Harburg
Teemobil in Harburg

Freiwillige verteilen Snacks und Getränke an Flüchtlinge

Teemobil-Helfer verteilen unter Flüchtlingen den Schwarztee und Snacks

Teemobil-Helfer verteilen unter Flüchtlingen den Schwarztee und Snacks

Foto: Anastasia Raevskaya / HA

Wärme spenden: Jeden Abend verteilen Ehrenamtliche neben dem Harburger Bahnhof Snacks und Getränke an Flüchtlinge.

Harburg.  Jeden Abend wird es voll im ansonsten leeren ehemaligen Post-Parkhaus hinter dem Harburger Bahnhof. Von 20 bis 21.30 Uhr sammeln sich hier Flüchtlinge, um heißen Tee und Snacks zu bekommen, die das Teemobil bringt.

Seit mehreren Wochen kommen Ehrenamtliche mit dem Teemobil in die Harburger Poststraße 1, direkt an das Postgebäude. „Flüchtlinge freuen sich immer sehr, wenn wir kommen, und einige, die schon länger dort leben, helfen uns auch tatkräftig mit,“ sagt Jana Blietsch, Mitglied des Projektes. Blietsch ist für die Koordination der freiwilligen Helfer in Harburg zuständig. Sie organisiert Fahrer und diejenigen, die Flüchtlinge direkt mit den Lebensmitteln versorgen.

Gründer des seit Anfang Oktober bestehenden Projektes ist der Hamburger IT-Spezialist Sami Khokhar. Er kooperiert beim „Teemobil“ mit der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde. Seit ihrem Bestehen hat die Initiative eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Vor zwei Monaten bestand die Gruppe aus wenigen Helfern mit einzelnen Teekochern.

Inzwischen verwandelt sie sich in ein echtes Teemobil-Team. „Wir stehen seit etwa zwei Monaten mit unseren großen Teebehältern an der Post. Zu Beginn hatten wir nur einzelne Thermoskannen,“ sagt Blietsch. Wie viele Helfer an der Initiative teilnehmen, lasse sich schwer sagen. Viele kommen für ein paar Tage, wenn sie Zeit haben. „Es sind sechs oder sieben Leute, die immer da sind.“

Derzeit sind die Helfer an sechs Standorten in Hamburg aktiv: Eimsbüttel, Eidelstedt, Barmbek, Hamm und zweimal in Harburg – in der Harburger Poststraße und in der Fegro-Markthalle. Der zweite Großstandort wird erst seit einer Woche angefahren und öffnet jeden Abend ab 19.30 Uhr. An allen seinen Standorten hat das Teemobil täglich feste Teams.

Die Initiative sei nicht zeitlich begrenzt, sagt Blietsch. So lange freiwillige Helfer da sind, werde das Teemobil auch weiter existieren. Der Bedarf an den Freiwilligen sei aber nach wie vor groß. „Hilfskräfte können nie genug vor Ort sein, daher freuen wir uns immer auf neue Helfer,“ erzählt die Koordinatorin. Neben dem Personalmangel haben die Organisatoren auch andere Probleme zu lösen.

In der Harburger Poststraße gilt es als erstes, einen Raum in der danebenliegenden Flüchtlingsunterkunft zu bekommen. „Die Temperaturen sind jetzt doch stark gefallen, und nun frieren auch die Helfer wenn sie lange draußen in dem Parkhaus stehen, in dem wir geduldet sind. Bislang gibt es aber keinen Raum für uns,“ sagt Blietsch.

Die Organisatoren müssen ihre Aktivitäten regelmäßig mit den Unterkunftsleitern absprechen. Die Leiter entscheiden, ob die Helfer reinkommen, Strom kriegen oder sich überhaupt vor die Tür stellen dürfen. Die Situation unterscheidet sich von Anlage zu Anlage. „In einigen Unterkünften haben wir nachgefragt, ob wir uns reinstellen dürfen,“ sagt Teemobil-Gründer Sami Khokhar. „Und oftmals haben wir die Antwort gekriegt: Das geht nicht. Ihr könnt nicht rein.“

Natürlich hat das Tee-Team auch bestimmte Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Vor allem geht es darum, den Verteilungsbereich abzusperren. „Die ganze Sache ist sehr gewachsen. Wenn viele Leute auf einmal kommen, kann man sich schlecht schützen, schlecht verteilen,“ erklärt Khokhar. Bis in die letzte Woche haben die Helfer eine Art „Mauer“ aus Bierzeltgarnituren gebaut.

Jetzt sind die Garnituren nicht mehr vor Ort. Die Organisatoren müssen sich daher Alternativen überlegen, um die Sicherheit zu gewährleisten und Flüchtlinge weiter versorgen zu können. Die Teemobil-Macher sind auf Spenden angewiesen. Sowohl Lebensmittel, als auch finanzielle Unterstützung sind willkommen. Allein in der Harburger Poststraße hat das Team täglich 300 bis 600 Menschen zu versorgen. Die Kosten für alle Standorte belaufen sich pro Tag auf etwa 120 bis 150 Euro.

Wer etwas spenden möchte, kann die Gruppe via Facebook (Suchbegriff „Teemobil“) kontaktieren. Besonderer Bedarf besteht zur Zeit an Zucker, Schokolade, Obst und Kakaopulver. Man würde sich auch über hart gekochte Eier, H-Milch und Becher für Heißgetränke freuen.