Metropolregion

Radschnellweg Süderelbe – nur auf Umwegen?

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So stellen sich die Planer einen gut ausgebauten Radschnellweg entlang der S-Bahnlinie vor.

So stellen sich die Planer einen gut ausgebauten Radschnellweg entlang der S-Bahnlinie vor.

Foto: Orange Box

Online-Befragung ergibt klare Bevorzugung an der S-Bahn-Trasse. Doch der Naturschutz könnte das noch verhindern. Entscheidung im Juni.

Buxtehude/Neu Wulmstorf.  Radschnellwege sollen in einigen Jahren das Umland mit Hamburg verbinden, derzeit lässt der länderübergreifende Planungsverbund „Metropolregion Hamburg“ dazu mit einer Online-Beteiligung von Bürgern nach den besten Trassenvarianten suchen. Für die geplante, etwa 56 Kilometer lange Route von Stade nach Harburg ist dieses Internet-Verfahren nun abgeschlossen und von den Planern ausgewertet worden, wie die Metropolregion auf Abendblatt-Anfrage bestätigte.

Teil dieses betrachteten Korridors war nicht nur eine möglichst direkte Verbindung, sondern auch eventuell eine Art Abzweigung zum Fähranleger in Finkenwerder. „In diesem Projekt suchen wir nach einer günstigen Streckenführung, die Radfahrende möglichst zügig und direkt ans Ziel bringt“, hieß es als Vorgabe.

Die Antwort bei der Online-Befragung dazu ist offensichtlich mehr als deutlich: Aus den Hinweisen ergebe sich ein „klares Votum“ für eine Trasse entlang der Bahn und die Anbindung von Finkenwerder, heißt es in einer Zusammenfassung. Dieser Wunsch der Bürger decke sich auch mit den Zielsetzungen der aktuellen Machbarkeitsstudie. „Ebenso wurde häufig auf einen Lückenschluss im Vogelschutzgebiet zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf hingewiesen“, heißt es dort weiter.

Statt Radschnellweg nur ein Radschmalweg?

Tatsächlich ist ein bereits vorhandener Feldweg dort direkt an den Gleisen auf einigen hundert Metern unterbrochen. Doch eine durchgängige Radwegverbindung blieb bisher nur ein frommer Wunsch der beiden Kommunen Buxtehude und Neu Wulmstorf. Denn dort befindet sich im Moorgürtel ein großes EU-Vogelschutzgebiet mit wenigen Exemplaren des streng geschützten Wachtelkönigs.

Selbst die Planung eines Wirtschaftsweges war deshalb von den beteiligten Naturschutzbehörden abgelehnt worden. Man befürchtet, dass ein solcher Weg auch Spaziergänger mit Hunden anlocken könnte und die letzten Vögel dieses selten Art dort verschwinden. „Aus Sicht des Naturschutzes ergibt sich allerdings ein fast unlösbarer Konflikt“, heißt es daher weiter in der Auswertung der Online-Befragung.

Tatsächlich lässt das Amt für regionale Landesentwicklung in Lüneburg derzeit von Gutachtern prüfen, ob entlang der Bahnlinie nicht doch noch ein Radweg möglich sei. Die Idee dabei: Man baut diesen Weg, überlässt andere Verbindungen im Moor dafür wieder der Natur. In der Summe komme dann mehr Naturfläche heraus, so das Argument. Ob die beamteten Naturschützer, die sich auf scharfe Gesetze berufen können, aber dann auch grünes Licht für einen breiten Radschnellweg mit Fahrspuren und zusätzlichem Gehweg erlauben, schein derzeit mehr als zweifelhaft.

Die Rede ist nur von einem kleinen Radweg

Man solle „bloß nicht“ von einem Radschnellweg sprechen, sonst werde das nie etwas, heißt es dann schon einmal hinter vorgehaltener Hand in anderen Behördenkreisen. Wenn überhaupt, werde es dort einen kleinen Radweg geben. Statt Radschnellweg einen Radschmalweg sozusagen. Aber selbst ein solcher eher kleinerer Radweg ist eben immer noch fraglich. Eine endgültige Entscheidung der Naturschutzbehörden soll es nach Information des Lüneburger Amtes Ende Juni geben.

Die Radschnellweg-Planer der Metropolregion haben sich unterdessen offensichtlich schon auf ein Aus der von den Bürgern favorisierten S-Bahn-Trasse eingestellt. Geprüft würden daher auch zwei Varianten südlich und nördlich des Moorgürtels, etwa parallel zur künftigen A 26. Das aber dürfte für die Radschnellfahrer kräftige Umwege bedeuten, jedenfalls in der direkten Verbindung von Stade, Buxtehude und Neu Wulmstorf mit Harburg. „Zur S-Bahn-Trasse gibt es eigentlich keine Alternative“, sagt dann auch der Neu Wulmstorfer CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke, der aber auch einräumen muss, dass selbst die Landesregierung mit CDU-Beteiligung wenig ändern können. „Da sind die Gesetze einfach zu streng“, so Schönecke.

Bald keine Spur mehr vom Wachtelkönig?

Fraglich aber ist, ob der Wachtelkönig noch lange in dem Moorgürtel nachzuweisen ist. Bei vogelkundlichen Exkursionen dort werden Teilnehmer dort auch schon einmal von Naturschützern darauf hingewiesen, dass mit dem Weiterbau der Autobahn A26 wohl auch der Wachtelkönig eines Tages verschwinden könne. Einfach deshalb, weil er bei dem künftigen Verkehrslärm nicht mehr mit seinen Balzrufen mögliche Partner locken könne.

Gut möglich also, dass es in einigen Jahren an der S-Bahn im Moor bei Neu Wulmstorf gar keine Wachtelkönige mehr gibt. Und auch keinen Radschnellweg.

Online-Ergebnis für Lüneburg bis Hamburg

Auch für den geplanten Radschnellweg zwischen Lüneburg und Hamburg ist die Online-Beteiligung jetzt abgeschlossen. Allerdings ergeben sich dort nicht die Naturschutzprobleme wie auf dem Stader Ast. Auch von Lüneburg kommend würde die Strecke an der Bahnlinie sowie an der A 39 verlaufen und von den Norderelbbrücken über die Gemeinde Seevetal, Stelle, Bardowick und Winsen nach Lüneburg führen.

Die meisten Vorschläge in der Online-Beteiligung sprachen sich laut Metropolregion für eine Führung auf der nördlichen Seite direkt an der Bahnstrecke aus. Für den Abschnitt Winsen bis Lüneburg indes gab es gleich viele Stimmen für eine nördliche wie für eine südliche Trasse. Viele Teilnehmer verwiesen auch auf besonders schlechte Radwege – etwa an der Bremer Straße in Harburg.

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