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Picknick auf der Schwimminsel „Archipel“

Bei einem Picknick auf dem neuen Ponton im Veringkanal in Wilhelmsburg besprechen Studierende der Hochschule für bildende Künste und einige Einheimische Ideen für die künftige Nutzung des Anlegers

Bei einem Picknick auf dem neuen Ponton im Veringkanal in Wilhelmsburg besprechen Studierende der Hochschule für bildende Künste und einige Einheimische Ideen für die künftige Nutzung des Anlegers

Foto: Thomas Sulzyc

Eine 50 Quadratmeter großer Ponton ist Wilhelmsburgs neuester Treffpunkt. Sie steht allen Inititiativen zur Nutzung offen.

Wilhelmsburg. Hamburg hat im Juni ein drittes Kreuzfahrtterminal eröffnet. Das gesellschaftskritische Performance-Ensemble Geheimagentur nimmt das zum Anlass, im Rahmen des Kampnagel Sommerfestivals symbolisch ein eigenes Terminal auf dem Gelände der früheren Oelckerswerft am Neuhöfer Damm in Wilhelmsburg zu eröffnen. Performer und Gäste bauen ein Floß, mit dem sie anschließend ab dem 18. August auf Fahrt gehen und den Kreuzfahrttourismus hinterfragen. Ein Reiseziel könnte einen Kanal weiter liegen. Am Veringkanal im Wilhelmsburger Reiherstiegviertel liegt seit Neuestem ein 50 Quadratmeter großer Ponton im Wasser.

Archipel nennt sich das acht Tonnen schwere Eiland aus Stahl, dass Studierende der Hochschule für bildende Künste und andere Kreative geschaffen haben. Die Kanalinselgruppe aus insgesamt vier Modulen steht allen Initiativen offen, die sie als Bühne oder für ein Nachbarschaftsessen nutzen möchten. Der Archipel funktioniert nach dem Prinzip der gemeinschaftlichen Selbstverwaltung. „Wir sind ein Kollektiv von Leuten, die sich verantwortlich fühlen“, sagt Finn Brüggemann. Der Student aus Wilhelmsburg ist einer der Erfinder des Projektes.

Ein kurioses Dampfschiff Marke Eigenbau machte als erstes Schiff an dem Ponton fest

Die Gäste der temporären Pizzeria im Technoclub Turtur schauen neugierig auf die künstliche Insel vor ihren Plätzen. Clubchefin Mona Michels sieht die Terrasse im Wasser als zusätzliches Angebot für ihre Gäste und übernimmt die Liegekosten des Pontons im Veringkanal. Seit Donnerstag erleichtert eine vier Meter langer Steg aus Strandholz den Zugang auf die Schwimminsel. Eine Reling auf dem Ponton ist noch in Bau.

Während die Gäste des Turtur am Ufer Pizza und Salat verspeisen, versammeln sich am Donnerstagabend 16 meist junge Frauen und Männer zum Picknick auf dem mit weißen Tischdecken geschmückten Ponton: Das Archipel-Kollektiv hält ein Arbeitsessen ab und tischt leckeren Brei aus Kichererbsen, Reisgerichte, Ciabatta und Büchsenbier auf.

Bisher hat es einen Bootsverkehr auf dem Veringkanal nicht gegeben. An diesem Abend aber macht ein kurioses Dampfschiff Marke Eigenbau als erstes Wasserfahrzeug überhaupt an dem Ponton fest. Weißer Rauch steigt aus dem silberfarbenen Schornstein auf. Schnell lädt jemand einen kleinen Jungen auf dem Boot ab und schon verlässt es wieder das Archipel in Richtung Honigfabrik.

Bezirksamt hat eine wassserrechtliche Erlaubnis erteilt

Auch wenn der Veringkanal als Entfaltungsgebiet für Kreative gilt und das Bezirksamt Hamburg Mitte die Idee eines Kulturkanals wohlwollend betrachtet, handelt es sich bei dem Archipel um kein anarchisches Treiben.

Das Bezirksamt hat eine wasserrechtliche Erlaubnis erteilt. „Wir haben eine Havarieversicherung abgeschlossen und mussten ein Schwimmfähigkeitszeugnis für den Ponton einholen“, sagt Finn Brüggemann. Jetzt haben es die Kanalbewohner Schwarz auf Weiß von einem Experten : Das Archipel wird in den nächsten acht Jahren nicht untergehen.

Die Schwimminsel könnte das Gewicht von mehr Menschen tragen als auf ihn heraufpassen. Er besteht aus vier Wasserbau-Modulen, mit denen früher Spülrohre transportiert worden seien, sagt die Studentin Nuriye Tohermes. Mit dem Lkw sind die vier jeweils zwei Tonnen schwere Bauteile an das Ufer am Veringkanal transportiert worden. Ein am Kanal ansässiges Unternehmen unterstützte seine neuen Nachbarn und half, mit einem Kran die vier Pontons in das bis zu sechs Meter tiefe Wasser zu hieven. „Es ging erstaunlich leicht“, sagt Finn Brüggemann. 6000 Euro hätten die vier Pontons für das Archipel gekostet.

Ein Yoga-Lehrer möchte Übungen auf dem Ponton anbieten. Die Studenten fänden Nachbarschaftsessen mit gemeinsamen Kochen gut. Eine Bar möchte ihr Whiskey-Tasting auf dem schwimmenden Grund machen. Und ein anderer hält ein Kickerturnier auf dem Wasser für eine spannende Herausforderung.

Die nächste Gelegenheit, Wilhelmsburgs neueste Kulturstätte kennenzulernen: Am Sonnabend, 25. Juli, 19 Uhr, ist das Archipel Konzertbühne für die Band Ear (Experimental Noise) und das Jojo Defekt Trio (Jazz).

Wer das Archipel nutzen möchte, schreibt eine Email an: dasarchipel@gmail.com