel als seine Frau Erna und zahlreichen weiteren beliebten Darstellern des Hamburger Ohnsorg-Theaters. Die Hauptfigur Otto Sanftleben ist ein alteingesessener Hamburger Schauspieler und Schmalfilmamateur und grundsätzlich gegen öffentlich dargebotene Nacktheit.

Otto findet Gefallen an „Schmuddeleien“

Überall muss er diese „Schmuddeleien“ feststellen und wendet sich stets angewidert ab. Deswegen braucht er regelmäßig Erholung vom Sündenpfuhl der Großstadtheimat, und die findet Otto in Lüneburger Heide, wo er allenfalls nackte Schafe, die Heidschnucken, bewundern und filmen kann.

Doch auch auf dem Land muss er mit Schrecken feststellen, dass sich die sündigen Nackedeis hier breitgemacht haben – und das ausgerechnet zur Freude seines Fotografenkollegen Hans von Noeltinghoff, der lieber nackte Mädchen als irgendetwas anderes auf seine Filme bannen möchte. Mit diesen Fotos könne er schließlich so manche Mark dazuverdienen.

Akte landen überraschend in Landschaftsbildern

Um Otto einen Streich zu spielen, schneidet Hans von Noeltinghoff einige seiner Aktaufnahmen in Ottos beschauliche Landschaftsbilder. Überraschenderweise kommt Otto auf den Geschmack, und bald kann er wohlgeformten, nackten Frauenbrüsten mehr abgewinnen als im Wind schaukelnden Gräsern oder blökenden Schafen. Otto bewundert Noeltinghoff sogar und will zum Entsetzen seiner auf „Sitte und Moral“ Wert legenden Frau Erna, so rasch wie möglich in das Geschäft mit den Nackedei-Fotos einsteigen.

Doch es kommt anders: Eines Tages bietet das Theater, an dem Otto engagiert ist, seine lang ersehnte Lieblingsrolle an, und so kehrt Otto wieder in seine kleine heile Großstadtwelt zurück und der „nackten Welle“ den Rücken.

Ebenfalls im Programm werden einige weitere seltene 35-Millimeter-Kurzfilme aus Bendestorfer Produktion auf der Leinwand zu sehen sein, die sicherlich ebenso für die Besucher eine Überraschung sein werden.

Donnerstag, 10. Oktober, 19 Uhr, Filmmuseum Bendestorf, Am Schierenberg 2, Eintritt frei, Spende erbeten. Vor dem Film gibt es eine Einführung mit Volker Reissmann