Stormarn
Arbeitsmarkt

Azubis gesucht: 763 Lehrstellen in Stormarn frei

Rüdiger Hildebrandt (v.l.), Ulrich Hoffmeister, Heike Grote-Seifert, Dennis Hauke und Joachim Steußloff

Rüdiger Hildebrandt (v.l.), Ulrich Hoffmeister, Heike Grote-Seifert, Dennis Hauke und Joachim Steußloff

Foto: Dorothea Benedikt / HA

Derzeit gibt es mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Agentur-Chefin appelliert an Betriebe, auch schwächere Schüler einzustellen.

Bad Oldesloe.  „Der Ausbildungsmarkt ist weiterhin ein Bewerbermarkt“, sagt Heike Grote-Seifert, Chefin der Agentur für Arbeit in Bad Oldesloe. Sie zieht damit eine erste Bilanz für den aktuellen Ausbildungsmarkt. Bislang haben Stormarner Unternehmen 1273 Lehrstellen zum 1. September oder 1. Oktober bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Demgegenüber stehen jedoch nur 1088 Bewerber. „Das sind Schulabgänger, die sich bei uns gemeldet oder beispielsweise eine Berufsberatung in Anspruch genommen haben“, sagt Grote-Seifert. Sie geht deswegen davon aus, dass es tatsächlich mehr Suchende in Stormarn sind.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt, also April 2015, ist die Zahl der Bewerber und angebotenen Ausbildungsstellen gestiegen. Eine Entwicklung, die Agentur-Chefin seit Längerem beobachtet und als positiven Trend bezeichnet. So ist die Zahl der Bewerber im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent gestiegen. „Zum einen liegt es daran, dass wir erstmals einen doppelten Abiturjahrgang mit G8 und G9 haben“, sagt Grote-Seifert, die damit jedoch keine Nachteile für Ausbildungssuchende mit Realschulabschluss sieht. „Jeder kann seinen Wunschberuf finden“, sagt sie.

Nicht jeder Ausbildungsbetrieb findet Auszubildende

Aber nicht jeder Ausbildungsbetrieb wird auch Auszubildende finden. Im vergangenen Jahr blieben in Stormarn 68 Lehrstellen unbesetzt. Zum einen liege es daran, dass es zu wenig Bewerber gibt, aber auch, dass Betriebe keine qualifizierten Azubis finden. „Deswegen appellieren wir an die Unternehmen, auch schwächere Bewerber einzustellen und ihnen damit eine Chance zu geben“, so Grote-Seifert. Dabei unterstützt die Agentur für Arbeit auch die Betriebe. So werden im aktuellen Ausbildungsjahr zwölf Azubis von einem Coach unterstützt oder bekommen Nachhilfe. Mit dem neuen Ausbildungsjahr wollen wir die Zahl auf 24 verdoppeln“, sagt Grote-Seifert.

Dennis Hauke von der Kreishandwerkskammer begrüßt das Angebot der Agentur. „Die Coaches informieren sich im Betrieb und reden mit den Lehrlingen, um Missstände zu beseitigen“, sagt Hauke. Grote-Seifert: „Wenn ein Azubi immer zu spät kommt, klingelt ein Coach ihn auch schon mal aus dem Bett.“

2030 werden 100.000 Fachkräfte im Land fehlen

Mit diesem Angebot möchte die Agentur auch die Zahl der Abbrecher reduzieren. Laut Ulrich Hoffmeister, zuständig für Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck, kommt es bei 25 bis 30 Prozent zu einer Vertragsauflösung. „Die Hälfte wechselt den Beruf oder das Unternehmen“, so Hoffmeister. Die anderen gehen wieder zur Schule oder studieren. Dabei wirbt die IHK darum, sich für einen Ausbildungsplatz zu entscheiden. Hoffmeister: „2030 werden 100.000 Fachkräfte in Schleswig-Holstein fehlen. 85.000 davon werden Facharbeiter oder Meister sein.“

Als eine Chance, dieses Defizit aufzufangen, sieht Grote-Seifert junge Flüchtlinge. „Sie sind die Fachkräfte von Übermorgen.“ Derzeit werden an den Beruflichen Schulen im Kreis diverse Angebote für junge Migranten gemacht. „Dort werden sie auf eine Ausbildung vorbereitet“, sagt Joachim Steußloff, Schulleiter Berufliche Schule Ahrensburg. Und Rüdiger Hildebrandt, Schulleiter der Beruflichen Schule Bad Oldesloe, ergänzt: „Dazu gehören auch Praktika.“