St. Pauli

Condomerie auf dem Kiez schließt – nach 30 Jahren

Fred Hesse in seiner Condomerie am Spielbudenplatz

Fred Hesse in seiner Condomerie am Spielbudenplatz

Foto: Klaus Bodig / HA

"Von Kondomen kann man nicht mehr leben", sagt Fred Hesse, der seinen Laden am Spielbudenplatz bald letztmals öffnet.

Hamburg.  Den Schriftzug über seinem Laden hat Fred Hesse bereits abmontiert. Bis Sonnabend läuft der Verkauf noch, aber bereits am Montag ist Schlüsselübergabe. Fast 30 Jahre lang hat Hesse die Condomerie am Spielbudenplatz betrieben, aber bis zum runden Jubiläum am 11. November wollte er doch nicht mehr warten, sagt der 72-Jährige, der in zwei Wochen seinen 73. Geburtstag feiert. „Irgendwann wird man ein bisschen müde.“

Ganz früher, da sei er zur See gefahren, sagt das St.-Pauli-Urgestein. Bis er in Argentinien eine Kugel in den Rücken gekriegt habe. „Mit dem Alter wird man vernünftiger“, sagt Hesse, aber als junger Mann, da habe man keine Angst.

„Von Kondomen kann man nicht mehr leben“

Danach war Schluss mit der Seefahrt. Hesse fing mit einem kleinen Kiosk im Kino an, gründete mehrere Läden und handelte bereits mit erotischen Artikeln und Magazinen. Als er die Condomerie gründete, sei das Sortiment seines nur 17 Quadratmeter großen Geschäfts noch sehr auf erotische Hilfsmittel, wie er sie nennt, konzentriert gewesen. Heute findet man diese erst auf den zweiten Blick zwischen allerlei Textilien mit St.-Pauli-Aufdruck, Fahnen, Mützen und Stofftieren.

„Von Kondomen kann man nicht mehr leben“, sagt der Ladeninhaber mit den blitzblauen Augen. Dafür hat er einst sogar eine Prüfung in der Handelskammer ablegen müssen, in der er die Fachkenntnis für frei verkäufliche Arzneimittel“ nachweisen musste, denn dazu zählen Kondome, weil sie Krankheiten verhindern sollen. Beim ersten Mal sei er durchgefallen, erzählt der Herr über 200 unterschiedliche Kondomarten freimütig.

Inzwischen kauften die Leute erotische Hilfsmittel aber vor allem im Internet, und Kondome gebe es in jedem Kaufhaus. Mit Souvenirs dagegen lasse sich noch Geld verdienen.

30 Prozent Rabatt in den letzten Condomerie-Tagen

Auch der Kiez habe sich verändert, sagt der 72-Jährige. Ob zum Guten oder zum Schlechte, das wolle er gar nicht bewerten. „Schön ist, dass auch der Hamburger wieder auf den Kiez geht“, findet er und Corny Littmann habe viel bewirkt. Zur Tatsache, dass sich immer mehr Kioske breitmachen, die den angestammten Clubs Konkurrenz machen, sagt Hesse: „Man bezahlt dort nur den halben Preis. Selbst Büroarbeiter mit Schlips und Anzug holen sich das Bier am Kiosk. Die Scheu, sich mit einem Bier in der Hand auf der Straße sehen zu lassen, ist weg.“

Genoppt, gerippt, farbig oder in Übergröße – was jetzt noch da ist, wird an den letzten Tagen 30 Prozent billiger verkauft. Seine eigene Marke Happy Gummi, bei der das Kondom als Schiff, Leuchtturm oder Totenkopf daherkommt oder auch als Weihnachtsmann, wird es weiter geben.

Hesse hat einen Nachfolger gefunden

Denn Fred Hesse hat einen Nachfolger gefunden, der das Geschäft unter dem angestammten Namen Condomerie weiterführen wird. „Mir ging es darum, dass der Name erhalten bleibt“, sagt Hesse. Und auch die Saga, der das Haus gehört, habe ihn immer unterstützt und sich gegen einen Gastronomiebetrieb ausgesprochen. Sein Nachfolger übernehme auch den Internetshop.

Hesse wird in den nächsten beiden Tagen jeweils von 12 bis 24 Uhr im Geschäft stehen, danach will er kleine Fahrten mit seinem Motorboot machen und sich mit seiner Marina, mit der er seit 35 Jahren verheiratet ist, Deutschland angucken. „Wir hatten ja immer keine Zeit.“ Die, die ihm noch bleibt, will er auskosten.