Harburg
Abverkauf

Harburgs Traditions-Galerie Lehmann gibt auf

Aufgrund der Schließung gibt es Rabatt auf alle gerahmten Gemälde, Grafiken und Kunstdrucke

Aufgrund der Schließung gibt es Rabatt auf alle gerahmten Gemälde, Grafiken und Kunstdrucke

Foto: Hanna Kastendieck

Das Harburger Traditionsgeschäft schließt nach 35 Jahren für immer seine Türen. Bis Mitte Juni läuft der Abverkauf.

Harburg.  Sie hatten es noch einmal mit aller Kraft versucht: neu durchzustarten, an anderem Standort, mit orangefarbener Leuchtschrift, großen Schaufensterflächen und 160 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Das war 2013, als Monika, Heinz-Michael und Alexander Lehmann ihr Ladengeschäft aus Kostengründen vom Harburger Ring verlegten.

Doch der Versuch ist gescheitert, die Kunden blieben aus. Jetzt ist endgültig Schluss. Die Galerie Lehmann, eines der Traditionsgeschäfte in der Harburger Innenstadt, wird zum 30. Juni schließen. Bis Mitte des Monats läuft der Abverkauf mit extrem verbilligten Angeboten. Dann wird das Ladenmobilar abgebaut.

„Wir bedauern diesen Schritt sehr“, sagt Galerist Alexander Lehmann. „Aber es macht keinen Sinn mehr. Seit drei Jahren läuft das Geschäft nicht mehr kostendeckend. Jetzt müssen wir einen Schlussstrich ziehen.“ Lehmann macht vor allem das veränderte Kaufverhalten sowie den Kulturwandel im Quartier für die Entwicklung verantwortlich. „Die meisten Menschen kaufen Grafiken und Kunstdrucke heute über das Internet“, sagt der 53-Jährige.

Kaum noch einer besuche ein Ladengeschäft. Hinzu komme, dass sich das Umfeld in Harburg verändert habe. „Immer mehr hochwertige Geschäfte haben in den vergangenen Jahren aufgegeben“, so Lehmann. „Folglich gibt es auch keine Laufkundschaft mehr für unser Angebot.“

Bis zuletzt hat Alexander Lehmann, der seit 2001 in der Galerie tätig ist, versucht, das Ruder doch noch rumzureißen. „Ich habe Malkurse angeboten, zu Ausstellungen eingeladen, Preise gesenkt, doch all das hat nicht geholfen“, sagt er. Die Nachfrage sei einfach nicht da gewesen. „Die Menschen geben weniger Geld für Kunst aus“, sagt Heinz-Michael Lehmann, der die Galerie 1983 mit Ehefrau Monika am Lüneburger Tor gegründet hatte.

Es habe Zeiten gegeben, da seien 500 Gäste zu den Ausstellungen zeitgenössischer Künstler in die Galerie gekommen. Es waren gute Jahre. Jahre, in denen die Galerie, die mehr als 50 Künstler im Bestand hat, nicht nur viele Originale verkauft, sondern anschließend auch gerahmt hat. „Bei Bilderrahmen von hoher Qualität waren wir nicht teurer als die Baumärkte“, sagt Alexander Lehmann.

Eine der bedeutendsten Künstlerinnen wusste das Handwerk der Galerie Lehmann zu schätzen: die Rönneburger Malerin Hanne Darboven (1941-2009) ließ ihre Kunst dort rahmen und war damit die größte Kundin für diese Dienstleistung. „Jede Woche hat sie auf der Matte gestanden“, erinnert sich Heinz-Michael Lehmann.

Auch ihre privaten Sachen wie der Jahreskalender der Künstlerin wurden von Lehmann gerahmt. „Heute macht das eigentliche Kerngeschäft eines Galeristen, nämlich Künstler zu besuchen, Bilder auszuwählen und für die Kunden zu präsentieren, keinen Spaß mehr, weil sich der Künstler nicht verkauft“, sagt Alexander Lehmann. „Umsatz konnten wir nur noch mit der Rahmung machen.“

Doch auch damit ist jetzt Schluss. Sehr zum Bedauern der Kunden. „Ich habe bei Lehmanns viele meiner Bilder gekauft“, sagt Kundin Christa Stelck. Sie ist aus Hittfeld nach Harburg gefahren, um die Gemälde jetzt ein letztes Mal in der Galerie neu rahmen zu lassen, bevor diese schließt. „Früher war ich häufig zum Einkaufen in der Harburger Innenstadt“, sagt sie. „Aber heute gibt es hier keine schönen Läden mehr.“

Mit der Galerie Lehmann schließt ein weiteres Traditionsgeschäft im Zentrum der Stadt. Erst im November vergangenen Jahres musste das Fahrradgeschäft Eickhoff an der Wilstorfer Straße nach 109 Jahren aufgeben. Auch hier spielte das veränderte Kaufverhalten der Kunden eine wesentliche Rolle. Sobottka, Alster-Photo, Feuerhahn, Sander, Morgener - alles Vergangenheit.

„Die meisten Veränderungen hat es in der Lüneburger Straße gegeben“, sagt Citymanagerin Melanie-Gitte Lansmann. Zwar sei die Frequentierung der Fußgängerzone nach wie vor hoch, aber das Angebot und die Zielgruppe hätten sich verändert. „Leider haben wir hier nur wenig Gestaltungsmöglichkeiten“, sagt Melanie Gitte-Lansmann. Letztendlich geht es den Eigentümern vor allem darum, die Ladenflächen zu vermieten.“ Anders als in der „Lü“ sehe es in der Höhlertwiete und rund um den Sand aus. „Dort gibt es einen gesunden Mix aus inhabergeführten Geschäften, Filialisten und Marktbeschickern.“

Für Galerist Alexander Lehmann wird nun eine völlig neue Epoche anbrechen. Der gelernte Erzieher ist derzeit auf Jobsuche, hofft, eine Anstellung in einer kunstorientierten Kita zu finden. Doch bis dahin hat er noch viel zu tun. Denn jetzt, da es im Rahmen des Abverkaufs Rabatte von 50 Prozent und mehr auf den Verkaufspreis von Gemälden, Grafiken und Kunstdrucken gibt, geben sich die Kunden die Klinke in die Hand.

Abverkauf

Die Galerie Lehmann verkauft unter anderem Gemälde des Impressionisten Albert Feser, des Marinemalers Michael Zabel und der Hamburger Künstlerin Petra Jacobsen zu Sonderpreisen.

Im Angebot sind im Schlussverkauf auch Originallithografien von Horst Janssen, Farblithographien von Susanne Hartmann sowie Grafiken von Jürgen Görg.

Im Schlussverkauf gibt es in den Räumen am Deichhausweg 11 alle gerahmten Gemälde, Grafiken und Kunstdrucke mit 50 % oder mehr Rabatt sowie ungerahmte Grafiken zum halben Preis. Weitere Infos: www.galerielehmann.de