Hamburg

Bauboom: Wie viele Hotels verträgt die Stadt?

Das Fraser Suites Hotel eröffnet im Frühjahr hinter den historischen Mauern der Oberfinanzdirektion am Rödingsmarkt.

Das Fraser Suites Hotel eröffnet im Frühjahr hinter den historischen Mauern der Oberfinanzdirektion am Rödingsmarkt.

Foto: Marcelo Hernandez

2019 entstehen mehr als 2000 neue Zimmer. Ihre Zahl wächst schneller als die der Touristen. Dehoga warnt vor hartem Konkurrenzkampf.

Hamburg.  Der Tourismus in Hamburg boomt. Im vergangenen Jahr ist nach Abendblatt-Informationen die 14-Millionen-Marke bei den Übernachtungen geknackt worden. Das Wachstum soll bei etwa fünf Prozent liegen. Allein von Januar bis Ende November konnten mehr als 13,4 Millionen Übernachtungen verzeichnet werden. Und die Branche wächst rasant: 2018 kamen laut Hamburg Tourismus GmbH (HHT) rund 1500 neue Hotelzimmer auf den Markt. In diesem Jahr sollen noch einmal mindestens zehn neue Hotels mit mehr als 2000 Zimmern eröffnen.

Doch der Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) Hamburg ist in großer Sorge, ob diese Entwicklung auch in Zukunft weiter trägt. „Wir benötigen klare Strukturen für die weitere Entwicklung des Hamburger Hotelmarkts“, fordert Dehoga-Präsident Franz Klein. „Und das ist vor allem die Aufgabe der Stadt. Das heißt, es muss analysiert werden, an welchen Standorten überhaupt noch Bedarf für neue Hotels besteht.“ Es sei nicht förderlich, wenn wie in Hammerbrook an jeder Ecke Kettenhotels im Zwei- bis Vier-Sterne-Bereich entstehen, so Klein zum Abendblatt.

Auslastung im Januar ist in vielen Hotels zurückgegangen

„Wir befinden uns in einer Trendwende. In den letzten 15 Jahren ist die Zahl der verfügbaren Hotelzimmer und die Nachfrage nach Übernachtungen gleichmäßig gestiegen. Doch das hat sich jetzt geändert“, sagt Klein. „Aufgrund der rasanten Entwicklung steigen die Übernachtungskapazitäten inzwischen weitaus schneller als die der Gäste.“ Das sei eine besorgniserregende Entwicklung. Die Stimmung in der Branche ist gedämpft: „Wir haben von vielen Hoteliers gehört, dass sie jetzt im Januar deutlich weniger Belegung als im vergangenen Jahr im selben Zeitraum hatten. Und es wird sicherlich nicht besser werden, wenn die Zahl der Neueröffnungen in diesem Tempo weitergeht“, sagte Dehoga-Landesgeschäftsführerin Ulrike von Albedyll.

Kritische Töne schlägt auch Unternehmer Eugen Block an, dem das Luxushotel Grand Elysée an der Rothenbaumchaussee gehört: „Wir müssen bedachter Hotels bauen. Wenn Nachfrage und Angebot nicht mehr im Einklang sind, wird sich das über lang – die Frage ist, wie lang – bereinigen. Die Hansestadt verfügt laut Hamburg Tourismus derzeit über etwa 31.770 Hotelzimmer. Im Jahr 2014 waren es noch rund 26.000. Eine Bedarfsanalyse der Stadt ging damals davon aus, dass bis zum Jahr 2025 rund 18.000 weitere Zimmer benötigt würden. Daran hält HHT-Chef Michael Otremba auch weiterhin fest: „Die positiven Vorzeichen lassen darauf schließen, dass dieser Bedarf besteht und wir gleichzeitig aber auch die hohe Auslastung von etwa 80 Prozent für die Hotels halten können. Dehoga-Chefin von Albedyll, Interessenvertreterin der Hotellerie, sagt hingegen: „Es wird einen harten Konkurrenzkampf geben, und das wirkt sich natürlich negativ auf die Raten sowie auf die Belegung aus. Wir laufen Gefahr, dass die Zimmer verramscht werden.“ Schon jetzt kann Hamburg zu Schnäppchenpreisen auf Buchungsportalen im Internet gebucht werden. Eine Recherche hat ergeben, dass zum Beispiel von diesem Sonnabend auf Sonntag im Arcotel Rubin (St. Georg) ein Doppelzimmer für 71 Euro zu haben ist. Das Lindner Park-Hotel Hagenbeck nimmt 87 Euro. Beide Häuser sind in der Vier-Sterne-Kategorie angesiedelt.

Mehr zahlungskräftige ausländische Gäste nötig

Branchenexpertin von Albedyll führt an, dass die Raten in anderen Me­tropolen wie Düsseldorf, Frankfurt oder München deutlich höher seien. „Wir brauchen mehr zahlungskräftige ausländische Gäste, das würde sich auch positiv auf die Raten auswirken“, sagt Klein. In anderen deutschen Metropolen liege der Anteil ausländischer Gäste bei bis zu 50 Prozent. In Hamburg sind es nur rund 25 Prozent im Jahr 2018 gewesen.

„Es kann doch nicht sein, dass bei jedem größeren Bauvorhaben wie zum Beispiel im neuen Bahnhof Diebsteich ein Hotel eingeplant wird – beim südlichen Überseequartier sind es sogar drei“, kritisiert Klein. „Die brauchen wir in dem Umfang nicht, denn irgendwoher müssen ja auch die Gäste kommen.“

Die Zukunft des Hotelstandorts Hamburg stand am Freitag auch beim politischen Neujahrstreffen des Projektentwicklers ECE im Holiday Inn in der HafenCity im Mittelpunkt. Das 268-Zimmer-Haus wurde im Dezember eröffnet und von der ECE realisiert. „Geht das Wachstum weiter?“ Diese Frage stellten sich auch die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion.

Bedarf für neue Hotelkonzepte

Die Runde hatte eine völlig andere Einschätzung als der Dehoga. So sieht HHT-Chef Otremba Bedarf für „neue Hotelkonzepte als Beschleuniger für Stadtentwicklungsprozesse und wichtigen Bestandteil eines urbanen Stadterlebnisses“. Es sei die gemeinsame Aufgabe der Tourismuswirtschaft, die Potenziale zum Wohle der Stadt zu heben. Diese Meinung vertritt auch Martin Stegner, Vorstandsmitglied des Hamburger Hotelbetreibers Novum Hospitality. Das Unternehmen betreibt aktuell 172 Häuser in Europa, davon 17 in Hamburg. Stegner sagte: „Wir planen in den kommenden Jahren 13 weitere Hotels in Hamburg und sehen vor allen Dingen auch in Stadtteilen außerhalb des Bezirks Mitte noch ein großes Potenzial.“ Spektakulär ist der Plan für ein „Hotel der Zukunft“ in der HafenCity, das Novum gemeinsam mit DS-Baukonzept in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut plant.

Auch zu Gast bei der ECE-Veranstaltung war Michael Westhagemann (parteilos). Der Wirtschaftssenator sagte dem Abendblatt: „Das quantitative Hotelwachstum hilft, die Chancen des Tourismus für mehr Wachstum, Beschäftigung und Lebensqualität zu nutzen.“ Wichtig sei dabei, dass sich die neuen Hotels in die Nachbarschaft einpassten und sie bereicherten – und sie auch mehr als bisher in Stadtteilen außerhalb der Innenstadt entstünden.