Harburg

Projekt Kaufhauskanal ist gerettet

Foto: Internationale Bauausstellung IBA Hamburg GmbH / IBA

Kulturbehörde gibt in letzter Minute Geld für archäologische Ausgrabungen der Bodendenkmalpflege

Harburg. Erst im Juni hatte die Finanzbehörde das IBA-Projekt "Wohnen am Kaufhauskanal" wegen "Unwirtschaftlichkeit" abgeblasen und alle bis dahin in Verhandlungen zwischen Behörden und Anliegern der Harburger Schlossstraße getroffenen Vereinbarungen für nichtig erklärt. Vor wenigen Tagen ist das Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA 2013) allerdings wieder aus dem Koma erwacht. Grund des Erwachens: Trotz Sparhaushalts stellt die Kulturbehörde nun Geld bereit, um auf dem angedachten Baugelände zwischen Harburger Schlossstraße und Kaufhauskanal die gesetzlich vorgeschriebenen Ausgrabungen vornehmen lassen zu können. Zur Erinnerung: Das Baugelände hat eine etwa 1000 Jahre alte Siedlungsgeschichte, die Harburger Schlossstraße gilt als älteste Straße Harburgs, war Zugang zur "Horeburg", der Keimzelle Harburgs auf der Schlossinsel.

Nun sieht ein neuer Zeitplan vor, dass die Abteilung "Bodendenkmalpflege" des Helms Museums ab Anfang kommenden Jahres auf dem Baugelände mit Ausgrabungen beginnt. Parallel dazu soll das Grundstück für den Verkauf an Investoren ausgeschrieben werden. Anfang 2009 hatten die IBA-Organisatoren für das Projekt "Wohnen am Kaufhauskanal" einen Wettbewerb ausgeschrieben. Eine Jury unter Vorsitz von Prof. Bernhard Winking (Architekt des Channel Towers) entschied sich für ein spektakulären Projekt der Architektengruppe Bjarke Ingls Group (BIG) aus Kopenhagen und der Landschaftsarchitekten Topotek1 aus Berlin. Die Arbeit sieht ein zusammenhängendes Wohnquartier mit 160 Wohneinheiten, Innenhöfen und einer Promenade am Kaufhauskanal vor. Denkmalgeschützte oder erhaltenswerte Gebäude an der Harburger Schlossstraße bleiben unberührt.

Reinhard Fette, Seniorchef des seit gut 80 Jahren an der Harburger Schlossstraße 19 ansässigen Blechbearbeitungsbetriebs "Nibbelpeter" Fette, Peter & Co (30 Beschäftigte), die benachbarte Dreherei und Fräserei DKM Kellas (sechs Mitarbeiter), sowie die Klempnerei Ernst Peter werden nun wegen notwendiger Betriebsverlagerung wieder von Behörden zur Aufnahme von Verhandlungen gebeten. Reinhard Fette: "Nachdem die Finanzbehörde im Juni alle Vereinbarungen auf viele Jahre hinaus für null und nichtig erklärte, haben wir nun wieder in unseren alten Standort investiert und unter anderem eine neue Maschine installiert. Nun passen natürlich alle bisherigen Berechnungen und Vergütungen nicht mehr. Auch Kredite für die Betriebsverlagerung nach Hausbruch müssen neu berechnet werden." Seniorchef Fette zeigt sich mit der Betriebsverlagerung und dem Wohnungsprojekt einverstanden. "Wenn im Binnenhafen neues Leben entstehen soll, dann passt hier an einem der Hauptzugänge keine Industriebrache. Da muss schon ein Aushängeschild hin, das die Menschen anspricht."

Dr. Elke Först, Leiterin der Bodendenkmalpflege beim Helms Museum: "Wir erwarten Überreste des mittelalterlichen Stadtkerns Harburgs vorzufinden. Der Weg zur 1133 erstmals urkundlich erwähnten Horeburg war wegen des Wassers sicherlich mit Bohlen und Knüppeln befestigt. Auf Wurten und Warften am Weg gab es die erste Besiedlung. Wir rechnen mit Überresten verschiedener Bebauung in Schichten von drei bis vier Metern. Von der jüngeren bis zur älteren Geschichte arbeiten wir uns runter. Alles wird fotografiert und vermessen. So lässt sich Stück für Stück die Geschichte Harburgs rekonstruieren und vergleichen, ob auch alte aufgeschriebene Aussagen zur Harburger Geschichte stimmig sein können." Dr. Elke Först geht davon aus, dass die Ausgrabungen das Bauprojekt "Wohnen am Kaufhauskanal" zeitlich nicht beeinträchtigen werden.