Bauprojekt

Ein Algenhaus für die Elbinsel in Wilhelmsburg

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Andreas Schmidt

Besonderes Energiekonzept: Die Internationale Bauausstellung (IBA) baut das weltweit erste Gebäude mit einer Bioreaktorfassade.

Wilhelmsburg. Algenreaktoren als Fassadenelemente am Wohngebäude: das "BIQ" in der neuen Mitte Wilhelmsburgs ist weltweit das erste Gebäude mit einer Bioreaktorfassade als Teil eines ganzheitlich regenerativen Energiekonzepts. In plattenförmigen Glaselementen sollen sich Mikroalgen vermehren, die durch Fotosynthese und Solarthermie Biomasse und Wärme produzieren.

Die Wärme steht dem Mietshaus als Heizenergie durch Wärmetauscher direkt zur Verfügung, Biomasse wird an anderer Stelle energetisch verwertet und zu Biogas umgewandelt. Das Dach bietet zudem die Möglichkeit zur Gewinnung von Strom über Fotovoltaik. Das Algenhaus ist ein Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA), die im nächsten Jahr auf der Elbinsel ihr Präsentationsjahr hat. Die Nettokaltmiete wird nach Informationen des Hamburger Abendblatts bei 9 bis 11 Euro pro Quadratmeter liegen.

Jetzt feierten Stefan Wulff, Geschäftsführer der Otto Wulff Bauunternehmung, und Dr. Martin Kerner von SSC Strategic Science Consult mit der Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt, Jutta Blankau, und IBA-Geschäftsführer Uli Hellweg sowie allen Bauarbeitern und Handwerkern das Richtfest. Bis März 2013 soll das Gebäude bezugsfertig sein.

Das Algenhaus in Wilhelmsburg (Am Inselpark 17/Neuenfelder Straße) hat flexible Grundrisse und wird das weltweit erste Gebäude mit einer Bioreaktorfassade als Teil eines ganzheitlich regenerativen Energiekonzepts sein. Die Wärme steht dem Haus als Heizenergie durch Wärmetauscher direkt zur Verfügung, Biomasse wird an anderer Stelle energetisch verwertet.

"BIQ" gehört zu den IBA-Modellen der "Smart Material Houses". Die "Smart Material Houses" zeigen das Bauen mit neuartigen Baumaterialien.

Der Begriff "Smart Materials" bezeichnet Materialien, Materialsysteme und weitere Produkte, die sich im Unterschied zu herkömmlichen Baustoffen nicht statisch, sondern dynamisch verhalten. Durch den Einsatz solcher smarten Materialien soll die Gebäudequalität optimiert und der Energieverbrauch minimiert werden.

"Mich fasziniert der innovative technologische Ansatz dieses Algenhauses", sagte Senatorin Jutta Blankau (SPD). "Die Verbindung von modernsten Baustoffen und wegweisenden energetischen Konzepten mit dem Thema Wohnen ist für mich wirklich ein Blick in die Zukunft. Ich bin stolz darauf, dass wir es in Hamburg möglich gemacht haben, dass solche Projekte verwirklicht werden können."

Das kubische, fünfgeschossiges Passivhaus nach einem Entwurf von Splitterwerk Architekten aus Graz hat zwei unterschiedlich gestaltete Fassaden: Südwest- und Südostfassade des Gebäudes tragen jeweils Glaspaneele, in denen Mikroalgen wachsen. Die vorgeblendeten Bioreaktorfassaden erzeugen die Energie für den Bau, leisten aber auch ihren Beitrag zur Lichtsteuerung und Beschattung des Gebäudes. Durch das regelmäßige Wachstum der Algen ist die Biomasse in ständiger Bewegung und die Fassade verändert ihre Farbe. Das Algenhaus sei "ein wichtiges Signal für das Bauen in Zeiten des Klimawandels", sagte IBA-Chef Uli Hellweg.

Im ästhetischen Kontrast zu den Algenfassaden gen Süden stehen Nordwest- und Nordostfassade, eingefasst von einer Putzfassade. Loggien mit Ausblick bieten für jede der 15 Wohnungen einen Platz im Freien. Dort können die zukünftigen Bewohner - Familien mit Kindern und Ehepaare - die Bioreaktorfassade aus der Nähe erleben.

Eingebettet in den Park der Internationalen Gartenschau (igs), die ab dem 26. April 2013 rund 2,5 Millionen Besucher erwartet, entstehen derzeit vier Wohnungsbaumodelle, "um für den Wohnungsbau im 21. Jahrhundert wegweisende Antworten zu finden", so die IBA-Planer. "In dieser Form sollen sie noch lange nach ihrer Fertigstellung als Anschauungs- und Diskussionsobjekt dienen und eine neue Bautypologie begründen." So werde die "Bauausstellung in der Bauausstellung" zu den "Case Study Houses" des 21. Jahrhunderts.

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