Harburg
Insolvenzverfahren

Schneekoppe: Die Buchholzer Firma hilft sich selbst

Der Sanierungsplan ist vielversprechend: Das Amtsgericht Tostedt stimmt der angestrebten Eigenverwaltung bei dem Buchholzer Traditionsunternehmen zu. Gläubigerversammlung ist am 22. Januar

Buchholz Das Insolvenzverfahren über die Schneekoppe GmbH ist jetzt eröffnet worden. Das Amtsgericht Tostedt hat verfügt, dass das Buchholzer Unternehmen das Verfahren in Eigenverwaltung durchläuft. Damit folgte das Gericht der Empfehlung des vorläufigen Sachwalters, Rechtsanwalt Malte Köster. „Die Geschäftsführung hat in den letzten Monaten Kompetenz und Sachkunde unter Beweis gestellt. Aus heutiger Sicht spricht nichts dagegen, den Weg der Eigenverwaltung bei Schneekoppe fortzusetzen“, so Köster.

Wie berichtet, war das traditionsreiche Reformkost-Unternehmen seit geraumer Zeit in finanziellen Schwierigkeiten: Zum einen war 2012 durch die Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker ein wichtiger Kunde verloren gegangen, zum anderen wurde die sogenannte Diätverordnung 2010 dahingehend geändert, dass keine speziellen Diabetikerprodukte mehr verkauft werden dürfen – ein Hauptsegment der Schneekoppe. Betroffen waren davon zum Beispiel Süßwaren, die statt dem üblichen Haushaltszucker (Saccharose) Fruchtzucker (Fructose) enthielten. Fructose galt lange als „ungefährlich“ für Diabetiker. Die Medizin geht aber inzwischen davon aus, dass die Krankheit Diabetes nicht allein im Zusammenhang mit dem Zuckerkonsum steht und Diabetikern insofern eine ausgewogene Ernährung, nicht aber der totale Verzicht auf Zucker empfohlen wird.

Weil Geschäftsführer Markus Klein aufgrund dessen das Sortiment umgestaltet und sich nun vor allem auf Pflanzenöle, Leinsaaten und Müsli, gluten- und lactosefreie Produkte sowie ein neues Nahrungsergänzungssortiment für den Apothekenvertrieb konzentriert, legen auch die Erlöse wieder zu. „Wir haben weitere Restrukturierungsmaßnahmen umgesetzt. Die Umsätze konnten weiter stabilisiert werden. Wenn wir nun eine gute Lösung mit den Gläubigern erreichen, werden wir in die Lage versetzt, nachhaltig in die Marke zu investieren und zukunftsfähig zu sein“, so Klein.

Der Sanierungsgeschäftsführer. Rechtsanwalt Andreas Liebaug, sieht in der Eigenverwaltung einen großen Vertrauensbeweis für die Geschäftsführung und eine wichtige Weichenstellung für die erfolgreiche Weiterführung der Sanierung.

Bis zum 8. November muss die Schneekoppe nun ihren Insolvenzplan vorlegen. Vorher wird der Gläubigerausschuss einberufen. Für den 22. Januar ist eine Gläubigerversammlung geplant, bei der die Gläubiger über den Insolvenzplan abstimmen – ein positives Votum ist Voraussetzung für die Zulassung des Insolvenzplans. Für der Anleihegläubiger wird eine Restrukturierung vorbereitet, das heißt, die Anleihebedingungen werden überarbeitet.

Das Unternehmen Schneekoppe wurde bereits 1927 gegründet. Gründer Fritz Klein handelte zunächst mit Leinsaaten. Die Diabetiker-Produkte kamen in den 60er-Jahren ins Sortiment. Mit der Übernahme durch die Laurens Spethmann Holding im Jahr 1996 kam Schneekoppe von Mönchengladbach in den Landkreis Harburg, wechselte seither aber mehrfach den Eigentümer. Heute hat Schneekoppe 13 Mitarbeiter und Kunden in 35 Ländern.