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Bagger zerstört XXL-Hakenkreuz in Billstedt

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Im Video: Bagger zerstört XXL-Hakenkreuz in Billstedt

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Nach dem Fund im Hein-Klink-Stadion schafft der Bezirk nun Fakten. Sportplatz drohte zur Pilgerstätte für Neonazis zu werden.

Hamburg. Der Bezirk Hamburg-Mitte schafft Tatsachen: Fünf Tage nach dem Fund hat ein Bagger das Hakenkreuz im Hein-Klink-Stadion am Freitagmittag zerstört. Nachdem der Bagger das Nazi-Relikt angehoben hatte, zerbrach es bereits in mehrere Teile. Anschließend baute der Baggerfahrer einen Hydraulikhammer an seine Maschine, um die acht großen Bruchstücke aus Stahlbeton zu zerschlagen. Am Ende blieb nur ein Trümmerhaufen übrig.

Zuvor hatten am Vormittag Mitarbeiter des Denkmalschutzamtes die fotografische Dokumentation und Vermessung des Hakenkreuzes abgeschlossen. Die Unterlagen sollen nun archiviert werden. Anschließend untersuchte ein Kampfmittel-Experte die Umgebung auf mögliche Blindgänger im Boden. "So etwas habe ich auch noch nie gesehen", sagte Carsten Kny von der Hanseatischen Kampfmittel Bergung (HKB GmbH) dem Abendblatt.

Wie berichtet, war das Hakenkreuz Anfang der Woche bei Bauarbeiten entdeckt worden. Ein Bagger hatte im Hein-Klink-Stadion ein Fundament für neue Umkleidekabinen ausgehoben, als er auf das Hakenkreuz stieß.

Sportplatz drohte zur Nazi-Pilgerstätte zu werden

Das Gelände ist seit Tagen abgeriegelt, der Sportbetrieb wurde eingestellt. Offenbar befürchtete man, dass Neonazis vor dem Relikt posieren und der Sportplatz so zu einer Art Pilgerstätte für Rechtsradikale werden könnte. Beim Bezirksamt hatte man es daher besonders eilig, das Hakenkreuz entfernen zu lassen. "In den vergangenen Tagen sind bereits einige rechte Spinner in entsprechender Aufmachung aufgetaucht, die vor dem Hakenkreuz posieren wollten", sagte Arne Witt, Leiter der Fußballabteilung. Daher habe man allen Unbefugten den Zutritt zum Gelände untersagt.

Auf Facebook forderte der Verein: "Die Reste des Faschismus, sei es als Beton im Boden oder als Beton in manchen Köpfen, gehören zerstört. Alle Ewiggestrigen sollen sich vom Acker machen."

Bei der Sportvereinigung Billstedt/Horn von 1891 ist man offensichtlich froh, wenn nun endlich wieder Ruhe einkehrt. Die Heimspiele am kommenden Wochenende fallen zwar aus. Dennoch soll der normale Betrieb ab Montag wieder aufgenommen werden. "Alles andere wäre absurd", so Arne Witt. Nach seiner Auffassung, habe es keine Gründe gegeben, dass Hakenkreuz zu erhalten.

CDU-Politiker stellt Anfrage an den Senat

Laut Verein soll an der Fundstelle früher eine steinerne Säule gestanden haben, die offenbar 1934 errichtet wurde. Auf alten Bildern ist eine viereckige etwa fünf Meter hohe Stele zu sehen, die auf einem hakenkreuzförmigen Sockel fusst. Auf einer Seite prangt ein nackter Krieger, der einen Speer in der Hand hält. Die Kulturbehörde geht davon aus, dass die Stele aufgrund ihrer Symbolik dem Reichsarbeitsdienst gewidmet war.

Nach Angaben des Vereins wurde der hakenkreuzförmige Sockel nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem einfachen Kreuz, indem man die Enden jeweils abschlug. Die Säule selbst wurde erst in den 70er-Jahren abgerissen, das Fundament zugeschüttet. Offenbar war jedoch niemandem bekannt, was sich noch darunter verbarg.

Der CDU-Mann und Bürgerschaftsabgeordnete David Erkalp hatte zuletzt eine schriftliche Anfrage an den Senat gestellt. Er will herausfinden, was es mit dem Hakenkreuz auf sich hat und warum es jahrzehntelang unter ein paar Zentimetern Erde unentdeckt bleiben konnte. Er hatte daher dafür plädiert, das Relikt zunächst zu erhalten und es vor einem Abriss genauer untersuchen zu lassen. Womöglich könne das Hakenkreuz auch in einem Museum mit entsprechenden Erläuterungen erhalten bleiben, so sein Vorschlag. "Dieses Hakenkreuz ist ein Stück Hamburger Geschichte. Auch wenn es keine schöne Zeit widerspiegelt, müssen wir uns damit auseinandersetzen."

Ein Vorschlag, der sich mit dem heutigen Tage erledigt hat.

( dsa/arg/hpftb/dpa )