Hamburg

Muss diese Altbau-Villa an der Alster einem Neubau weichen?

Peter Ahrens (l.) und Alexander Valentin wehren sich gegen die Pläne ihres Nachbarn, die rosa Villa durch einen Neubau zu ersetzen.

Peter Ahrens (l.) und Alexander Valentin wehren sich gegen die Pläne ihres Nachbarn, die rosa Villa durch einen Neubau zu ersetzen.

Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Fehlender Denkmalschutz: Eigentümer Dirk Manthey plant den Abriss an der Fährhausstraße. Die Nachbarn wollen dagegen vorgehen.

Hamburg. Hohe Bäume, herrschaftliche Villen aus den Anfängen des vorigen Jahrhunderts – die Fährhausstraße auf der Uhlenhorst gehört zu den nobelsten Adressen in Hamburg. Das weckt Begehrlichkeiten. Auf etlichen Grundstücken wurde der Altbestand bereits abgerissen; stattdessen sind dort Neubauten mit maximaler Geschossfläche entstanden. Aktuell ist eine schmucke rosafarbene Villa auf dem Eckgrundstück Fährhausstraße 22/Herbert-Weichmann-Straße bedroht.

Der Eigentümer der Immobilie ist Dirk Manthey, Gründer des ehemaligen Milchstraßen-Verlags, der in der Villa aufgewachsen ist. Er will sein Elternhaus abreißen lassen und an selber Stelle ein „Stadtpalais“ mit sieben Wohnungen errichten. Einen entsprechenden Bauantrag hat er bereits beim Bezirksamt Hamburg-Nord eingereicht.

Der eindrucksvolle Altbau mit dem markanten Wintergarten, den Sprossenfenstern und den schmiedeeisernen Verzierungen steht schon seit einer Weile weitgehend leer, der Garten ist verwildert. Denkmalgeschützt ist er nicht. Das wurde Manthey dem Vernehmen nach vom Denkmalschutzamt mitgeteilt.

Ist der fehlende Denkmalschutz „Freifahrtschein für einen Abriss“?

Dass es nun Abrisspläne gibt, sorgt in der Nachbarschaft bei vielen für Ärger. Zum Beispiel bei Alexander Valentin und Peter Ahrens, die im Nachbarhaus an der Herbert-Weichmann-Straße wohnen und dort auch eine Kanzlei und eine Stiftung für Straßenkinder in Honduras betreiben. Sie sprechen von einem „Skandal“. „Durch Abriss und Neubau würde ein einzigartiges Villen-Ensemble zerstört werden“, so Valentin, der als Jurist arbeitet.

Die rosafarbene Villa sei um 1888 von demselben Architekten erbaut worden wie sein Haus und das Gebäude Fährhausstraße 24. „Kennzeichnend sind die überhängenden Dächer, die hübschen schmiedeeisernen Verzierungen und die architektonische Besonderheit, dass sich alle drei Villen zur Straßenseite als zweigeschossiger Bau mit Satteldach präsentieren, tatsächlich im rückwärtigen Teil aber über drei Vollgeschosse verfügen.“

Valentin nennt die außergewöhnliche Bauweise „deutsche Kolonialarchitektur“ – und kann nicht verstehen, dass keines der drei Gebäude denkmalgeschützt ist. Er befürchtet, dass der negative Bescheid des Denkmalschutzamtes, den sein Nachbar bekommen hat, ein „Freifahrtschein für einen Abriss“ sein könnte.

Die Nachbarn wollen rechtlich gegen einen Abriss vorgehen

Den Verlust der nachbarschaftlichen Villa will er unbedingt verhindern. Getreu dem in römischen Lettern an seinem Haus angebrachten Ausspruch des italienischen Schriftstellers Daniele D’Anunzio „Memento audere semper“ („Denk immer daran, es zu wagen“) hat er beim Denkmalschutzamt im Juli den Antrag auf Ensemble-Schutz für die drei Villen gestellt, zu der auch die rosafarbene Villa von Dirk Manthey gehört. Ein Mitarbeiter des Denkmalschutzamtes war vor Ort. Ob schon eine Entscheidung getroffen wurde, habe er noch nicht erfahren können.

