Henrik Steffen hat seine Internet-Firma von Stade in den Binnenhafen verlegt

Harburg. Henrik Steffen, 33, ist fast ganz oben - von seinem 220 Quadratmeter-Büro im Channeltower am Karnapp können er und die Mitarbeiter seiner Firma top concepts ganz Harburg überblicken.

Fast 300 Kunden betreut er, behält einen Überblick über die Online-Shops und designt schon mal die Internet-Vermarktung diverser Produkte neu. Abgerechnet wird im Minutentakt. Und wenn Chef Steffen mal keine Lust mehr auf seinen PC hat, entspannt er sich an einem Spielautomaten oder schlägt mit dem Boxhandschuh auf einen Punchingball ein.

Die Begeisterung für seinen Job ist ungebrochen. Und wie er dazu kam, klingt so unwahrscheinlich wie die Storys vom Tellerwäscher zum Millionär: 1995 war der Stader Henrik Steffen 17 Jahre alt, und als Austauschschüler im schwedischen Karlshamn. Dort entdeckte er das Internet und seine Möglichkeiten. Fortan kam er nicht mehr los davon. Noch in Schweden gründete er eine Firma, schuf den Internet-Auftritt der Schule und später auch der Stadt.

Zurück in Stade, büffelte Steffen erst einmal fürs Abitur. Und nach bestandener Prüfung startete Henrik Steffen so richtig durch, zusammen mit seinem Mitschüler Markus Albrecht. 1997 ging "Citymap", ein Portal mit Informationen, Fotos und Veranstaltungen in Deutschland und im Ausland, ans Netz. Ein Jahr später machten Steffen und Albrecht mit der Vermarktung von Weihnachtsmannpost von sich reden. Himmelpforten, dort, wo seit vielen Jahren ein Postbeamter die Kinderpost für den Weihnachtsmann beantwortet, ist ja auch nicht weit weg von Stade.

Und so wurden unter anderem Grußkarten und Wunschzettel vermarktet, aber auch Anfragen von Kindern beantwortet. Im Büro, daheim bei den Eltern. Der Weihnachtsmann im Cyberspace - Angst vor ungewöhnlichen Ideen hatte Steffen nicht. Die sogenannte Internet-Blase, die Krise, die vielen IT-Unternehmen 2001 das Genick brach, zog an den unbekümmerten Youngsters vorbei. "Wir standen auf soliden Füßen, hatten fast keine Ausgaben."

Vor einigen Monaten wurde es für Steffen Zeit, mal was Neues zu probieren. "Bislang war top concepts quasi die IT-Abteilung von Citymaps. Das sollte sich ändern." Also hieß es Abschied nehmen von altbewährten Pfaden und auf zu neuen Ufern. Weshalb Steffen nicht in Stade geblieben ist? "Als Hamburger Unternehmen wird man einfach ernster genommen. Manche Kunden trauen einer Provinzfirma einfach nicht so viel zu, obwohl es ja gerade in der IT-Branche egal ist, ob man seine Geschäfte vom Schreibtisch im ehemaligen Kinderzimmer oder in einem tollen Büro wie diesem hier abwickelt."

Die Bandbreite der Unternehmen, die das top concepts-Team betreut, ist groß. "Es ist schon kurios. Wir haben einen Betrieb für Kircheninventar dabei", sagt Steffen. Da können Kunden im Internet vom mobilen Taufset bis zu Standkreuzen alles erwerben." Aber auch die Online-Auftritte von Tierfutteranbietern und der Shoprelaunch des Hamburger Fachverlags für Opernfreunde werden bedient. Vielfältigkeit ist Trumpf für die 15 Mitarbeiter, davon fünf Auszubildende. "Wir hatten mal probiert, Personal aus Indien einzubeziehen. War aber zu viel Aufwand. Das Projektmanagement fraß die niedrigen Löhne auf."

Alles, was Steffen über die Welt des Internet-Marketings weiß, hat er sich selbst erarbeitet, fußt auf eigenen Erfahrungen. Studiert hat er nicht, obwohl ihm mit seinem Einser-Zeugnis und einem Stipendium des deutschen Volkes alle Türen im In- und Ausland offen standen. "Ich hätte nach dem Abitur nicht gewusst, welche Fachrichtung mir gefallen hätte. Ich hab ja schon Geld verdient." Laut Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade ist er IHK-Fachinformatiker. "Spannende Projekte an Land ziehen, das ist es, worauf es ankommt. Ich bin dicht dran am Puls der Zeit, wenn ich loslege", sagt er und schaut vom PC durchs Bürofenster herab auf Hamburgs Süden.