Harburg
Jesteburger Kunstwoche

Kunststätte gestattet Besuchern neue Einblicke

Kunsthistorikerin Tina Lebelt führt die Besucher durch die Kunststätte Bossard und erzählt aus dem Leben des Künstlerpaars

Kunsthistorikerin Tina Lebelt führt die Besucher durch die Kunststätte Bossard und erzählt aus dem Leben des Künstlerpaars

Foto: Aline Braun / HA

Kunststätte Bossard lud ihm Rahmen der Jesteburger Kunstwoche zur Museumsnacht ein. Mit großem Erfolg. Kunstwoche noch bis 19. Juli.

Jesteburg. Ein Märchenort mitten im Wald – daran erinnert die Kunststätte Bossard , wenn nach den ersten Schritten auf das Gelände die verschiedenen Bauwerke, deren bunte Fenster und die vielen Skulpturen in das Sichtfeld rücken.

Auf dem Anwesen verbinden sich, getreu der Visionen des Künstlerpaares, vielerlei Kunstrichtungen. Architektur, Bildhauerei, Malerei und Poesie bildeten eine Symbiose mit der Natur, dem Leben der Anwohner und deren Gäste, berichtet Tina Lebelt im Rahmen der Museumsnacht. Heute lebt niemand mehr in der Kunststätte. Das Vermächtnis der Bossards halten jedoch rund 20 Mitarbeiter am Leben. „Besonders interessant ist eine Führung in die privaten Wohnräume der Künstler“, erzählt Mitarbeiterin Alexandra Eicks, „Das kann ich wirklich jedem ans Herz legen.“ Die nächste Führung durch die Privaträume findet am Sonntag, den 26. Juli statt. Die Kosten betragen fünf Euro zuzüglich zum Eintrittspreis. An den Wochenenden ist auch das Hofcafé geöffnet, das mit hausgemachten Speisen nach einer Führung oder einem Spaziergang dazu einlädt, die Eindrücke zu verdauen. „Betritt man die Gebäude, ist man im ersten Moment manchmal fast erschlagen von der Kunst“, berichtet Tina Lebelt während einer Führung. Böden, Wände, Decken und Möbel: alles ist bis ins kleinste Detail durchgestaltet.

Dank wechselnder Sonderausstellungen und Werken gastierender Künstler, gibt es immer wieder Neues zu entdecken

Entlegen, zwischen hohen Bäumen und sattem Grün liegt das Gesamtkunstwerk des Ehepaars Bossard. Johann Michael Bossard begann das Großprojekt zu Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst alleine. Nach seinem Studium der Bildhauerei und Malerei zog es ihn 1907 nach Norddeutschland. Als Dozent in Hamburg lernte der gebürtige Schweizer auch seine knapp 30 Jahre jüngere Frau Jutta Krull kennen: Sie war seine Schülerin. Als sich Jutta Krull nach Studienende von ihm verabschieden wollte, lud er sie auf sein Anwesen in die Nordheide ein. Er erzählte von seiner Vision eines Gesamtkunstwerks und versuchte Jutta Krull zu begeistern, berichtet Kunsthistorikerin Tina Lebelt. Nach den gemeinsamen Tagen habe er um ihre Hand angehalten – Jutta Krull sagte ja. Die Kunststätte wurde ihr gemeinsames Lebenswerk.

Wechselnde Sonderausstellungen und Werke gastierender Künstler lassen die Besucher immer wieder Neues entdecken. Aber ein besuch lohnt sich nicht nur für Erwachsene. Auch für die Kleinsten gibt es viel zu lernen und zu entdecken. Montags, dienstags und mittwochs können Kinder ab fünf Jahren das Kinderatelier besuchen. Dort werden sie selbst kreativ und können sich durch die Umgebung inspirieren lassen. „Es ist wirklich bemerkenswert, oft sehen die Kinder mehr als wir Großen“, berichtet Alexandra Eicks. Im Kinderatelier wird mit verschiedenen Materialien experimentiert und gebastelt. Wer jetzt Lust bekommen hat, der kann zu einer Schnupperstunde vorbeischauen. Auch Kindergeburtstage werden vom Team vor Ort angeboten. Glasmalen, eigene Kerzen herstellen oder Mosaike aus Scherben entwerfen – das sind nur einige der Möglichkeiten sich künstlerisch auszuprobieren.

In Jesteburg findet noch bis zum 19. Juli die „Jesteburger Kunstwoche“ statt, in der nicht nur die Kunststätte, sondern auch zahlreiche Ausstellungen ansässiger Künstler, Kindertheater, Comedyprogramme und Konzerte Besucher in die Nordheide locken. Eine Übersicht des Programms, der einzelnen Veranstaltungsorte und -preise findet sich unter www.jesteburgkalender.de. Ein Abstecher zur Kunststätte Bossard lohnt sich allemal.