Hamburg

Angeklagtem drohen fünf Jahre Haft – und ein Freispruch

Nach der Messerattacke auf einen Taxifahrer wurde der 33-Jährige verdächtigt. Jetzt droht ihm wegen zwei anderer Taten eine Haftstrafe.

Hamburg. Der blutige Messerangriff auf einen Taxifahrer an der Hamburger Messe im Mai 2014 bleibt womöglich unaufgeklärt. Im Prozess um die Tat forderte die Staatsanwältin am Montag Freispruch für den 33 Jahre alten Angeklagten in dieser Sache. Der damals durch 24 Messerstiche lebensgefährlich verletzte Fahrer habe als Zeuge vor dem Landgericht erklärt, dass der Angeklagte nicht so aussehe wie der damalige Fahrgast und Messerstecher, sagte die Vertreterin der Anklage in ihrem Plädoyer. Wegen zweier anderer Anklagen, eines Angriffs auf einen Zeugen und der Anstiftung zu einem Auftragsmord, forderte sie jedoch fünf Jahre Haft für den mehrfach vorbestraften 33-Jährigen.

Vermeintliche Killer waren verdeckte Ermittler

Der damals 59 Jahre alte Taxifahrer konnte nur durch mehrere Notoperationen gerettet werden. Er hatte unmittelbar nach dem nächtlichen Angriff die Hupe gedrückt. Der Täter flüchtete, während ein Angestellter eines Restaurants herbeieilte und dem Verletzten half. Die Polizei ermittelte ein Jahr lang vergeblich und veröffentlichte dann im Mai 2015 einen Zeugenaufruf in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“. Hierauf meldete sich ein Zeuge, der unter Zusage der Vertraulichkeit Hinweise auf den Angeklagten gab. Die Polizei setzte insgesamt drei Ermittler auf den Verdächtigen an.

Die mitangeklagte Mutter des Mannes soll für vier Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Die 52-Jährige habe gestanden, den Auftrag zur Ermordung des Bruders der Ex-Freundin ihres Sohnes mit erteilt zu haben, sagte die Staatsanwältin. Der Mordplan war aufgeflogen, weil die vermeintlichen Killer verdeckte Ermittler der Polizei waren.

Urteil am Donnerstag

Im Februar 2016 griff der Angeklagte nach Darstellung der Staatsanwaltschaft den Bruder seiner früheren Freundin hinterrücks mit einem Baseballschläger auf dem Heiligengeistfeld an. Dieser wehrte sich jedoch und drückte ihm so fest mit den Daumen auf die Augen, dass der 33-Jährige eines verlor. Im Krankenhaus habe er zusammen mit seiner Mutter beschlossen, den Bruder der Ex-Freundin umbringen zu lassen. Den vermeintlichen Killern gaben sie eine Anzahlung von 5000 Euro und die Anweisung, das Opfer durch zwei Löcher im Kopf zu entstellen. Damit habe dessen Familie bestraft werden sollen.

Insgesamt wollten die beiden Angeklagten - der Sohn lebte von Hartz IV und hatte hohe Schulden, die Mutter verdiente nach eigenen Angaben als Reinigungskraft 600 Euro im Monat - 15.000 bis 20.000 Euro für den Mord bezahlen. Die verdeckten Ermittler hätten mehrfach versucht, die Angeklagten zu beruhigen und zu einer Aussage bei der Polizei zu bewegen. Die Mutter habe jedoch geantwortet, dass der Bruder der Ex ihres Sohnes sterben müsse.

Positiv wertete die Staatsanwältin, dass die Mutter die Tat vor Gericht schließlich weitgehend einräumte und bereute. Auch der Sohn sei teilgeständig. Sein Verteidiger wollte keine konkrete Strafforderung stellen. Die Strafe sollte jedoch unterhalb eines - schließlich erfolglos - diskutierten Strafrahmens unter vier Jahren Haft bleiben. Das Urteil soll am Donnerstag verkündet werden.