Harburg
Hanstedt

Jetzt kommt Kunst in das alte Bauernhaus

Das Gebäude an der Harburger Straße 18 gehört nun der Künstlerin Julia Heigel

Das Gebäude an der Harburger Straße 18 gehört nun der Künstlerin Julia Heigel

Foto: Susanne Rahlf

Die Hanstedter Künstlerin Julia Heigel hat das historische Gebäude an der Harburger Straße gekauft und versetzt es zurück in seinen Originalzustand.

Hanstedt..  Es ist, als ob man auf Schatzsuche geht. So fühlt sich momentan die Hanstedter Künstlerin Julia Heigel, wenn sie die Räume des alten Hauses an der Harburger Straße betritt. Hier will sie im Sommer ihr Atelier einrichten, hier wird ihre Werkstatt entstehen, „und einmal in der Woche möchte ich öffnen und das Haus als Ausstellungsraum nutzen.“

Das rote Backsteinhaus an der Durchgangsstraße durch den Ort, kennt jeder Hanstedter. Gebaut um die Jahrhundertwende war es zunächst das Wohnhaus einer bäuerlichen Familie.

Zuletzt wurde es als Geschäftshaus genutzt, im Erdgeschoss befand sich ein Laden für Wohnaccessoires, in der ersten Etage residierte ein Friseur. Doch die Kunden wurden immer weniger, im vergangenen Jahr wurde alles geschlossen.

„Ich hatte das Haus schon immer im Blick, mit seinem schönen alten Birnbaum vor der Tür“, berichtet nun Julia Heigel. Die 40 Jahre alte Bildhauerin, die vor allem mit der Kettensäge große Holzobjekte erstellt, lebt mit ihrem Mann und drei Kindern ganz in der Nähe in einem kleinen Neubaugebiet.

Umso mehr gefiel ihr der Charme, den die alten Mauern des kleinen roten Hauses an der Harburger Straße versprühten. Gemeinsam mit ihrem Mann entschied sie sich, das Gebäude zu kaufen, doch die Verhandlungen zogen sich in die Länge.

Dann kam Weihnachten und zu Julia Heigels großer Überraschung lag der Kaufvertrag für das alte Haus unterm Tannenbaum. Seit der Schlüsselübergabe im Februar haben hier nun die Handwerker das Sagen. Ganz vorsichtig und so original wie möglich wird das Gebäude nun restauriert.

Jedes Mal, wenn sie vorbeischaut, entdeckt Julia Heigel Relikte aus alten Zeiten. „Noch fast alle Fenster sind hauchdünn, mit teilweise mundgeblasenen Details“, berichtet die stolze Neueigentümerin.

Auch die Griffe an Fenstern und Türen sind alt und dürfen nach dem Willen der Besitzerin nicht beschädigt oder gar ausgetauscht werden: „Die sollen unbedingt erhalten bleiben“. Leider sind nicht alle erhalten, zurzeit fahndet Julia Heigel nach alten Beschlägen für die Fenster: „Da suchen wir noch.“

Weiterhin müssen die vielen Tapetenschichten von den Wänden abgelöst werden, so wie vor mehr als einhundert Jahren ursprünglich gebaut, sollen sie später nur verputzt werden. Spannend ist der Weg in den alten Keller des Hauses. Über ein wackeliges Holztreppchen stiegt man in den erdgekühlten Raum hinunter, hier hängt noch ein altes Regal, in dem bestimmt mal Eier frisch gehalten wurden.

Wieder über der Erde gelangt man in die alte Küche mit ihrem rot-weiß gefliesten Boden und dem schönen alten Buderus Herd. Irgendeinem Bewohner des Hauses muss vor vielen Jahren etwas sehr Schweres aus der Hand gefallen sein: vor dem Herd weist der Fliesenboden einen dicken Sprung auf.

Auch das zeugt von der Geschichte des Gebäudes, auch das will Julia Heigel bewahren und erhalten. „Das wird mein Museumsraum“, scherzt sie. Ab dem Sommer, wenn alles fertig ist, will sie ihr Atelier in dem großen sonnigen Zimmer neben dem Hauseingang einrichten.

In den hinteren Teil kommt die Werkstatt, hier kann sie die Feinarbeiten an ihren Holzskulpturen machen und sich künstlerisch weiter entwickeln, besonders das Arbeiten mit Bronze reizt sie.

Wenigstens einen Tag in der Woche wird Julia Heigel ihr Atelierhaus öffnen und den Hanstedtern ein Forum für bildende Kunst bieten. Durch Ausstellungen ihrer eigenen Arbeiten und denen befreundeter Künstler und auch durch Workshops für Modellieren: „Das soll hier kein totes Haus sein, sondern es soll ganz viel Leben stattfinden.“

Julia Heigel weiß noch sehr wenig zu der Geschichte ihres Hauses an der Harburger Straße. Alteingesessene Hanstedter, die ihr dazu etwas erzählen können, dürfen, wenn sie alles eingerichtet hat, sehr gern bei ihr vorbeischauen.

Wer außerdem wissen möchte, wie ihre Skulpturen aussehen, kann sich zu Pfingsten ein Bild davon machen. Dann zeigt Julia Heigel ihre Holzobjekte beim Gartenlust und Kunstvergnügen, das am 24. und 25. Mai in der Kunststätte Bossard in Lüllau bei Jesteburg stattfindet.