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Ehestorfer Heuweg bleibt dicht – weitere Baustelle geplant

Eine Lore erinnert an das ehemalige Bergwerk Robertshall – und nun auch ein fünf Meter tiefes Loch, das die Bauarbeiten am Ehestorfer Heuweg verzögert.

Eine Lore erinnert an das ehemalige Bergwerk Robertshall – und nun auch ein fünf Meter tiefes Loch, das die Bauarbeiten am Ehestorfer Heuweg verzögert.

Foto: Lars Hansen / HA

Zur Vollsperrung wegen des Durchbruchs in einen Bergwerksstollen kommt die Sanierung einer Kreuzung wenige hundert Meter weiter.

Hamburg.  Die Vollsperrung am Ehestorfer Heuweg dauert mindestens bis zum Jahresende. Das teilte der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) am Donnerstag mit, nachdem ein fünf Meter tiefes Loch – ein so genannter Tagesbruch, der durch das ehemalige Bergwerk unter der Haake verursacht wurde – die Straßensanierung in der Nähe der Landesgrenze gestoppt hat.

Ursprünglich sollte der Verkehr auf der wichtigen Verbindungsstrecke zwischen Harburg und Süderelbe schon in einer Woche wieder frei gegeben werden. Für die Hausbrucher und die Neugrabener kommt es aber noch dicker.

Für den A7-Ausbau: Kreuzung muss saniert werden

Im Oktober muss trotz der Verzögerung am Ehestorfer Heuweg die Sanierung der Kreuzung Waltershofer Straße/Cuxhavener Straße beginnen. Sie ist in mehrere Bauabschnitte unterteilt und zieht sich bis zum Sommer.

Dann soll der gesamte Bereich Umleitungs- und Entlastungsstrecke für die Autobahn 7 werden, die ab 2020 im Bereich zwischen Heimfeld und dem Elbtunnel saniert und ausgebaut wird.

Anwohner werfen Verkehrsbehörde Schlamperei vor

Anwohner und andere regelmäßige Nutzer des Ehestorfer Heuwegs sind sprachlos: „Ich weiß nicht mehr, was ich dazu sagen soll, und die meisten anderen Anwohner auch nicht“, sagt Eva Herkner von der Initiative „Verkehrsnotstand Ehestorfer Heuweg“. „Man flüchtet sich in Sarkasmus oder nimmt lethargisch hin, was kommt. Wenn man bedenkt, dass die ganze Maßnahme ursprünglich als reine Radwegesanierung gedacht war, kommt es einem wie eine Posse vor!“

„Man wusste doch, dass hier ein Bergwerk war“, beschwert sich ein Anwohner auf der Facebook-Seite der Initiative. „Warum hat man das ignoriert?“

Nicht die Stadt, die Bergleute haben geschlampt

Bergbauingenieur Martin Buschmann, den der LSBG als Fachmann zu Rate gezogen hat, nimmt die Hamburger Planer in Schutz: Wahrscheinlich hätten nicht sie vor zwei Jahren geschlampt, sondern die Bergleute vor 100 Jahren, als der Braunkohleabbau hier nach nur zwei Jahren wieder aufgegeben wurde.

„In den Aufzeichnungen gelten die Strecken, die unter der Straße hindurch verlaufen, als verfüllt“, sagt er. „Deshalb musste man sie bei der Planung der Straßensanierung nicht berücksichtigen.“

Buschmann, der für ein Aachener Gutachterbüro arbeitet, wird sich in der kommenden Woche ein persönliches Bild vom alten Bergwerk und seinem Zustand machen. Dabei geht es nur noch um die sechs Zugangsschächte – drei auf Hamburger Gebiet, drei in Ehestorf – die unter der Straße hindurch verlaufen.

Alte Stollen wurden nur mit Sand gefüllt

Die eigentlichen Abbauschächte unter dem Wald wurden 1922, als das Bergwerk aufgegeben wurde, „geraubt“. Das bedeutet, dass man alle Stützen und Wände entfernte und die Stollen bewusst kollabieren ließ. trichterförmige und grabenartige Verwerfungen im Hügelhang zeugen heute noch davon.

Über die Zugänge verlief jedoch schon seinerzeit die Straße. Deshalb wurden sie verfüllt. „Wahrscheinlich hat man damals reinen Sand als Füllmaterial genommen“, sagt Buschmann. „Und damit hat man zwei Probleme: Ohne Zement lässt sich Sand im Stollen nicht richtig verdichten – und er kann weggespült werden.“

Schächte sollen mit Zement stabilisiert werden

Wenn dadurch im alten Schacht ein Hohlraum entsteht, rutscht der Boden nicht gleich von der Oberfläche nach, sondern von der Stollendecke. Ein neuer Hohlraum entsteht, der später wieder kollabiert. So wandert quasi eine Blase langsam an die Oberfläche.

Buschmann plant, die Schächte zu lokalisieren und bei Bedarf mit einer speziellen Zementmasse zu verfüllen. „Es geht von solchen Versackungen in der Regel keine Gefahr für Leib und Leben aus“, sagt er. „Aber wenn Bauwerke darüber schadenfrei bleiben sollen, muss man den Boden natürlich stabilisieren.“

Immerhin soll der Ehestorfer Heuweg ab 2020 die Umleitungsstrecke sein, wenn sich auf der A7 wegen der Verbreiterungsbaustelle der Verkehr staut, oder einzelne Abfahrten gesperrt werden, wie es laut LSBG unumgänglich sein wird.

Kreuzung Waltershofer/Cuxhavener Straße wird saniert

Ebenso als Umleitung soll die Waltershofer Straße dienen. Dafür soll die Kreuzung Waltershofer Straße/Cuxhavener Straße um eine Abbiegespur erweitert werden.

Bei den Untersuchungen der Kreuzungsfahrbahn stellten die Bauleute fest: Wenn die Kreuzung sechs Jahre halten soll – so lange dauern die Bauarbeiten auf der Autobahn – muss man sie von Grund auf sanieren. Eine Vollsperrung ist nicht geplant. Die Rückstaus werden allerdings einen ähnlichen Effekt haben. „Mitte 2020 beginnen die Arbeiten an der Autobahn“, sagt LSBG-Baustellenkoordinator Christian Merl, „Es gibt Notwendigkeiten, bei denen man für Koordination keinen Spielraum mehr hat!“

 

Der Hamburger Süden als Nadelöhr des europäischen Nord-Süd-Verkehrs wird in den nächsten Jahren nicht zur Ruhe kommen, was Straßen-Großbaustellen angeht: Ab 2020 wird die Autobahn A 7 von Heimfeld bis zum Elbtunnel verbreitert und gleichzeitig grundsaniert.

Zuvor werden alle parallel verlaufenden Straßen so ertüchtigt, dass sie Ausweichverkehr aufnehmen können. Danach muss die Autobahn A 1 grundsaniert und ebenfalls verbreitert werden. Vor allem die beiden Elbquerungen bereiten den Planern hier große Sorgen. Gleichzeitig plant die Stadt zwischen A 7 und A 1 eine Verbindungsautobahn, die A 26 Ost, inklusive zweier Autobahnkreuze in Hausbruch und Stillhorn.