Hamburg Airport

In Fuhlsbüttel geht es jetzt zu Fuß zum Flugzeug

Passagiere betreten über zwei Treppen gleichzeitig einen Ryanair-Jet
auf dem Flughafen Hamburg. An den neuen Gates ist das so üblich

Passagiere betreten über zwei Treppen gleichzeitig einen Ryanair-Jet auf dem Flughafen Hamburg. An den neuen Gates ist das so üblich

Foto: Imago

Am Hamburger Flughafen gibt es neuerdings vier sogenannte Wiwo-Gates. Sie sollen das Ein- und Aussteigen beschleunigen.

Hamburg.  Aus Sicht der Passagiere hat der Unterschied zwischen Billigfliegern und etablierten Fluggesellschaften in den zurückliegenden Jahren an Bedeutung verloren. Günstige Tickets gibt es längst auch bei Lufthansa, British Airways oder Air France. Und bei EasyJet und anderen Niedrigpreisanbietern kann man längst Servicepakete buchen, die mit dem Ohne-Schnickschnack-Prinzip nur noch wenig zu tun haben. Auf dem Hamburger Flughafen werden manche Fluggäste seit einigen Tagen allerdings nicht mehr im Zweifel gelassen, zu welchem Marktsegment die Airline gehört, in deren Jet sie gerade einsteigen: Sie müssen nach der Bordkartenkontrolle zu Fuß zum Flugzeug gehen.

Vier sogenannte Walk-in-walk-out-Gates (abgekürzt Wiwo) hat der Flughafen kürzlich in Betrieb genommen. Die bisher dort vorhandenen Fingersteige wurden abgebaut, die Abflugzonen umgestaltet. Rund 6,5 Millionen Euro kosteten die Änderungen. „Wir haben uns für diese Investition entschieden, weil es immer wieder entsprechende Nachfragen von Fluggesellschaften gab“, sagt Flughafensprecherin Katja Bromm. Denn die neuen Flugsteige sollen den Zeitaufwand für das Ein- und Aussteigen der Passagiere und damit die Bodenzeiten der Flugzeuge „deutlich spürbar“ verkürzen. Genutzt werden die Wiwo-Steige denn auch von EasyJet, Ryanair, Wizzair und Eurowings/Germanwings. „Mehrere andere Gesellschaften überlegen noch“, so Bromm.

Gerade für die Billigflieger gilt das Prinzip: Zeit ist Geld. Zum Geschäftsprinzip gehört es, die Jets möglichst viele Flüge pro Tag absolvieren zu lassen. Darum haben diese Unternehmen größtes Interesse an einer Verringerung der Bodenzeiten. Vor allem an kleineren Flughäfen sind die Maschinen nicht selten weniger als 30 Minuten nach der Landung schon wieder in der Luft.

Bei dem neuen Boarding-Verfahren in Hamburg überschneidet sich die Abfertigung der ankommenden und der abfliegenden Passagiere zeitlich: Noch während die Fluggäste aus dem gelandeten Flieger aussteigen, ist für die meisten abfliegenden Reisenden bereits die Kontrolle der Bordkarten erfolgt. Anschließend warten sie in einer sogenannten Preboarding-Zone im Gebäude bis zum Einsteigen. Dann geht es durch ein Treppenhaus und zu Fuß hinaus auf das Vorfeld, wo die Maschine direkt vor dem Terminal geparkt ist. Über Treppen besteigen die Passagiere das Flugzeug, wobei die vordere und auch die hintere Tür genutzt werden können. Für die Sicherheit auf dem Vorfeld sorgen zwei Flughafen-Mitarbeiter. Zudem gibt es Absperrungen mit Gittern und flexiblen Bändern, damit niemand in Gefahrenzonen gerät.

49 Prozent reisten mit Billigfliegern

Bisher konnten die Airlines in Hamburg zwischen zwei Abfertigungsvarianten wählen: Die Maschinen docken entweder per Fingersteig an der Pier an oder sie parken auf dem Vorfeld, die Passagiere erreichen es mit Bussen. Einschließlich der vier Wiwo-Gates gibt es knapp 20 Plätze an der Pier. Dabei sparen die Fluggesellschaften nicht die Kosten für das Parken an der Pier.

Größerer Unmut wegen Komforteinbußen ist nach Einschätzung des Hamburger Luftfahrtexperten Cord Schellenberg nicht zu befürchten: „Wenn man in ein ausgebuchtes Flugzeug mit 200 Plätzen einsteigt und dabei zehn Minuten lang im dunklen Fingersteig nur langsam vorankommt, ist das auch kein Komfort.“ Wenn beide Flugzeugtüren für das Einsteigen zur Verfügung stünden, könne das ein Vorteil auch für den Fluggast sein. Zudem empfänden es viele Passagiere sicherlich als angenehm, nach der Landung schneller aus der Maschine zu können. Hinzu kommt: „Wer häufiger mit Airlines wie EasyJet oder Ryanair unterwegs ist, weiß um das Thema Effizienz und ist an ein solches Boarding-Verfahren ohnehin schon gewöhnt.“ Tatsächlich sind Wiwo-Gates an anderen europäischen Flughäfen, etwa London-Gatwick oder Dublin, längst etabliert.

Nach Erhebungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt reisten 2015 gut 49 Prozent der Hamburger Passagiere mit Billigfliegern, 2005 waren es noch weniger als 20 Prozent. Die Airlines haben ihr Angebot zuletzt deutlich ausgebaut. EasyJet eröffnete 2014 eine Basis in der Hansestadt, Ryanair stationiert im November Flugzeuge in Hamburg und erweitert damit das Angebot an Flugzielen erheblich.