Harburg
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Hamburger Handelskammer hilft Migranten

Reiseunternehmer Marco Luizza geht die Lüneburger Straße in Harburg entlang. Der Italiener vermittelt den reisenden Begegnungen mit engagierten Menschen in Italien, auch mit der Gegenbewegung zur Mafia auf Sizilien.

Reiseunternehmer Marco Luizza geht die Lüneburger Straße in Harburg entlang. Der Italiener vermittelt den reisenden Begegnungen mit engagierten Menschen in Italien, auch mit der Gegenbewegung zur Mafia auf Sizilien.

Foto: Thomas Sulzyc

Marco Liuzza ist einer von 1850 Kleingewerbetreibenden ausländischer Herkunft in Harburg und nutzt das Angebot.

Fußball interessiert ihn nicht. Und Kaffee mag er auch nicht. Marco Liuzza bedient kein Klischee über Italiener. Als Reiseveranstalter hält er es genau so. Sein Unternehmen Sentiero ... turismo gehört dem Forum anders reisen an. Wer bei ihm eine Reise bucht, trifft garantiert Menschen, die kein Pauschalurlauber zu Gesicht bekäme. Engagierte Naturschützer zum Beispiel. Der Harburger aus Palermo bringt Reisende sogar mit Gegenspielern der Mafia auf Sizilien zusammen.

Wenn Marco Liuzza erzählt, woher er stammt, kommt das Gespräch blitzschnell auf die Mafia und die organisierte Kriminalität zu sprechen. Der Reiseveranstalter will das andere Italien zeigen und organisiert Begegnungen mit Vereinen, die sich gegen Schutzgelderpressung wenden.

Das Naturerlebnis ist eine andere Spezialität des Harburger Unternehmens. Marco Liuzza hat für die internationale Umweltorganisation WWF in Italien gearbeitet. Das hilft ihm heute, seine acht bis 20 Personen große Reisegruppen an Orte zu bringen, die selbst Einheimischen nicht bekannt sind.

In der Freien und Hansestadt Hamburg wiederum ist die Handelskammer vielen Kleingewerbetreibenden mit ausländischem Pass ein unbekannter Ort geblieben. Ausländische Unternehmer sehen die Kammer oft als Behörde und kennen sie lediglich von dem jährlichen Leistungsbescheid.

Annähernd 20.000 Kleingewerbetreibende ausländischer Herkunft gibt es nach Angaben der Handelskammer in Hamburg. Mehr als 1850 von ihnen sind in Harburg tätig. Seit dem August 2015 kümmert sich die Abteilung „Mi­grantische Unternehmen“ der Handelskammer Hamburg zusätzlich um sie. Die insgesamt vier Mitarbeiter sprechen Arabisch, Türkisch, Dari und Farsi, ein wenig Französisch und Spanisch und natürlich Englisch und Deutsch.

Weil Hamburgs Unternehmer ausländischer Herkunft zu selten den Weg in das Kammergebäude am Adolphs­platz in der Hamburger Innenstadt finden, suchen Abteilungsleiter Toufic El Masri und seine Mitarbeiter den Kontakt in den Stadtteilen und laden zu einem Frühstück ein. „Wir haben Angebote und wollen, dass die migrantischen Unternehmen sie nutzen“, sagt El Masri, ein Deutscher mit libanesischer Herkunft. Aus Neugier besucht Marco Liuzza das erste Treffen in Harburg. Belegte Brötchen, Croissants, Kaffee und Mineralwasser stehen auf den Tischen im Bistro „A La Vivo“.

Der Reiseveranstalter berichtet von dem Fauxpas, sein Gewerbe zu spät angemeldet zu haben. Deshalb habe er ein Bußgeld zahlen müssen. Ihm sei die Frist nicht bekannt gewesen, beteuert Liuzza. Bei Problemen der Unternehmer mit den Behörden vermittelt die Handelskammer. Das ist ein Angebot, auf das El Masri aufmerksam macht.

Beim Frühstück erzählen die Unternehmer von ihren Schwierigkeiten. Die schwindende Kaufkraft in Harburg fällt ihnen auf. Ali Haydar Polat, er betreibt den Giftees Printshop im Marktkauf-Center, hält das starre Festhalten an einem Businessplan bei Gründern für zu praxisfremd. Die Beratung für Existenzgründer sei nicht pragmatisch, sagt er. Hilfe bei der Finanzierung von Geschäftsideen sei immer wieder ein Thema. Wichtig sei zu wissen, wie ein Unternehmer eine Rechnung richtig schreibe. Das Steuer- und Finanzsystem sei unüberschaubar.

Offenbar schlagen sich Unternehmern mit ausländischem Pass kaum mit anderen Widrigkeiten herum als deutsche Unternehmer. Eine erstaunliche Erklärung dafür, warum Unternehmer ausländischer Herkunft nur selten die Handelskammer aufsuchen, liefert Ali Haydar Polat: „Menschen aus dem Süden fahren lieber mit dem Auto als mit dem Bus oder der Bahn.“

Weil beim Handelskammergebäude in der Innenstadt keine Parkplätze seien, blieben viele Unternehmer ausländischer Herkunft fern.

www.sentieroturismo.de