Hamburg

Öffnen die Bordelle auf St. Pauli im September wieder?

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Hamburg: Sollen die Bordelle wieder öffnen? Sexarbeiterinnen demonstrieren gegen das coronabedingte Prostitutionsverbot.

Hamburg: Sollen die Bordelle wieder öffnen? Sexarbeiterinnen demonstrieren gegen das coronabedingte Prostitutionsverbot.

Foto: Angela Scheefeld

Hamburger Sexarbeiterinnen und Gastronomen protestieren auf St. Pauli. Ein Politiker macht ihnen Hoffnung.

Hamburg. Dürfen Prostituierte in rund einem Monat wieder arbeiten? Falko Droßmann (SPD), Leiter des Bezirksamts Hamburg-Mitte, macht ihnen jedenfalls Hoffnung. Der SPD-Politiker sagte am Dienstagabend bei einer Protestaktion auf der Herbertstraße: „Wenn wir es in den nächsten Wochen schaffen, uns auf St. Pauli vernünftig zu verhalten, wollen wir in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein Prostitution zum 1. September wieder erlauben.“

Das hänge von den Infektionszahlen „und unserem Verhalten am Wochenende ab – gerade auf St. Pauli“. Auf der Herbertstraße hatten sich um 22 Uhr rund 80 Prostituierte und etwa ebenso viele Unterstützer versammelt, die zur Davidwache und wieder zurück marschierten.

Prostitutionsverbot: Elbschlosskeller zeigt sich solidarisch

Droßmann sagt, er habe sich schon früh den Forderungen der Prostituierten angeschlossen. Und weiter: „Hier arbeiten verantwortungsvolle Frauen, die Steuern zahlen.“ Zu den Unterstützern zählten auch mehrere Gastronomiebetriebe, darunter der Elbschlosskeller. Die Wirte wollten sich solidarisch mit den Prostituierten zeigen und sich für die Vielfalt auf dem Kiez einsetzen, von der auch die Kneipen profitieren.

Daniel Schmidt leitet den Elbschlosskeller und vertritt die Meinung, dass der Kiez unter dem coronabedingten Prostitutionsverbot leidet. "Wenn die Mädels nicht arbeiten dürfen, können alle anderen auch nicht richtig arbeiten. Fällt ein Berufszweig weg, brechen alle anderen weg." Ihm zufolge spüre der Elbschlosskeller die Auswirkungen des Verbots, dabei ist die Kiezkneipe erst seit vergangenem Donnerstag wieder geöffnet – mit neuem Hygienekonzept und kleinen Umbauten in der Bar.

Elbschlosskeller wieder geöffnet – mit Hygienekonzept

Eine Metallkette hängt vor der offenen Tür, Zutritt ist nur auf Zuruf gestattet und der Kellner nimmt nun die Bestellungen am Tisch auf. Wer die Kneipe betritt, soll Abstand halten, sich die Hände desinfizieren und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Jeder muss seine Kontaktdaten auf einen Zettel schreiben und in die „Box des Vertrauens“ werfen. „Wer sich schon am Anfang renitent zeigt, kommt nicht rein“, sagt Betriebsleiterin Susanna Horn (51), die auch die Kiezkneipen Meuterei und Zum Motherfukker betreut.

In der Theorie steht das Hygienekonzept, doch die Praxis ist müßig. Horn sagt: „Im Elbschlosskeller sabbeln wir uns zu Tode. Es ist ein unglaublicher Aufwand, den Leuten die Regeln begreifbar zu machen.“ Deshalb achte das Personal auf einen „angemessenen Alkoholkonsum“ der Kneipenbesucher.

In anderen Kneipen habe das Gesamtkonzept gewirkt. Gäste der Meuterei sollen es ohne Probleme angenommen haben. Schwieriger war es in der Kneipe Zum Motherfukker. Dort sollen Gäste das deutschlandweite Tanzverbot missachtet haben. „Kurz darauf war die Musik aus“, sagt Horn.

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Damoklesschwert schwebt über Etablissements auf dem Kiez

Die Betriebsleiterin ist sich sicher, dass im Elbschlosskeller die Corona-Regeln bislang eingehalten wurden. Trotzdem schwingt das Damoklesschwert über der Kneipe und den anderen Etablissements auf dem Kiez: Das beste Hygienekonzept bringt nichts, wenn sich Feiernde nicht an die Regeln halten.

Setzt sich der Verstoßtrend der letzten Wochenenden fort, drohen erneute Maßnahmen seitens der Behörden – bis hin zur Schließung der Etablissements. Dann dürften auch die Prostituierten nicht auf die Bordellöffnung im September hoffen.