Rückholaktion

Für Rückkehr der „Peking“ fehlen eine Million Euro

Die legendäre Viermastbark „Peking“ wird aller Wahrscheinlichkeit doch nicht in ihren Heimathafen Hamburg zurückkehren. Bisher zu wenig Spenden eingegangen. Gebraucht wird noch ein Großspender.

Hamburg. Eigentlich hatte Reinhard Wolf von der Handelskammer schon alles in trockenen Tüchern: Drei Spender hatten insgesamt fünf Millionen Euro für die Rückholung des Hamburger Windjammers „Peking“ zur Verfügung gestellt. Jetzt ist die Rückführung des letzten weltweit noch verfügbaren Viermasters aus der Reihe der legendären „Flying-P-Liner“ der Hamburger Reederei F. Laeisz vorerst gescheitert.

Wie Reinhard Wolf von der Handelskammer abendblatt.de mitteilte, werden zwei der drei von Hamburger Kaufleuten in Aussicht gestellten Millionenspenden nicht rechtzeitig gezahlt, um das Schiff für Hamburg retten zu können. „Zwei Millionen sind eingegangen, eine Millionen wurde wegen prekärer Finanzlage zurückgestellt, die letzten zwei Millionen waren noch bis zum vergangenen Wochenende zugesagt, sind aber nicht bezahlt worden“, sagte Wolf.

Anfang Juli verlor das in Insolvenz geratene Southstreet Seaport Museum in New York die Verfügungsgewalt über das in Manhattan liegende Schiff an einen Insolvenzverwalter. Während sich das Museum bereit erklärt hatte, die „Peking“ Hamburg zur Nutzung als Museumsschiff zu schenken, droht dem Schiff nun, gegen Höchstgebot in den USA verkauft und verschrottet zu werden. Handelskammer-Syndikus Reinhard Wolf, der die Rückführung der „Peking“zusammen mit Partnern über Jahre hinweg betrieben hat, ist traurig: „Nachdem jetzt alle Voraussetzungen für den Transport und die Reparatur der „Peking“ vorliegen, ist es sehr schade, dass die erforderliche Finanzierung nicht dargestellt werden kann. Hamburg wird so einen wichtigen Teil seiner maritimen Geschichte unwiederbringlich verlieren.“

Die 1911 für die Reederei F. Laeisz von der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss gebaute “Peking“ ist baugleich mit der ebenfalls 1911 abgelieferten „Passat“, die heute in Travemünde als Museumsschiff liegt. Anders als die „Passat“ ist die „Peking“ aber weitgehend original erhalten, weil das Schiff schon 1932 aus der kommerziellen Fahrt genommen wurde. Sie lag als stationäres Schulschiff im englischen Rochester, bis sie 1974 von Amerikanern gekauft und dem neu eingerichteten Southstreet Seaport Museum in Manhattan, New York, als Museumsschiff geschenkt wurde. Nachdem das Museum mit der Bark „Wavertree“ einen weiteren Rahsegler mit direktem historischen Bezug zu New York bekam, verlor es das Interesse an der Peking, die dann mangels Instandhaltung mehr und mehr verkam. Mit dem Konzept, die Peking zum Flaggschiff eines umfassenden Hafenmuseums in Hamburg zu machen, konnte Wolf schließlich erreichen, dass sich das New Yorker Museum bereit erklärte, das Schiff nach Hamburg zu verschenken.

Die umfassende, gut zwei Millionen Euro erfordernde Instandsetzung des Rumpfes sollte auf der Bauwerft Blohm + Voss ausgeführt werden. Nachdem sich im Herbst 2012 herausstellte, dass die Werft dies nicht zum Festpreis ausführen konnte, musste das Projekt zunächst abgesagt werden. Die daraufhin erfolgende Berichterstattung in den Medien führte zu großer Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und zu zusätzlicher Unterstützung. Sowohl eine deutsche Werft als auch eine Werft aus Kaliningrad erklärten ihre Bereitschaft zu einem Festpreis-Angebot für die Reparatur, zusätzlich sagte ein weiterer Hamburger Kaufmann eine Millionenspende zu.

In den vergangenen Monaten wurde die Peking von Werftingenieuren in New York ausführlich untersucht und deren Reparaturfähigkeit bestätigt; je nach Umfang der Reparatur sind hierfür zwei bis drei Millionen Euro erforderlich. Weil der heutige Zustand des Schiffes einen Transport auf eigenem Kiel nicht mehr erlaubt, muss die Überführung an Bord eines Dockschiffs erfolgen, auch hierfür liegt ein konkretes Angebot vor. Zwei der drei in Aussicht gestellten Spenden können nun aber nicht kurzfristig bereitgestellt werden, so dass eine Finanzierungslücke von gut 1 Mio. Euro verbleibt. Dazu Wolf: „Die vorliegenden Angebote zeigen, dass es machbar ist, die PEKING in ihren Heimathafen zurück zu holen und zu restaurieren. Was leider noch fehlt, ist ein weiterer Mäzen, der bereit ist, eine Million Euro für die maritime Geschichte unserer Stadt bereit zu stellen.“ rek