Hamburg

Wie ein Bussard am Airport die Flugzeuge beschützt

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Falkner Herbert Boger und Wüstenbussard Sally an ihrem Arbeitsplatz

Falkner Herbert Boger und Wüstenbussard Sally an ihrem Arbeitsplatz

Foto: Andreas Laible

Im Einsatz gegen Möwen sowie furchtlos gegenüber noch größeren Vögeln: Das ist der Arbeitsalltag von Herbert Boger und Sally.

Hamburg.  „Ich war schon als Kind fasziniert vom Fliegen“, sagt Falkner Herbert Boger. Er meint jedoch nicht die riesigen Flugzeuge, die hinter ihm auf den Landebahnen des Hamburger Flughafens mit donnernden Triebwerken abheben, sondern den Greif­vogel im braun-rötlichen Federkleid, der friedlich auf seiner Hand sitzt, und dessen Flug.

Seit zwölf Jahren ist der amerikanische Wüstenbussard im Besitz des Falkners. Beide zusammen sind regelmäßig zu Besuch bei Jäger Markus Musser. Der Jagdbeauftragte der Flughafen Hamburg GmbH sorgt dafür, dass die auf dem Gelände und im Luftraum lebenden Vogelscharen nicht überhandnehmen und die Sicherheit des Flugbetriebs gefährden.

Der Vogelschlag, ein Zusammenprall von Vögeln und Flugzeugen in der Start- und Landephase, kann zu Schäden an der Maschine führen. Besonders in der Startphase ist das Ausmaß einer solchen Kollision für den Piloten schwer einzuschätzen und kann zu Notlandungen führen.

Um dem vorzubeugen, kommt Boger zwei- bis dreimal die Woche mit mindestens zwei Greifvögeln vorbei. „Ziel ist die Vergrämung der Vögel durch Abschreckung“, erklärt Musser, der ebenfalls ausgebildeter Falkner ist.

Da sich die Vögel an den Luft­verkehr und -lärm gewöhnen, ist die Aufgabe der eingesetzten Greifvögel, zu verhindern, dass sich die Möwen und Krähen auf dem Flughafengelände wohl- sicher und fühlen.

Trotz seltener Beute geht Sally nicht leer aus

Um beispielsweise eine Krähenschar zu vergrämen, nähert sich Boger mit Sally auf der linken Hand dem Schwarm. Sobald er den Riemen des Lederhandschuhs löst, jagt die Vogeldame los. Bestenfalls erbeutet Sally eine Krähe, die Boger dann am Boden als Belohnung gegen eine schmack- und nahrhaftere Taube tauscht. Boger erklärt, wie diese enge Zusammenarbeit von Mensch und Tier funktioniert: „Sally weiß, dass sie mit mir zusammen erfolgreicher bei der Jagd ist!“ Denn meistens macht Sally keine Beute, wird aber natürlich trotzdem für die gelungene Abschreckung belohnt. Denn durch das panische Krächzen des angegriffenen Schwarms werden sämtliche Artgenossen aufgeschreckt und suchen schnellstens das Weite.

Zusätzlich werden von der Verkehrsaufsicht des Flughafens Pyrotechnik und Schreckschusswaffen zur Vertreibung der Vögel eingesetzt. Doch Musser hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Vögel auch an diese Geräusche gewöhnen. Im Vergleich hat sich der Einsatz von Greifvögeln als höchst erfolgreich erwiesen. Die Methode ist nachhaltiger wirksam, da oft schon die Silhouette am Himmel reicht, um Vogelscharen, die den Flugverkehr stören könnten, zu verscheuchen.

Dank die stark verringerte Zahl von Vögeln sind auch die Schäden enorm gesunken. Bei ungefähr 150.000 Flug­bewegungen im Jahr gibt es durchschnittlich nur 30 bis 40 Vogelschläge, von denen maximal zwei bis drei Schäden verursachen, die zu Notlandungen führen. Damit gehört der Hamburg Airport zu den Flughäfen mit einem niedrigen Vogelschlag-Risiko.

( hpbb )