Hamburg-Hamm

Rettet das Hammer Freibad – Offener Brief an Senator Kerstan

Das Freibad Aschberg in Hamm soll abgerissen werden

Das Freibad Aschberg in Hamm soll abgerissen werden

Foto: Maik Cabrera Ferling / Cabrera Ferling

Eine Bürgerinitiative macht mobil gegen den schnellen Umbau des Stadtteils ohne Bürgerbeteiligung und ohne neues Baurecht.

Hamburg.  In Hamm gärt es. Die Bürgerinitiative „Rettet das Freibad Aschberg“ hat sich in einem offenen Brief an Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) gewandt. Sie befürchtet, dass das üppig dimensionierte Freibad Aschberg mit seinen Liegewiesen im Zuge der großen Neuordnung im Stadtteil schon nach der laufenden Badesaison abgerissen werden wird. „Voreilig und ohne die Öffentlichkeit an den Neuplanungen beteiligt zu haben“, schreibt die Initiative.

Kerstan als oberster Dienstherr der städtischen Bäderland GmbH solle auf sie "einwirken" und den drohenden Abriss verhindern.

Großer Ringtausch in Hamm

Im Hintergrund der Neuordnung in Hamm stehen das Wohnungsbauprojekt „Osterbrookhöfe“ und der Umzug bzw. Neubau von Kleingärten und Sportplätzen. Auf dem Gelände des heutigen Freibads Aschberg soll der „Sportpark Aschberg“ mit zwei wettbewerbstauglichen Kunstrasenplätzen, Sporthallen, Umkleiden und Funktionsflächen für den SC Hamm von 1902 entstehen. Bäderland soll dafür Flächen abgeben und auf kleinerem Grundstück ein ganzjährig zu betreibendes „Quartiersbad“ bauen. Das alles ist Teil eines größeren Ganzen, das in den Bebauungsplan „Hamm 3“ gegossen wird.

Das Problem, das die Initiative damit hat: Das Bebauungsplanverfahren ist gerade erst angestoßen worden. Es gibt also noch gar keine Grundlage für die Genehmigung irgendwelcher Neubauten. „Wenn jetzt abgerissen werden soll, ohne dass klar ist, was stattdessen entstehen soll und darf, ist das nicht hinnehmbar“, sagt Maik Cabrera Ferling von der Initiative. Es dürften keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden. Das Bebauungsplanverfahren sei noch nicht einmal angelaufen. „Es sieht aber öffentliche Beteiligungen und Möglichkeiten für Einwände vor. Diesen Verfahrensschritten vorzugreifen ist höchst zweifelhaft.“

Die Sportplätze können auch ohne neues Baurecht gebaut werden

Im Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan, mit dem das Verfahren eingeleitet wird, steht, dass der Abriss des Freibads und der Umzug der Kleingärten Voraussetzung sei für den Wohnungsbau. Die Bauanträge für die Kunstrasenplätze seien bereits eingereicht. Sie wären also ohne einen fertigen Bebauungsplan Hamm 3 genehmigungsfähig und umsetzbar. Der Neubau der Sportplätze auf dem heutigen Freibad-Gelände sei „der erste Schritt“, heißt es im Aufstellungsbeschluss.

In einer Online-Petition hat die Initiative 4200 Unterschriften gegen den Abriss des Freibads gesammelt. Sie moniert auch, dass noch gar nicht klar ist, wie groß das von Bäderland zu bauende Quartiersbad werden soll und ob es, wie das alte Freibad, die soziale Funktion als Urlaubsort für Einkommensschwache wahrnehmen könne. Cabrera Ferling wies darauf hin, das Hammer Freibad Aschberg genauso wie das zur Schließung frei gegebene Rahlstedter Freibad Wiesenredder direkt an ein Fördergebiet der sozialen Stadt angrenze.

Gibt es Kompromissmöglichkeiten?

Die Initiative möchte eine Alternativ-Planung sehen, in der das Freibad erhalten wird, um für die Bürger eine Entscheidungsgrundlage zu haben. Auch gehe es darum, Kompromisse zu suchen. Laut Cabrera Ferling wird das "Quartiersbad" ersten Plänen zufolge keine große Spaß- und Freizeiteinrichtung, sondern ein eher kleines Übungsbecken mit einem irreführenden Namen.

Das zuständige Bezirksamt Mitte äußerte sich auf Nachfrage nicht zu den Befürchtungen der Initiative. Die Bäderland GmbH verwies auf das Bezirksamt und ließ die Frage, ob die Saison 2019 die letzte des Hammer Freibads war, unbeantwortet. Die Umweltbehörde stellte aber auf Nachfrage klar: "Es wird kein Teilprojekt umgesetzt, bevor nicht die Gesamtplanung verabschiedet ist."