Facebook-Affäre

„Frauenversteher“ erpresst Freundin mit Nacktfotos

Halina L. brachte den Facebook-Betrüger vor Gericht

Halina L. brachte den Facebook-Betrüger vor Gericht

Foto: bettina mittelacher

46-Jährige zahlte 45.000 Euro an den Betrüger. Der Angeklagte wird nun per Haftbefehl gesucht. Er gab sich als Millionenerbe aus.

Barmbek.  Er erschien ihr als wundervoller Frauenversteher. Ein Charmeur, der traumhaft „gefühlvolle Briefe schreiben konnte, der Schnulzgedichte und Liebeslieder“ schickte. „Ich dachte, ich hätte meinen Soulmate gefunden“, ihren Seelenverwandten, sagt Halina L. Heute ist die 46-Jährige nur noch verletzt und wütend auf den Mann, den sie vor knapp drei Jahren auf Facebook kennenlernte, dem sie blind vertraute, in den sie sich rettungslos verliebte – und der sie dann aufs Übelste erpresst haben soll. 45.000 Euro zahlte sie demnach gezwungenermaßen an den Kerl, der vom Traummann zum Albtraum geworden war.

Obwohl einst ihre vermeintlich große Liebe, hat die Geschäftsfrau den Mann bisher nur im Internet gesehen. Leibhaftig bekam sie ihn noch nie zu Gesicht. Und auch am Freitag blieb er für sie ein Phantom. Beim Prozess vor dem Amtsgericht, wo sich der 43-jährige Mike M.-H. mit seiner Noch-Ehefrau wegen Erpressung verantworten sollte, tauchte nur die Gattin auf. Mike M.-H., der vor einigen Monaten einen Herzinfarkt erlitten hatte, jetzt aber laut Amtsarzt wieder verhandlungsfähig ist, blieb unentschuldigt fern. Die Richterin erließ Haftbefehl, setzte das Verfahren aus. Wann ein neuer Termin anberaumt wird, ist offen.

„Ich bin absolut enttäuscht“, sagt Halina L., die als Zeugin geladen war. Für die aparte Frau ist das Wegbleiben des Angeklagten „der Beweis, dass er das Gericht missachtet“. So wie er es mit ihren Gefühlen offenbar schon lange tat. Laut Ermittlungen spiegelte Mike M.-H. der Hamburgerin über Monate auf Facebook vor, ein von seiner Ehefrau getrennt lebender Millionenerbe mit Wohnsitz auf Mallorca zu sein, der sich in sie verliebt habe. Als sie seiner wiederholten Aufforderung, ihm intime Fotos zu schicken, nachkam, habe er plötzlich gedroht, ihre „Liebesbeziehung“ dem Lebensgefährten der Frau zu offenbaren und ihm die Bilder weiterzuleiten, falls sie nicht 45.000 Euro zahle. Als auch dessen Ehefrau auf Halina L. Druck ausgeübt habe, überwies sie das Geld, so die Anklage.

„Mickey Macher“ drohte der Frau sogar, ihrem kleinen Sohn zu schaden

Auf Facebook habe der Mann sich „Mickey Macher“ genannt, erzählt Halina L. vor dem Gerichtssaal. „Er schenkte mir erst Liebe, und ich habe es genossen“, sagt sie. Immer wieder habe er Nacktfotos verlangt. „Erst wollte ich nicht, aber dann tat ich es doch.“ Wenig später habe er gesagt, sie könne sein „Schweigen erkaufen. Du hast so viel zu verlieren“. Er habe auch gedroht, dass er ihrem kleinen Sohn Schaden zufügen könne. „Da habe ich die 45.000 Euro bezahlt, wollte so die Sicherheit meines Kindes gewährleisten“, erzählt Halina L. Eine Woche später erstattete sie Anzeige – und wartet seitdem auf den Prozess. Ihr Profil auf Facebook hat sie deaktiviert.