Harburg
Arbeitslosigkeit

Nach vielen Monaten wieder Hoffnung

In der Fischbeker Residenz kümmern sich Langzeitarbeitslose um die Senioren

In der Fischbeker Residenz kümmern sich Langzeitarbeitslose um die Senioren

Foto: Rolf Zamponi

Arbeitsagentur in Harburg fördert Langzeitarbeitslose - zum Beispiel in Fischbek. Im Bezirk haben aktuell 7611 Menschen keinen Job

Harburg.  Sie hatte einmal Konditorin gelernt, einige Zeit gearbeitet, unterbrochen, eine Tochter bekommen und sich in der Logistik versucht. In der berufsfremden Branche war sie aber nur als Helferin unterwegs. Alle diese Jobs blieben aber schließlich kein Weg zu einer befriedigenden Perspektive . Jetzt jedoch hat die 35-Jährige eine gefunden. Seit dem 1. April arbeitet die junge Frau für die Seniorenresidenz Fischbek. „Sie wird nach unserem Haustarif bezahlt und kümmert sich um die alten Menschen, damit ihre Fähigkeiten im Heim erhalten bleiben“, sagt Stephan Krause, der Einrichtungsleiter der Residenz.

Die junge Frau, die anonym bleiben möchte, ist ein Beispiel für einen Vorstoß der Hamburger Arbeitsagentur und des Jobcenters, der für die gesamte Stadt gilt. „Das Projekt läuft seit dem Frühjahr und soll etwa zwei Jahre andauern“, sagt Bianka Schrader, Teamleiterin des Arbeitgeber Services in Harburg. „Intensiv beraten und vermitteln“ (IBV) heißt das Motto. Um Menschen, die länger als ein Jahr ohne Job sind und jahrelang Arbeitslosengeld II oder Hartz IV bezogen haben, betreuen zu können, wurde auch die Harburger Crew des Jobcenters aufgestockt. Insgesamt beziehen im Bezirk 8434 Menschen über längere Zeit Unterstützung. 579 von ihnen werden nun in dem Projekt betreut. Die Zahl soll künftig weiter steigen.

„Die Motivation der jeweiligen Kandidaten wird sowohl vom Vermittler im Jobcenter als auch vom Arbeitgeber-Service geprüft“, sagt Schrader. Der Service sucht dann geeignete Firmen. Schrader wird dabei vor allem in der Logistik, bei Verkaufshilfen sowie im Gesundheitsbereich fündig, so etwa in Fischbek. Die Residenz dort, Anfang Juni 2013 eröffnet, beschäftigt 85 Mitarbeiter und hat ihre Kapazität von 109 Plätzen inzwischen ausgelastet. „Wir suchen weiter Pflegefach- und Hilfskräfte sowie Ergotherapeuten“, sagt Krause. Mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz, das zum 1. Januar 2015 in Kraft trat, hat zudem nun jeder Bewohner mit einer Pflegestufe Recht auf eine zusätzliche Betreuung. Für diese Aufgaben suchen Krause und seine Pflegedienstleiterin Ute Petersen weitere Kräfte. Dafür hat ihre neue Mitarbeiterin einen fünfmonatigen Kurs absolviert und verdient jetzt nach dem Haustarif für 20 Stunden in der Woche 827 Euro brutto. Dazu kommen 132,50 Euro als Förderung vom Jobcenter, die sich die Frau mit ihrem Arbeitgeber teilt. Das reicht zwar noch nicht zum Leben, aber ein Anfang ist geschafft.

„Wir greifen ohnehin gern auf Langzeitarbeitslose zurück“, sagt der Residenz-Chef. Schon jetzt gehören sieben bis acht zur Belegschaft. „Sie sind besonders motiviert und knien sich in die Arbeit hinein, weil sie wissen, dass dies ihre letzte Chance sein kann“, so Krause. Fünf bis sechs solcher Bewerber würde er gern noch einstellen. Arbeitgeber-Service-Chefin Schrader sucht weitere Firmen, die ähnlich denken. Das würde Menschen in Arbeit bringen, deren Aussichten nicht vielversprechend sind.

Insgesamt hat sich die positive Stimmung auf dem Arbeitsmarkt und der Frühjahrsaufschwung auch in Harburg ausgewirkt. So waren im April noch 7611 Menschen im Bezirk ohne Job, 98 weniger als noch im März. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Prozentpunkte auf 9,4 Prozent zurück. Vor einem Jahr lag sie noch bei 9,9 Prozent. Zum Vergleich: Die Arbeitslosenquote für Hamburg betrug im April 7,6 Prozent. Die Zahl der offenen Stellen in Harburg erhöhte sich gegenüber März um 32 auf 1172. Allerdings waren im April 2014 bei der Arbeitsagentur noch 1218 offene Stellen gemeldet.