Deshalb will der Jurist auch rechtlich gegen den Abriss vorgehen. Dafür hat er seinem bekannten Hamburger Anwaltskollegen Gero Tuttlewski das Mandat erteilt – auch, weil dieser Erfahrung in solchen Fällen hat. Nur ein paar Grundstücke weiter hatte er den Abriss einer Villa verhindern können, obwohl bereits ein Bauantrag vorlag. Auch dort hatten sich Nachbarn für den Erhalt des Gebäudes eingesetzt. Der dafür gegründeten Bürgerinitiative hatten sich damals auch die Anwohner Peter Ahrens und Alexander Valentin angeschlossen.

„Dass dort ein Neubau verhindert werden konnte, macht uns Mut“, sagen sie. Nun wollen sie auch im aktuellen Fall die Nachbarn mobilisieren und die Initiative „Rettet die Fährhausstraße 22“ gründen. Auch eine Homepage, die über den aktuellen Stand informiert, ist geplant. „Es wurde hier in der Vergangenheit von profitgierigen Investoren genug Unheil angerichtet“, so die beiden Uhlenhorster. „Damit muss jetzt mal Schluss sein, sonst verliert das Viertel an der Alster sein Gesicht.

Ähnlich sieht es auch der Denkmalverein. „Die gründerzeitlichen Stadtvillen prägen wesentlich die Identität der Uhlenhorst. Auch wenn kein Denkmalschutz besteht, wäre ein Abriss des charakteristischen Gebäudes daher ein bedauerlicher Verlust historischen Erbes“, so Sprecherin Kristina Sassenscheidt. „Es bleibt zu hoffen, dass der Bezirk dies auf Grundlage der städtebaulichen Erhaltungsverordnung für Winterhude und Uhlenhorst verhindern kann.“

Bezirksamt Nord: Einwände spielen Rolle bei Entscheidung

Aus dem Bezirksamt Hamburg-Nord heißt es, man habe bislang noch keine Entscheidung getroffen. Der stellvertretende Bezirksamtsleiter Tom Oelrichs verweist auf erheblichen nachbarschaftlichen Widerstand. „Unsere Meinungsbildung ist dazu noch nicht abgeschlossen, aber die Einwendungen und auch die als erhaltungswürdig beschriebenen Bestandsgebäude werden für uns eine wichtige Rolle spielen bei den ausstehenden Entscheidungen.“

Auch das Denkmalschutzamt hat hinsichtlich einer Unterschutzstellung des Villen-Ensem­bles noch keine Entscheidung getroffen. „Derzeit sind wir noch dabei, den Denkmalwert der einzelnen Gebäude zu prüfen“, sagte Enno Isermann, Sprecher der zuständigen Kulturbehörde. Dabei werde auch die rosa Villa noch einmal begutachtet – was auch bei einem bereits erfolgten negativen Bescheid nicht ungewöhnlich sei.

Der Eigentümer Dirk Manthey konnte weder telefonisch noch per Mail für eine Stellungnahme erreicht werden.

Neuer Eigentümer

Die seit Langem leer stehende Villa am Leinpfad 21 hat einen neuen Eigentümer. Nach Angaben des Bezirksamts hat Bertram Rickmers das Gebäude, dessen Sanierung er 2011 zugesichert hatte, verkauft. Der neue Eigentümer versichere glaubhaft, den Leerstand beenden zu wollen, so ein Sprecher. „Wir behalten das Objekt weiter im Blick und kontrollieren, ob er auch Wort hält.“

Auch die Leerstände an der Fährhausstraße 14 und 14a könnten bald ein Ende haben. In beiden Fällen gebe es Bauaktivitäten, so der Sprecher. Im Falle der 14a gehe man „mit vorsichtiger Pro­gnose“ von einer baldigen Fertigstellung aus. Auf dem Grundstück Fährhausstraße 14 gebe es Probleme beim Überfahren einer Zufahrt mit schwerem Gerät.