Neu Wulmstorf

Der Krampf mit dem Radweg

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Bianca Wilkens
Elisabeth Steinfeld aus Neu Wulmstorf, eingefleischte Radfahrerin, an der Stelle, wo der Radweg endet

Elisabeth Steinfeld aus Neu Wulmstorf, eingefleischte Radfahrerin, an der Stelle, wo der Radweg endet

Foto: Bianca Wilkens / HA

Ein Gutachten lehnte die Verbindung ab, da die Trasse neben der Bahn den Wachtelkönig gefährde. Jetzt wird nach einer neuen Lösung gesucht.

Neu Wulmstorf.  Der hat es schon öfter geschafft, Millionenprojekte zu kippen. Seinetwegen musste die Trasse der Autobahn 26 bei Rübke ein paar hundert Meter verschoben werden. Selbst den Bau eines Radwegs zwischen Neu Wulmstorf und Buxtehude hat er bislang verhindert.

Das Amt für regionale Landesentwicklung kam in einem Gutachten zu dem Schluss, dass der Radweg die Brutplätze des seltenen Vogels gefährden könnte. Doch jetzt gibt es einen neuen Anlauf. Ein Arbeitskreis soll Möglichkeiten ausloten, doch noch eine Rad- und Fußwegeverbindung zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf zu schaffen.

Dass ausgerechnet dieser Radweg dem scheuen Vogel zum Verhängnis werden soll, hatten viele Verantwortlichen in Buxtehude und Neu Wulmstorf ohnehin nicht verstanden. Der Weg führt entlang der Bahnstrecke.

Aber das Amt stufte den Krach der Bahn als weniger gefährdend ein als Radfahrer, die womöglich noch Hunde mit sich führen. Michael Kießig, Projektleiter im Amt für regionale Landesentwicklung, erklärte es damit, dass der Wachtelkönig am Bahnlärm gewöhnt sei. Hunde und Menschen hätten für den Vogel eine andere Qualität der Beunruhigung als die Bahn, so Kießig.

„Das ist albern“, sagt Elisabeth Steinfeld aus Neu Wulmstorf dazu. „Ein paar hundert Meter weiter sollen die Radfahrer die Vögel nicht weiter stören, aber hier schon. Das macht keinen Sinn“, sagt sie. Lediglich 400 Meter fehlen für eine lückenlose Radwegeverbindung zwischen Neu Wulmstorf und Buxtehude entlang der S-Bahnstrecke. Die restliche Strecke ist fertig.

Die Bibliothekarin fährt mehrmals pro Woche von Neu Wulmstorf nach Buxtehude und muss dafür entweder einen Umweg über Rübke in Kauf nehmen oder aber an der viel befahrenen Bundesstraße 73 entlang fahren. „Das ist nicht schön und macht keinen Spaß“, sagt sie. Der kürzeste Weg ist der entlang der S-Bahnstrecke. Sie fordert, dass es den Radfahrern im Verkehr so leicht wie möglich gemacht werden sollte. „Sonst steigen sie nicht vom Auto aufs Fahrrad um“, sagt sie. Sie selbst versucht, alle Strecken unter fünf Kilometer mit dem Rad zurückzulegen.

Schon 1997 hat sie zusammen mit anderen Aktivisten in der Gemeinde Neu Wulmstorf der Verwaltung einen Katalog mit Vorschlägen vorgelegt, was alles im Sinne der Radfahrer im Ort verbessert werden sollte. Dabei dachte die engagierte Gruppe nicht nur an die Radler, sondern auch an Kinder und Senioren, die es im Straßenverkehr oft nicht leicht haben.

Der Lückenschluss des Radweges zwischen Neu Wulmstorf und Buxtehude war in dem Katalog eine Maßnahme von vielen. Doch Steinfeld und ihre Mitstreiter mussten feststellen, dass ihr Engagement auf Widerstand stieß. Alle Vorschläge seien mit einem kategorischen Nein abgelehnt worden, erinnert sich Steinfeld. „Die Politik in Neu Wulmstorf ist sehr autofixiert“, sagt sie.

Jetzt, 18 Jahre später, sieht es anders aus: Sowohl die Gemeinde Neu Wulmstorf als auch die Stadt Buxtehude wollen den Radweg. Jutta Schiecke, Landesbeauftragte für regionale Entwicklung in Lüneburg und Umgebung, hat sich mit Vertretern von Land und Kommunen darauf geeinigt, das Verfahren erneut anzustoßen.

In einem Arbeitskreis sollen sie jetzt gemeinsam nach einer Lösung suchen. Es müsse sich dabei um Maßnahmen handeln, die das Schutzgebiet nachhaltig verbesserten und die Vorgaben der EU zum Natur- und Vogelschutz einhielten. „Dann könnte auch ein Rad- und Fußweg entlang der Bahnlinie möglich werden“, so die Landesbeauftragte.

Welche Maßnahmen das sein könnten, ist noch unklar. „Wir müssen erst abwarten, was beim Arbeitskreis herauskommt“, sagte Thomas Saunus, Fachbereichsleiter Ortsentwicklung in Neu Wulmstorf. Politik und Verwaltung haben jedenfalls im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss alle Weichen für die Baumaßnahme gestellt.

Einstimmig haben sich die Fraktionen dafür ausgesprochen, 93.000 Euro für den Bau des Radweges einzuplanen. Die Forderung der Grünen, von der Trassenführung entlang der Bahnstrecke abzulassen und statt dessen die 93.000 Euro in einen Radweg entlang des Wirtschaftsweges Richtung Rübke und im Süden der Autobahn 26 zu investieren, hingegen fand keine Mehrheit im Ausschuss.

Elisabeth Steinfeld bleibt optimistisch, dass der Radweg doch noch entsteht. Das, so hofft sie, könnte mehr Menschen dazu bewegen, öfter das Fahrrad zu nutzen und die „wunderbare Natur“ in Neu Wulmstorfs Umgebung zu erkunden. „Und wer die Natur kennt, schützt sie auch“, sagt sie.

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