Hausbruch

Nach Schießerei herrschen Angst und Unzufriedenheit

Foto: Doris Kiendzierewicz

Am Bäckereistand des Supermarktes am Hardauring gibt es für die Kunden am Montag nur ein Thema: Die Schießerei am Sonnabend.

Hausbruch. Sie hat sich gegen 15.30 Uhr in der Nähe des Supermarktes am Albershof zugetragen. Dabei sind, wie berichtet, drei Männer zum Teil schwer verletzt worden.

"Tatort im TV gucken muss man hier nicht, da passiert genug Krimi vor der Haustür", sagt Sabina Sonnenberg, 52, kopfschüttelnd. Sie wohnt in einem der Wohnblocks in der Nachbarschaft des Marktes. "Meine Kinder würde ich hier nicht zum Einkaufen schicken, da habe ich Angst, dass die von solchen Leuten verletzt werden", sagt sie und wünscht sich mehr Polizeipräsenz, "an so einem Brennpunkt wie hier". Eine Kundin aus Finkenwerder mischt sich ein: "Wenn du in Hamburg zur falschen Zeit am falschen Ort bist, hast du Pech gehabt und gerätst ins Visier von Kriminellen", sagt sie.

Hatten die drei Tatopfer auch diese Art von Pech? Die Polizei ermittelt noch die Tatzusammenhänge. "Die drei verletzten Männer, ein 27 Jahre alter Iraner sowie Vater, 47, und Sohn, 24, aus Aserbaidschan, wollten einkaufen, als sie von einem der Täter, die vermutlich aus Osteuropa stammen, auf russisch angesprochen wurden. Sie sollten zur Straße Albershof kommen, um sich mit einem anderen Mann zu treffen. Angeblich kannten die Opfer diese Männer nicht", sagt Polizeisprecher Holger Vehren.

Aus welchem Grund einer der Osteuropäer eine Waffe zückte und schoss, ist weiterhin unklar. Der 24-Jährige erlitt einen Beckendurchschuss, sein Vater wurde am Unterschenkel getroffen. Ein Geschoss traf den Iraner im Brustbereich, verletzte ihn lebensgefährlich. Ihm geht es inzwischen wieder besser, so die Polizei.

"In Hausbruch und Neuwiedenthal wohnen viele Nationalitäten, das kann nicht immer gut gehen", sagt Claudia Tempel, 41, die ihre Einkäufe zum in der Nähe abgestellten Wagen bringt. Angst, selber zum Opfer zu werden, hat sie nicht, "aber ich bin schon dafür, dass die Polizei sich mehr blicken lassen sollte. Das schreckt Verbrecher ab."

Nachdenklich blickt sie zum ehemaligen Supermarkt-Standort, der sich einige Meter weiter befand. Das Gebäude wurde vor einem halben Jahr von einem Brandstifter angezündet. Momentan residiert die Einkaufsstätte in einem Zelt. Außerdem kam bei einer Schlägerei am nahe gelegenen Rehrstieg in Neuwiedenthal 2010 ein Polizeibeamter zu Schaden. "Es ist halt ein Brennpunktstadtteil, das sollte man nicht verharmlosen", sagt Tempel.

Anwohnerin: Nicole Obermann, 42: "Ich bin in der Sandbek-Siedlung aufgewachsen, ich weiß, was ein raues Klima ist." Ein wenig unwohl sei ihr schon, wenn sie auf dem Parkplatz aus dem Auto steigt, aber Angst hat sie nicht.

"Ich kann ja nicht zu Hause bleiben, nur weil Verrückte herumballern." So richtig im Griff hätten Polizei und Verwaltung die gesellschaftlichen Probleme im Hamburger Süden nicht. "Ich sehe oft Jugendliche, die an den Straßenecken herumlungern und Schnaps trinken oder schon so betrunken sind, dass sie nicht mehr stehen können. Niemand unternimmt etwas."

Nicole Obermann hat zwei Söhne, 18 und 16 Jahre alt und eine dreijährige Tochter. "Ich will nicht, dass meine Jungs abends hier herumlaufen. Nach Konzerten oder Fußballspielen hole ich sie immer von der S-Bahnstation Neuwiedenthal mit dem Auto ab."

Unterdessen fährt ein Streifenwagen im Schritttempo durch den Hardauring. Die Kunden, die am Bäckereistand warten, schauen dem Auto nach, bis der Fahrer den Blinker setzt und das Auto etwas schneller in die nächste Straße einbiegt.