Billstedt

Streit um Hakenkreuz-Fund: Erhalten oder beseitigen?

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Bei Bauarbeiten für neue Umkleidekabinen auf dem Hamburger Sportplatz ist ein Baggerfahrer auf das riesige Hakenkreuz gestoßen

Bei Bauarbeiten für neue Umkleidekabinen auf dem Hamburger Sportplatz ist ein Baggerfahrer auf das riesige Hakenkreuz gestoßen

Foto: Christian Charisius / dpa

Geht es nach dem Bezirk, soll das Nazi-Symbol zerstört werden – und zwar schnell. Doch es gibt Widerstand gegen die Pläne.

Hamburg. Nach dem Fund eines vier mal vier Meter großen Hakenkreuzes aus Beton in Billstedt will der zuständige Bezirk Hamburg-Mitte das Nazi-Symbol schnellstmöglich entfernen lassen. "Unsere Arbeiter stehen in den Startlöchern", so Bezirkssprecherin Sorina Weiland am Mittwoch. Derzeit aber beschäftigt sich das Denkmalschutzamt mit dem Relikt: Es will zunächst eine Firma mit der fotografischen Dokumentation und der Vermessung des Hakenkreuzes beauftragen. "Wir hoffen, dass dies noch in dieser Woche geschieht", so Weiland weiter.

Doch es gibt auch Widerstand gegen die Pläne des Bezirks. So plädiert der CDU-Mann und Bürgerschaftsabgeordnete David Erkalp, den geplanten Abriss noch einmal zu überdenken. "Das ist wirklich ein unheimlich großes Hakenkreuz. Ich weiß nicht, ob je so ein großes in Hamburg gefunden wurde, sagte Erkalp dem Abendblatt. "Für mich war es ein sehr komisches Gefühl, als ich es gesehen habe."

CDU-Abgeordneter will Hakenkreuz untersuchen lassen

Vor einem Abriss solle man das Relikt nun erstmal genauer untersuchen. Am Mittwoch stellte der CDU-Abgeordnete daher auch eine Anfrage an den Senat. Er will herausfinden, was es mit dem Hakenkreuz auf sich hat und warum es jahrzehntelang unter ein paar Zentimetern Erde unentdeckt bleiben konnte. Erst nach dieser Analyse könne man über das weitere Vorgehen nachdenken. "Dieses Hakenkreuz ist ein Stück Hamburger Geschichte. Auch wenn es keine schöne Zeit widerspiegelt, müssen wir uns damit auseinandersetzen. Es einfach abzureißen, finde ich etwas voreilig." Womöglich könne das Hakenkreuz auch in einem Museum mit entsprechenden Erläuterungen erhalten bleiben. "Darüber gehen die Meinungen auseinander und ich finde es gut und wichtig, dass man darüber diskutiert."

Das Hakenkreuz als eine Art historisches Mahnmal zu erhalten, ist für den Bezirk jedoch keine Option. "Das wäre aus unserer Sicht das falsche Symbol", so Bezirkssprecherin Sorina Weiland. Sobald der Bezirk grünes Licht bekomme, soll das Hakenkreuz daher mit mehreren Presslufthämmern zerstört werden. Auch der Verein habe ein großes Interesse daran, dass der Sportbetrieb wieder normal weiter gehen könne.

Genaue Entstehung noch ungeklärt

Wie berichtet war das Hakenkreuz Anfang der Woche bei Bauarbeiten entdeckt worden. Ein Bagger hatte im Hein-Klink-Stadion ein Fundament für neue Umkleidekabinen ausgehoben, als er auf das Hakenkreuz stieß.

An der Fundstelle soll früher ein großes Denkmal gestanden haben, das bereits vor Jahrzehnten abgerissen wurde. Auf alten Bildern ist ein viereckiges etwa fünf Meter hohes Denkmal zu sehen. Auf einer Seite prangt ein nackter Krieger, der einen Speer in der Hand hält. Genauere Informationen über die Entstehung seien bislang noch nicht bekannt, so Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde. Die fotografische Dokumentation werde in den nächsten Tagen abgeschlossen sein.

( dsa/dpa )