Harburg
Bendestorf

Landkreis will Filmmuseum helfen

Walfried Malleskat beim Einspannen einer Filmrolle in eine alten Projektor. Er kämpft darum, die Geschichte des Filmstudios Bendestorf zu bewahren.

Walfried Malleskat beim Einspannen einer Filmrolle in eine alten Projektor. Er kämpft darum, die Geschichte des Filmstudios Bendestorf zu bewahren.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Erhalt des kulturellen Kleinods ist eine finanzielle Gratwanderung – SPD und CDU wollen Zuschüsse auf den Weg bringen.

Bendestorf . Das Filmmuseum Bendestorf soll dauerhaft finanziell auf sichere Beine gestellt werden. Die SPD-Fraktion im Landkreis Harburg hat einstimmig einen Beschluss für einen Antrag gefasst, den laufenden Betrieb zukünftig mit jährlich 10.000 Euro zu unterstützen. Der Antrag soll nach der Sommerpause eingebracht werden und sieht vor, dass sich künftig auch Gemeinde und Samtgemeinde mit jeweils 10.000 Euro jährlich einbringen. „Damit bringen wir gemeinsam zukünftig die finanzielle Unterstützung auf, die vom Verein benötigt wird, um handlungsfähig zu bleiben“, sagt Tobias Handtke, Vorsitzender der SPD-Kreistagfraktion. „Mit einem dauerhaften und gemeinschaftlichen Finanzierungsmodell können wir dem Museum die notwendige Planungssicherheit geben.“

CDU unterstützt den Vorstoß

Auch die CDU im Landkreis Harburg spricht sich für eine langfristige Unterstützung des „Kulturraum Studio Bendestorf“ aus. „Wir tragen den Vorstoß der SPD mit“, sagt deren Fraktionsgeschäftsführer Christian Horend. Es sei wichtig, dass das Museum in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werde. „Schließlich wurde hier Filmgeschichte geschrieben“, so Horend. „Das Filmmuseum ist ein Kleinod, das wir erhalten müssen.“ Das sieht auch Landrat Rainer Rempe so, der allerdings der politischen Diskussion nicht vorgreifen will. „Nur eines möchte ich dazu feststellen“, sagt er. „Es steht außer Frage, dass das Filmmuseum kulturell eine besondere Bedeutung für den Landkreis Harburg hat.“

Großteil der Fördermittel floss in den Gebäudeerhalt

Fakt ist: Das Filmmuseum Bendestorf braucht Geld, wenn es dauerhaft bestehen will. Die Einrichtung, die seit Anfang 2017 als „Kulturraum Studio Bendestorf“ in der alten Atelierhalle auf dem ehemaligen Studiogelände am Schierenberg untergebracht ist, kann ihren Betrieb nur mühsam und mit großem ehrenamtlichen Engagement aufrecht erhalten. Geld fehlt nicht nur für die Gestaltung der laufenden Ausstellung, sondern auch für das geplante Projekt zur TV-Historie im Studio Bendestorf. Von den im Jahr 2015/16 geflossenen 185.000 Euro an Fördermitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie weiteren 50.000 Euro, die der Freundeskreis des Museums eigenhändig aufbrachte, musste ein Großteil in die Sanierung des Gebäudes investiert werden. Auch die damals von der Gemeinde zur Verfügung gestellte Summe von 12.500 Euro sind längst ausgegeben.

Umbau der Halle war teurer als zuvor kalkuliert

„Der Umbau der Halle hat viel mehr gekostet, als wir angenommen hatten“, sagt Walfried Malleskat, Vorsitzender des Freundeskreises Filmmuseum. „Für die Ausstellungsarchitektur blieb damals nur ein Bruchteil des Geldes.“ Viele Ideen konnten nicht wie geplant umgesetzt werden, so zum Beispiel das geplante Hologramm der unvergessenen Hildegard Knef. Die Schauspielerin und Sängerin hat Anfang der 1950er-Jahre im Bendestorfer Studio für zwei ihrer berühmtesten Spielfilme vor der Kamera gestanden. „Durch eine spezielle Lichttechnik sollte die Knef für eine kurze Szene aus dem legendären Streifen ‘Die Sünderin’ dreidimensional auferstehen“, schwärmt Malleskat. „Aber letztendlich war die Idee zu teuer.“ Trotz fehlender Showeffekte ist das Filmmuseum eine beliebte Anlaufstelle für Filmfreunde und Touristen geworden. Die Besucherzahlen steigen kontinuierlich. Und der Verein zählt mehr als 100 Mitglieder. Doch die Finanzierung bleibt schwierig. „Es ist eine Gratwanderung, auf der sich unser Projekt befindet“, sagt Walfried Malleskat. „Die finanziellen Belastungen und der Handlungsbedarf sind enorm. Wenn sich nichts tut, geht dem Verein früher oder später die Luft aus.“

Wesentlich durch Spenden finanziert

Malleskat und seine Mitstreiter wünschen sich, dass sowohl die Gemeinde, wie auch der Landkreis das Projekt dauerhaft mittragen. Die Samtgemeinde scheidet gesetzlich als Geldgeber aus. „Es ist an der Zeit, dass im Landkreis andere kulturelle Schwerpunkte gesetzt werden“, so Malleskat. „Die Öffentlichkeit muss sich an dem Erhalt dieser wertvollen kulturellen Einrichtung beteiligen.“ Es könne nicht sein, dass der laufende Kulturbetrieb nur auf Freiwilligkeit des Veranstalters und der Besucher stattfinde. Denn alle Veranstaltungen im Kulturraum Studio Bendestorf sind kostenlos und nur durch Spenden finanziert. Dazu gehören auch die Filmvorführungen im ehemaligen Produzentenkino, deren Sitzreihen aus alten Hamburger Kinos wie dem „Savoy“ und dem „Streit’s“ stammen.

Bendestorf hat sich jetzt schon entschieden

Während der Beschluss des Kreistages erst im Herbst fallen dürfte, hat sich der Gemeinderat Bendestorf bereits dafür ausgesprochen, den Verein stärker zu unterstützen. „Die Gemeinde stellt dem Verein für 2020 eine Förderung in Höhe von bis zu 10.000 Euro in Aussicht“, sagt Bürgermeister Bernd Beiersdorf. Die Höhe der Summe spielt insofern auch eine Rolle, als dass der Verein für sein Projekt „TV-Historie im Studio Bendestorf“ Förderanträge bei dem Träger „Leader“ sowie der nordmedia stellen möchte. Die Summe beläuft sich auf 90.000 Euro. Voraussetzung einer Förderung ist, dass der Verein einen Eigenfinanzierungsanteil von zehn Prozent der Fördersumme belegen kann. Das wären 9000 Euro.