Alster

Früher an Bord von „Passat“ und „Pamir“, heute im Ruderboot

In Erinnerung an alte Zeiten haben die Männer der Pamir Passat Vereinigung ihr Ruderboot „P-Liner“ genannt

In Erinnerung an alte Zeiten haben die Männer der Pamir Passat Vereinigung ihr Ruderboot „P-Liner“ genannt

Foto: Andreas Laible

Die Mitglieder der Pamir-Passat-Vereinigung treffen sich alle 14 Tage zur Ruderpartie. Jetzt hoffen sie auf die Rückkehr der „Peking“.

Winterhude. Es ist ein eindrucksvolles Bild wie aus alten Zeiten: Der Kahn löst sich vom Ufer, die Ruder zeigen in die Luft, die Kommandos folgen Schlag auf Schlag. „Klar bei Riemen“, „Riemen bei“ – alles klappt wie am Schnürchen. Mitten im Winterhuder Alsterarm folgt eine kunstvolle Drehung, dann geht es zügig weiter Richtung Eppendorf. Schon bald ist die „P-Liner“ nur noch ein Fleck auf dem Wasser, der sich immer weiter entfernt.

Die 14 Männer, die hier durch die Alster „pullen“, haben ihr Handwerk gelernt, und die Liebe zum Wasser schweißt sie seit Jahrzehnten zusammen. Sie sind allesamt Mitglieder der Pamir-Passat-Vereinigung (PPV).

Das bedeutet: Jeder von ihnen fuhr in den 1950er Jahren entweder auf der 1905 vom Stapel gelaufenen „Pamir“ oder auf dem Schwesterschiff „Passat“ mit, das 1911 vom Stapel lief. So lässt sich die ganze Gruppe unterteilen, die letztlich natürlich nichts trennen kann. Peter Meyer, Helmut Wethje und Carsten Witt beispielsweise waren auf der „Pamir“ mit dabei, bevor sie 1957 sank. Peter Gehring, Harro Fiehn und Thorolf Glahn waren auf der „Passat“, die heute für immer in Travemünde liegt.

Fast alle haben einst das Kapitänspatent erworben und wirken so fit, als könnten sie jederzeit wieder ein Kommando übernehmen. Dabei liegt das Durchschnittsalter der munteren Crew bei 79 Jahren. „Ich bin hier der Jüngste“, lacht Jochen Scherenberg, „und das mit 75 Jahren“. Senior ist Gerhard Behrend, der mit seinen 85 glatt zehn Jahre jünger aussieht. Behrend war auch bei der vorletzten Reise der „Pamir“ dabei, der Untergang des stolzen Schiffs blieb ihm glücklicherweise erspart.

Die Männer halten seit Jahrzehnten die Erinnerung an die legendären P-Liner der Hamburger Laeisz-Reederei wach. Schon seit 1974 gibt es den gemeinsamen Stammtisch, der über viele Jahre auf dem „Feuerschiff“ auf der Elbe tagte.

Und seit 1998 wird zusammen gerudert – und zwar alle 14 Tage. Der Ton ist fröhlich, aber alle gehen auch respektvoll miteinander um. Das Wort Kameradschaft hat hier noch einen besonderen Wert. Wer mal krank oder in Not ist, kann sich auf die Hilfe der anderen verlassen – in dieser Gruppe vereinsamt niemand.

Die 14 Kapitäne sind keine sentimentalen Jammerlappen, die den alten Zeiten nachtrauern. Mit viel Energie haben sie internationale Kontakte aufgebaut und pflegen quasi als maritime Botschafter Freundschaften in England und sogar Australien.

Aber ein Thema führt sie wieder zurück in die Vergangenheit – und, wie alle hoffen, auch in die Zukunft. Es geht um die mögliche Rückkehr der „Peking“ nach Hamburg – des einzigen P-Liners, den der Heimathafen jetzt noch ergattern könnte. Die Verhandlungen darüber laufen bekanntlich auf Hochtouren, doch das Ende ist noch offen. Der ganze Verein steht bereit, um nach der Rückführung aus New York, die zum Greifen nahe scheint, mit Rat und Tat zu helfen. „Wir könnten bei nötigen Renovierungen beraten, Abläufe des Alltags erläutern und sogar als Fremdenführer einspringen“, erläutert Uwe-Jens Petersen. „Alles an Bord hat sich uns eingeprägt – und zwar für immer.“

Und auch diesen Traum haben die kernigen Seebären noch: Die „Peking“ als permanenten Tagungsort ihres Vereins zu nutzen. Wenn das gelingen würde, hätte die Geschichte der Hamburger Großsegler endlich wirklich ein Happy End.