Harburg
Berufsbild Horse Woman

Auf Wunsch ist sie auch mal Pferdesitterin

Auch als Urlaubsvertretung kann man die 52-Jährige buchen. Gerade erst passte sie auf die vier Araber von XY auf

Auch als Urlaubsvertretung kann man die 52-Jährige buchen. Gerade erst passte sie auf die vier Araber von XY auf

Foto: Aline Braun / HA

Reitstunden, Pferdemassage, Stallwache – Horse Woman Susan Tenhaeff hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Und sie hat viel zu tun.

Die tief einfallende Herbstsonne taucht die Koppel, über die Susan Tenhaeff stapft, in gelbes Licht. Seit 7 Uhr ist sie auf den Beinen und an der frischen Luft. „Jetzt müssen wir auch schon wieder los“, sagt sie, die Schubkarre noch in der Hand. Ein paar Minuten mit dem Auto entfernt wartet schon Jan Eckelmann. Ausstaffiert mit Stiefeln, Helm und Weste steht er neben der sorgsam gestriegelten, fuchsbraunen Stute Lilja.

Susan Tenhaeff ist Horse Woman von Beruf. Seit Februar dieses Jahres sogar in Vollzeit. „Ich habe ursprünglich Journalistik hier in Hamburg studiert und dachte immer, dass ich mal als Journalistin in England arbeiten würde“, sagt die Drestedterin. In England hat sie tatsächlich elf Jahre lang gelebt und gearbeitet, allerdings im Bildungssektor. „Dort im Land der Pferde bin ich auch wieder zum Reiten gekommen“, sagt Susan Tanhaeff.

„Gerade sitzen Jan. Atme ruhig. Das Pferd merkt, wenn du angespannt bist. So ist es super.“ Die 52-Jährige steht inmitten des Reitplatzes und gibt mit sanfter aber bestimmter Stimme Tipps. Reitunterricht zu geben, das macht nur einen Bruchteil ihrer Arbeit aus. „Der Alltag mit den Pferden und natürlich mit ihren Haltern ist unerwartet vielfältig“, sagt die Horse Woman.

Es gäbe unendlich viele Gründe, warum Pferdehalter sie kontaktierten. „Ich kümmere mich zum Beispiel um Ponys und Pferde, wenn der Halter in den Urlaub fährt. Gebe Reitunterricht und trainiere die Pferde auch selbst. Wenn die Tiere Unarten entwickeln, dann bekomme ich Nachricht von verzweifelten Menschen“, sagt sie.

Ein Pferd habe sich beispielsweise nicht mehr besteigen lassen, ein anderes biss seine Reiterin. „Vieles lässt sich mit der Körpersprache und dem Auftreten der Menschen wieder einrenken. Aber der Halter muss immer mitarbeiten, anders geht es nicht.“

Ein Termin folgt auf den nächsten und kurze Zeit später steht Susan Tenhaeff vor ihrem nächsten Kunden und tastet seinen Rücken ab. Denn auch Massagen können bei ihr gebucht werden. Nein – nicht etwa für den geschundenen Rücken eines Reiters, sondern für das Pferd. Susan Tenhaeff ist mitten in einer Ausbildung zur Pferdeosteopathin. „So eine Massage braucht Fingerspitzengefühl und viel Kenntnis über die Anatomie des Tieres.“

Konzentriert tastet sie den massigen Körper ab, massiert gezielt Verhärtungen und hin und wieder knackt es laut. „Jetzt hat sich zum Beispiel etwas gelöst“, sagt sie. Die Massage scheint auf jeden Fall zu gefallen: Das braune Pony schmatzt und kaut entspannt, während es die Prozedur geschehen lässt. Der Horse Woman hingegen steht die Anstrengung ins Gesicht geschrieben und es wird schnell klar, dass neben sensiblen Fingern auch Kraft gefragt ist

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Durch den Schritt in die Selbstständigkeit und in den neuen Beruf hat sich ihr Leben positiv verändert. Zwar habe sie das letzte Mal vor drei Wochen ausgeschlafen und ein Wochenende gäbe es für sie auch schon lange nicht mehr, aber dennoch überwiegen die Pluspunkte. „Ich stehe wirklich jeden Morgen gerne auf. Das ist ein tolles Gefühl.

Und außerdem: es gibt Muskeln, Muskeln und nochmal Muskeln. Mittlerweile bekomme ich die mörderischsten Schubkarren gestemmt.“ Abends habe sie dann immer einen Bärenhunger. „Pferde bringen mich zu mir selbst. Die sensiblen Tiere halten einem den Spiegel des eigenen Verhaltens vor. So wie ich bin, so ist das Pferd.“ Auch positive Rückmeldungen ihrer Kunden verschönern ihr den Arbeitsalltag.

„Wenn ich weiß, dass jemand durch meine Hilfe wieder harmonischer mit seinem Tier arbeiten und zusammenleben kann und Schwierigkeiten überwunden wurden, freut mich das sehr.“

Und noch einen Vorteil gäbe es da. „Außerdem muss ich nicht selten die ersten drei Stunden meines Arbeitstags mit niemandem reden. Wer kann das schon von sich sagen? Das ist für mich fast schon meditative Entspannung.“ Susan Tenhaeff liebt ihren Job und die Arbeit mit Pferden. „Ich kann immer ich selbst sein und muss mich nur auf mich und die Tiere konzentrieren.