Eichenprozessionsspinner

Gefahr für Menschen – giftige Raupen im Stadtpark gesichtet

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Baumpfleger entfernen Nester von Eichenprozessionsspinnern aus einer Eiche in Altengamme (Foto von 2019).

Baumpfleger entfernen Nester von Eichenprozessionsspinnern aus einer Eiche in Altengamme (Foto von 2019).

Foto: Roland Magunia / Funke Foto Services

Bei Kontakt mit der Larve können starke Reizungen der Haut und Atemwege auftreten. Die gefährliche Raupe macht sich in Hamburg breit.

Hamburg. Kürzlich gab es schon Alarm in Eimsbüttel – nun wird vor ihm auch im Hamburger Stadtpark und im Umfeld des Friedhofs Ohlsdorf gewarnt. Der für Menschen gefährliche Eichenprozessionsspinner ist offenbar gerade wieder in der Stadt unterwegs. Die Raupe des unscheinbaren graubraunen Nachtfalters kann mit ihren Brennhärchen starke Reizungen der Haut und der Atemweges sowie allergieähnliche Reaktionen auslösen.

„In den letzten Tagen kam es zu ersten Feststellungen des Eichenprozessionsspinners (EPS) an Bäumen im Stadtpark sowie in dessen Umfeld“, sagte die Sprecherin des Bezirks Nord, Larissa Robitzsch, dem Abendblatt. „Das Bezirksamt hat daher entschieden, mit der diesjährigen Aufstellung der EPS-Warnschilder im Stadtpark zu beginnen. In den kommenden Tagen und Wochen erfolgt zudem ein regelmäßiges Monitoring bekannter Verdachtsstandorte, festgestellte Eichenprozessionsspinner werden zeitnah im Absaugverfahren durch eine beauftragte Fachfirma beseitigt.“

Eichenprozessionsspinner im Stadtpark und Ohlsdorf gesichtet

Außerdem sei die hautreizende Raupe auch „nördlich der Fuhlsbüttler Straße im Umfeld des Ohlsdorfer Friedhofs“ gesichtet worden. „Ob die Ausbreitung in diesem Jahr besonders stark ist, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen und muss in den nächsten Wochen beobachtet werden“, so die Sprecherin.

Zu Pfingsten hatte es bereits EPS-Aufregung in Eimsbüttel gegeben. An zwei Stellen hatte die Polizei den Fußweg am Kaiser-Friedrich-Ufer (Kaifu) mit rot-weißem Flatterband abgesperrt und Warnschilder aufgestellt: „Achtung! Eichenprozessionsspinner! Giftig!“ Lange durchsichtig schimmernde Fäden mit kleinen Knötchen zogen sich hinter der Absperrung von den Ästen der Bäume bis zum Boden. Ein paar Tage später war das Flatterband jedoch wieder verschwunden. Fehlalarm.

Eichenprozessionsspinner: Entwarnung für Eimsbüttel

„Am Kaifu handelt es sich nicht um den Eichenprozessionsspinner, sondern um Gespinstmotten“, so Cornelia Rosenberg, Sprecherin des Bezirksamts Eimsbüttel, auf Abendblatt-Nachfrage. „Eine Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners im Bezirk Eimsbüttel gibt es bisher nicht.“ Anders als der Eichenprozessionsspinner seien Gespinstmotten ungefährlich.

Die Polizei sei aufgrund von Bürgerhinweisen tätig geworden, sagte ein Sprecher der Polizei auf Anfrage. Grundsätzlich liege die Zuständigkeit jedoch beim jeweiligen Bezirksamt. „Für die Polizei ergibt sich immer dann eine Zuständigkeit wenn die zuständige Behörde nicht erreichbar ist und vom jeweiligen Sachverhalt möglicherweise Gefahren ausgehen“, so der Polizeisprecher.

Umweltbehörde auf Meldungen angewiesen

Bei der Umweltbehörde lägen in diesem Jahr noch keine „bestätigten Meldungen“ über mit dem Eichenprozessionsspinner befallene Gebiete vor, sagt deren Sprecher David Kappenberg auf Abendblatt-Anfrage zunächst. „Was jedoch nicht heißen muss, dass es keine Vorkommen gibt.“ Die Behörde führe keine vollständige Erhebung oder Statistik zum Auftreten des Eichenprozessionsspinners. „Es gibt keine Meldepflicht für Befälle. Für die Gefahrenabwehr zum Schutz der Bevölkerung sind die jeweiligen Flächeninhaber verantwortlich“, so Kappenberg.

„Wir bekommen von den Bezirken Meldungen für Straßenbäume und Grünflächen und teilweise von weiteren Flächenverantwortlichen wie zum Beispiel der Hafenbehörde.“ Der Befall im öffentlichen Grün habe in den Jahren 2019 und 2020 mit 725 beziehungsweise 765 Befallsmeldungen etwa auf dem gleichen Niveau gelegen. „Für 2021 haben wir knapp 600 Befallsmeldungen bekommen – hier hat es demnach also eine leichte Abnahme gegeben.“

Eichenprozessionsspinner werden abgesaugt

Wenn ein Befall entdeckt wird, werde dieser in der Regel „zur Gefahrenabwehr und dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung“ durch Absaugen entfernt. „In den Naturschutzgebieten geschieht dies nur, wenn kritische räumliche Konstellationen bestehen, etwa die Nähe zu Spielplätzen“, so Kappenberg. Im Bezirk Eimsbüttel habe es in den vergangenen Jahren „lediglich wenige Nester im Bereich der Kennedybrücke“ gegeben, so Bezirksamtssprecherin Rosenberg. „Wurden Nester des Eichenprozessionsspinners festgestellt wurden diese in den letzten Jahren durch Absaugen oder Verkleben beseitigt.“

Eine Verwechslungsmöglichkeit mit den Gespinstmotten gebe es eigentlich nicht, sagt Rosenberg. Während der Eichenprozessionsspinner ausschließlich Eichen befällt und dort bis zu fußballgroße weiße Nester hinterlässt, befallen die Raupen der Gespinstmotte ganze Pflanzen und spinnen diese ein. In Hamburg seien die Gespinste des Eichenprozessionsspinner laut einem Informationsflyer der Bezirksämter erstmals 2012 entdeckt worden. Dort wird vor jeglichem Kontakt mit den Raupen gewarnt. In der Fraßzeit der Raupen von Mai bis Juli sei das Kontaktrisiko am größten.

„Nach unbeabsichtigtem Kontakt gehen Sie schnellstmöglich nach Hause, legen die Kleidung ab und duschen sofort den gesamten Körper ab, um alle Brennhaare zu entfernen“, lautet die Empfehlung. Bei Augenkontakt sollten diese mit sauberem Wasser ausgespült werden. Zudem wird empfohlen, die komplette Kleidung bei 60 Grad zu waschen und bei ausgeprägten Beschwerden einen Arzt aufzusuchen.

Befallene Gebiete können telefonisch an die Bezirksämter unter Telefon: 040/428 28-0 oder -115 oder per Mail an eichenprozessionsspinner@service.hamburg.de gemeldet werden.