Milliardenprojekt

Wohnungen, Geschäfte, Hotels – was in der HafenCity entsteht

Ein Blick in das neue Einkaufsquartier in der HafenCity. Geschäfte, Gastronomie und Entertainment sollen auf die Flächen am Überseequartier ziehen.

Ein Blick in das neue Einkaufsquartier in der HafenCity. Geschäfte, Gastronomie und Entertainment sollen auf die Flächen am Überseequartier ziehen.

Foto: HH Vision

Das „Westfield Hamburg-Überseequartier“ soll auch Platz für ein Kreuzfahrtterminal, Büros und ein Kino bieten. Die Details.

Hamburg. Einkaufen, Entertainment, Gastronomie, Wohnen und Arbeiten. All das soll im südlichen Überseequartier miteinander verbunden werden. Am Mittwoch war die Grundsteinlegung für das aktuell größte Bauvorhaben in Hamburg. Das französische Immobilienunternehmen Unibail-Rodamco-Westfield investiert mehr als eine Milliarde Euro an dem Standort.

Die Fertigstellung ist für Ende 2022 geplant: „Es entsteht hier das Herz der HafenCity“, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) anlässlich der Zeremonie mit rund 200 geladenen Gästen. Unibail-Vorstandschef Christophe Cuvillier kündigte an: „Mit diesem neuen Projekt entwickeln wir ein zukunftsorientiertes nachhaltiges Quartier und schaffen einen lebendigen Ort inmitten dieser dynamischen Stadt.“

Jetzt wurde auch der offizielle Name bekannt gegeben: Westfield Hamburg-Überseequartier. Dieses Projekt werde von der Stärke der international bekannten Marke Westfield profitieren, sagte Cuvillier. Die ist zum Beispiel auch in der amerikanischen Metropole New York mit einem Shoppingcenter vertreten.

Kreuzfahrtterminal und drei Hotels sind geplant

14 Gebäude sind im südlichen Überseequartier geplant. Es sollen auf drei Ebenen Flächen für rund 200 Geschäfte entstehen. Außerdem mehr als 40 Restaurants und Bars, ein Kino mit zehn Sälen und Entertainmentangebote. 650 Wohnungen und 48.000 Quadratmeter Bürofläche für rund 4000 Arbeitnehmer sind geplant. Auch ein neues Kreuzfahrtterminal sowie drei Hotels mit insgesamt 830 Zimmern sind vorgesehen, den Zuschlag soll der französische Accor-Konzern erhalten haben, der Marken wie Sofitel, Novotel, Ibis und Pullmann in seinem Portfolio hat.

Mit großer Spannung erwartet auch der Einzelhandel in der Innenstadt, der mit dem neuen Einkaufsquartier einen Konkurrenten bekommt, welche Marken im südlichen Überseequartier vertreten sein werden. Aber zu möglichen Mietern sagten die Verantwortlichen von Unibail am Mittwoch kein Wort. Nach Abendblatt-Informationen sollen demnächst erste Mietverträge beziehungsweise Vereinbarungen unterzeichnet werden. Offiziell ließ Unibail verlauten, es solle Anfang 2020 dazu kommuniziert werden. Das Ziel von Unibail ist es, vor allem lokale, nationale und internationale Marken zu präsentieren.

Das Abendblatt hatte bereits berichtet, dass die Luxuskaufhauskette Breuninger­, die bislang vor allem an Standorten in Süddeutschland vertreten ist, ein möglicher Ankermieter sein könnte. Auch die französische Nobel­warenhauskette Galeries Lafayette mit dem berühmten Stammhaus in Paris und mit einem Ableger in Berlin an der Friedrichstraße wird in Branchenkreisen genannt. Dem Vernehmen nach hat auch die angesagte englische Kaufhauskette John Lewis&Partners Interesse, in das südliche Überseequartier zu ziehen und hier den ersten Standort in Deutschland zu eröffnen.

Eine Million Tonnen Erde ausgehoben

Unterdessen wurden die Tiefbauarbeiten auf dem rund 67.000 Quadratmeter großen Grundstück weitgehend abgeschlossen. Bislang wurde rund eine Million Tonnen Erde ausgehoben. Davon seien rund 200.000 Tonnen Erde per Schiff abtransportiert worden.

Aktuell seien rund 250 Bauarbeiter sowie 210 Ingenieure und Designer an dem Projekt beteiligt, sagte Unibail-Deutschlandchef Andreas Hohlmann. Vier Kräne sind bereits im Einsatz, bis zu 24 sollen es werden. In der Phase kurz vor der Fertigstellung des Quartiers sollen es rund 5000 Personen sein, die auf der Baustelle arbeiten. Bereits im August 2019 wird die stationäre Betonmischanlage in Betrieb genommen, die eigens für das Projekt gebaut wird.

Gegner befürchten Lärm durch Tiefgarage

Während Bürgermeister Tschentscher das Projekt begrüßt, den „leistungsfähigen Investor“ lobt und betont, dass dieses Projekt Hand in Hand mit der Stadt umgesetzt werde, gibt es auch Gegner. Die beschäftigen die Gerichte. „Ein erst am Dienstag beim Verwaltungsgericht Hamburg eingegangenes neues Eilverfahren betrifft den Bau der Tiefgarage und die von den Antrag­stellern dieses Verfahrens befürchtete Lärmbelästigung wegen der Tiefgarage“, sagte Gerichtssprecher Max Plog auf Abendblatt-Anfrage.

Außerdem „ist ein Normenkontrollverfahren anhängig, das auf die Überprüfung des Bebauungsplans HafenCity 15 (südliches Überseequartier) gerichtet ist, der auch den Bau eines Einkaufszen­trums einschließt. Die Antragsteller rügen insoweit unter anderem die zu erwartenden Lärmemissionen der geplanten Nutzung, insbesondere Beeinträchtigungen aufgrund des zunehmenden Verkehrslärms“, sagte Plog.

Da die Projektentwickler von bis zu 13 Millionen Besuchern pro Jahr ausgehen, dürfte es zu deutlich mehr Autoverkehr kommen. In dem Quartier entstehen 2500 neue Parkplätze.