Harburg
Heimfeld

Ein Boardinghouse für Harburg

Hotelier Gert Thies-Lembcke will auf dem Parkplatz neben dem Privathotel Lindtner  ein Boarding-House errichten

Hotelier Gert Thies-Lembcke will auf dem Parkplatz neben dem Privathotel Lindtner  ein Boarding-House errichten

Foto: Jörg Riefenstahl

Privathotel Lindtner plant einen Erweiterungsbau für Langzeitgäste. Aber das Harburger Bauamt stellt sich quer.

HaRburg.  Nachdenklich lehnt Gert Thies-Lembcke an der alten Buche am Parkplatz neben dem Privathotel Lindtner in Heimfeld. Wenn es nach ihm und seiner Frau Heida Lindtner ginge, würde der Parkplatz neben dem Fünf-Sterne-Haus so schnell wie möglich verschwinden, um Platz für Neues zu schaffen: Auf der Fläche will das Ehepaar Harburgs erstes Boardinghouse errichten.

„Wenn alle gut läuft, könnten wir das Boardinghouse nach einem Jahr Bauzeit hier eröffnen“, sagte Thies-Lembcke, Sprecher der Geschäftsleitung des Hotelbetriebs, der das Projekt dem Abendblatt vorstellte. Ein Boardinghouse ist ein Beherbergungsbetrieb auf Zeit, der Zimmer oder Apartments mit hotelähnlichen Leistungen im städtschen Umfeld vermietet.

Im Unterschied zu einer Pension oder einem Hotel dauert der Aufenthalt im Boardinghouse länger: Die Zimmer und Appartements werden vor allem von Firmen genutzt, die über längere Zeit ihre Mitarbeiter für bestimmte Projekte in andere Städte entsenden. Die Unterkunft ist in der Regel günstiger als in einem Hotel.

Vorgesehen sind 48 Zwei-Zimmer-Apartments

Als wachsende Stadt verzeichnet Hamburg seit Jahren einen rasanten Zuwachs an Boardinghouses im Stadtgebiet. „Die Nachfrage nach Langzeit-Hotels ist riesengroß. In Harburg gibt es keine“, sagt Thies-Lembcke. Gemeinsam mit seiner Frau, Inhaberin vom Hotel Lindtner, plant er 48 Zwei-Zimmer-Apartments von jeweils 38 Quadratmetern. Mit Küchenzeile und Hotelanschluss. „Die Gäste im Boardinghouse sollen im Hotel essen und trinken“, sagt Thies-Lembcke.

„Es ist eine gesunde Erweiterung unseres Hauses. Es ist eine vernünftige Lösung“, ergänzt die Hotelchefin. „Harburg wächst. Sämtliche Betriebe wachsen. Mitarbeiter aus aller Welt kommen hierher, um für eine Übergangszeit einige Monate in Harburg zu wohnen. Mit Bus und Bahn sind wir gut angebunden.“

Die Kosten für den Neubau werden auf rund zehn Millionen Euro veranschlagt – inklusive Grundstück. Bauherr ist die Lindtner Verwaltungsgesellschaft. 30 bis 50 neue Arbeitsplätze sollen durch den Betrieb des Boardinghouses entstehen.

Doch bis es tatsächlich so weit ist, könnte es noch eine Weile dauern. Die erste Bauvoranfrage für das Projekt wurde im Bezirksamt Harburg negativ entschieden. „Wir haben vor zwei Jahren den ersten Antrag gestellt. Die Antwort des Bauamtes war negativ, da sich das Grundstück ,nicht innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils’ befinde“, sagt Thies-Lembcke. „Das sehen wir anders. Wir behaupten das Gegenteil. Am Heimfelder Weg gibt es eine zusammenhängende Bebauung. Mit Baulücken.“

Das Bundesverwaltungsgericht definiert eine nicht bebaute Fläche bis zu 130 Meter als Baulücke. „Wir haben hier eine Lücke von 68 Metern“, sagt der Sprecher. Die Parkfläche mit 30 Stellplätzen sei versiegelt – und somit schon bebaut. „Angeblich ist sie aber zu klein, um als bebaut zu gelten, sagt die Behörde. Sie werde von Spaziergängern vielmehr als Waldparkplatz wahrgenommen, sagt das Amt“, betont Thies-Lembcke.

Bauamt: Bebauung nach "jetzigem Planrecht ausgeschlossen"

Von der ursprünglichen Planung, im Zuge des Neubaus eine Tiefgarage zu errichten, haben sich die Eheleute zu Gunsten des alten Baumbestandes auf dem Grundstück bereits verabschiedet. „Es hätten elf Bäume gefällt werden müssen. Das wollten wir nicht. Nach den neuen Plänen müssen nur noch drei Bäume weichen. Die alten Buchen bleiben stehen“, sagt Thies-Lembcke. Genügend Parkplätze seien vorhanden. „Wir sind verpflichtet, 129 zu stellen. Wir haben hier sogar 195.“

Im Harburger Bauamt sieht man die Dinge anders. „Das besagte Grundstück nimmt am übergeordneten ,grünen Ring’ teil. Es ist demnach Teil eines Grünzuges“, teilte Bettina Zech, Sprecherin des Bezirksamtes auf Anfrage des Abendblattes mit. Eine Bebauung des Grundstücks sei „mit dem jetzigen Planrecht ausgeschlossen“.

Eine Änderung des Planrechtes sei nicht beabsichtigt. „Das wurde dem Antragsteller bereits im Vorläuferantrag ,Wohngebäude’ mitgeteilt.“ Der Bescheid sei zurzeit im Widerspruchsverfahren. Die Gründe des Antragstellers seien im Amt nicht bekannt.

Das will Thies-Lembcke so nicht stehen lassen. „Wir haben vor drei Wochen eine neue Bauvoranfrage gestellt. Es gibt in Bereich Heimfelder Straße nur eine kleine Landzunge, keine verbindliche Planung für einen Grüngürtel. Dazu müsste man uns enteignen. Wir haben eine andere Rechtsauffassung. Deshalb klagen wir vor dem Hamburgischen Verwaltungsgericht.“

Privathotel Lindtner in Zahlen

Das Privathotel Lindtner in Heimfeld ist ein Fünf-Sterne-Hotel.

128 Zimmer und Suiten gehobenen Anspruchs stehen den Gästen zur Verfügung.

Zwei Restaurants, 21 Salon- und Veranstaltungsräume,Terrassen und ein idyllischer Garten bieten den passenden Rahmen für Tagungen, Hochzeiten und Events.

Tesla-Fahrer und E-Mobilisten treffen sich jeden dritten Sonnabend im Monat beim „Tesla-Stammtisch“ im Hotel, das besonders auf Nachhaltigkeit setzt.