Harburg
Ernst Burmeister

Trauer und Angst in Bützfleth nach Tod des HSV-Investors

Die Polizei sichert am Tatort im Mühlenweg die Spuren

Die Polizei sichert am Tatort im Mühlenweg die Spuren

Foto: Polizei Stade

Viele in dem Ortsteil von Stade kannten HSV-Investor Ernst Burmeister. Nun sucht die Polizei Zeugen des Raubübefalls mit Todesfolge.

Stade/Hamburg. Der Sportplatz des TuSV Bützfleth liegt direkt hinterm Elbdeich. Von dort aus sind es nur noch ein paar Schritte bis zum Haus von Ernst Burmeister. Während der HSV-Investor und Förderer der TuSV Bützfleth am Freitag um sein Leben kämpft, kämpft das Ü-40-Fußballteam des Vereins nebenan um den Sieg. Um etwa 20.30 Uhr wird das Spiel gegen Drochtersen/Assel abgepfiffen. Bützfleth siegt mit 4:3. Die Spieler machen sich auf den Heimweg. Die Polizei will jetzt wissen: Wer von ihnen hat Beobachtungen gemacht, die zur Aufklärung des Raubüberfalls auf Ernst und Elke Burmeister führen könnten?

„Wichtig sind auch die Aussagen der auswärtigen Spieler“, sagt Rainer Bohmbach, Pressesprecher der Polizei Stade. Auch Handspielerinnen sind gefragt. In der nahe gelegenen Sporthalle spielte eine TuSV-Mannschaft am Freitag gegen ein Team aus dem niedersächsischen Dinklage.

Gedrückte Stimmung in Bützfleth

Am Montag, dem Tag nach Ernst Burmeisters Tod, ist die Stimmung gedrückt in dem kleinen Dorf an der Elbe. Vormittags fahren Beamte der Mordkommission vor dem Haus der Burmeisters im Mühlenweg vor. Die Kriminalpolizisten steigen aus ihrem Wagen und ziehen sich ihre weißen Schutzanzüge an. Sie sollen Spuren sichern, die die beiden Täter im Haus des Ehepaars hinterlassen haben könnten. Mit einem 3-D-Scanner erstellen die Beamten 360-Grad-Bilder des Tatortes. Wenige Stunden später verschließen sie die Haustür und versiegeln sie. Die Spuren sollen von einer extra zusammengestellten Mordkommission ausgewertet werden.

Am Nachmittag legen mehrere Anwohner und Freunde der Familie Rosen in die Einfahrt des Einfamilienhauses. Auch drei Kerzen entzünden die Nachbarn. „Es ist einfach nur tragisch, was Herrn Burmeister passiert ist. Viele aus Bützfleth kannten ihn gut“, sagt ein Anwohner. Das Ehepaar sei wahrscheinlich nur ein Zufallsopfer gewesen, mutmaßt der ältere Herr. „Jetzt habe ich selbst auch Angst, dass mir etwas Ähnliches passiert.“

Ganze Familie hat im Fußballverein gespielt

Das rot verklinkerte Einfamilienhaus der Burmeisters liegt am Anfang des Mühlenwegs. Am Ende der Straße liegt ein Kleingartenverein. Es ist eine ruhige Wohnsiedlung im Ortskern von Bützfleth. 4800 Einwohner leben in dem Ortsteil von Stade. Der Mühlenweg ist nur einen Katzensprung von den Sportanlagen des TuSV Bützfleth entfernt, bei dem sich Ernst Burmeister engagiert hat. Am Montag hört man immer wieder das Schreien und Lachen von Kindern, die sich im nahe gelegenen Freibad abkühlen.

Beim TuSV Bützfleth ist niemandem zum Lachen zumute. Der Vereinsvorsitzende Jan Horwege sagt: „Wir sind total erschüttert. Solange ich denken kann, ist Ernst Burmeister Mitglied unseres Vereins.“ Er habe immer wieder insbesondere der Fußballsparte mit Trikots und anderen Materialien geholfen, sagt Fußballtrainer Yannick Kollega. „Die ganze Familie hat hier Fußball gespielt, die Söhne, die Enkel“, sagt er. Burmeister unterstützte auch weitere Vereine in der Nachbarschaft, etwa die SG Lühe und den ASC Cranz-Estebrügge.

Vierter privater HSV-Gesellschafter

Im Februar dieses Jahres war bekannt geworden, dass der 79-Jährige gemeinsam mit seinen Söhnen Heino, Gerhard und Maik für rund vier Millionen Euro 1,5 Prozent Anteile und 62.000 neue Aktien der HSV AG erworben hatte. Beim Anteilskauf an der HSV AG handelt es sich um ein privates Investment. Entsprechend bleiben die Anteile in der Familie. Die Burmeisters waren nach Spediteur Klaus-Michael Kühne (elf Prozent), Agrar-Unternehmer Helmut Bohnhorst (1,5 Prozent) und dem am 22. Mai verstorbenen Weinhändler Alexander Margaritoff der vierte private Gesellschafter, den der Club für sich gewinnen konnte.

Ernst Burmeister hat sein Leben lang in der Fruchtbranche gearbeitet. 1991 machte er sich mit seinem „Burmeister Frucht-Service“ selbstständig. Erst vor wenigen Wochen, im vergangenen Juni, feierte das Hamburger Unternehmen seinen 25. Geburtstag – mit einem großen Fest im „Mehr!Theater“ auf dem Großmarktgelände. Landwirte in Südafrika sind die wichtigsten Handelspartner des Unternehmens. Hauptprodukte sind Tafeltrauben, Äpfel und Birnen, Steinobst, Zitrusfrüchte, Melonen und Ananas. Die meisten Waren werden nicht mehr auf dem Großmarkt verkauft, sondern direkt zum Lebensmitteleinzelhandel transportiert. Das Motto des Unternehmens lautet „Mit der Frucht können wir alles“.

Hinweise zum Raubüberfall auf Ernst und Elke Burmeister nimmt die Polizei Stade unter der Telefonnummer 04141/10 22 15 entgegen. „Wir sind dringend auf Beobachtungen der Mitbürger angewiesen“, sagt der Polizeisprecher Rainer Bohmbach.