St. Pauli

Mordplan: Mutter und Sohn verhaftet

32-Jähriger soll auch 2014 versucht haben, einen Taxifahrer mit 25 Messerstichen zu töten. Motiv ist völlig unklar

St. Pauli.  Es war ein aufsehenerregender Fall, der sogar mithilfe der Fahndungssendung „Aktenzeichen XY ...“ gelöst werden sollte. Im Mai 2015 stach ein zunächst unbekannter Mann an der Karolinenstraße einen damals 59 Jahre alten Taxifahrer nieder. Der Mann überlebte trotz 25 Messerstichen. Jetzt wurde ein 32-Jähriger verhaftet, von dem die Ermittler der Mordkommission glauben, dass er der Täter ist – gemeinsam mit seiner Mutter, 52. Ihnen wird vorgeworfen, einen Auftragsmörder angeheuert zu haben.

Bei der Polizei war Serdar Y. bereits länger als Gewalttäter bekannt. Mit dem Angriff auf den Taxifahrer war er aber zunächst nicht in Verbindung gebracht worden. Ein Jahr nach der Tat, im Mai 2015, wurde der Fall bei der Fahndungssendung ausgestrahlt. Als „völlig irre“ hatte der Moderator die Tat bezeichnet. Vor allem: Der Angriff auf den Taxifahrer kam wie aus heiterem Himmel. Anzeichen dafür, dass der Täter unter Drogen stand oder angetrunken war, gab es nicht. „Aufgrund der massiven Gewalteinwirkung war für uns klar, dass der Täter sein Opfer töten wollte“, sagt Kriminaloberkommissar Thorsten Ungermann in der Sendung. Völlig unklar war das Motiv. Der Messerstecher hatte nichts aus dem Taxi mitgenommen und vorher auch nichts von dem Fahrer gefordert. Die Vernehmung des niedergestochenen Fahrers, der durch eine Notoperation gerettet wurde und mehrere Tage im künstlichen Koma gelegen hatte, erbrachte, dass sich die Männer vorher nie gesehen hatten.

Allerdings konnte der Messer­stecher, der zunächst in die Hafenstraße, dann in die Marktstraße im Karolinenviertel wollte, von seinem Opfer einigermaßen beschrieben werden. So bekam die Polizei bereits kurz nach der Sendung Hinweise auf Serdar Y. aus St. Pauli. Der Tatverdacht gegen den Mann konnte aber nicht erhärtet werden. So reichte es nicht für einen Haftbefehl. Der Mann blieb auf freiem Fuß.

Im Februar geriet der 32-Jährige erneut ins Visier der Polizei. Serdar Y. hatte sich laut Ermittlungen der Kripo am Taschaikowskyplatz, gleich gegenüber dem Untersuchungsgefängnis Holstenglacis, mit einem 23 Jahre alten Mazedonier angelegt. Auslöser war offenbar gekränkte Ehre. Der 23-Jährige soll mit der Schwester von Serdar Y. eine Beziehung gehabt haben. Die Auseinandersetzung zwischen den Männern eskalierte. Der 23-Jährige zog ein Messer und stach Serdar Y. ins Gesicht. Der verlor ein Auge und blieb auf dem anderen Auge nahezu blind.

Der 32-Jährige wollte dafür offenbar Rache. Weil er selbst dazu nicht mehr in der Lage war, sollte ein Auftragskiller angeheuert werden, um die blutige Arbeit zu erledigen. Auch das konnte der Mann nicht mehr allein. Dafür, so hieß es aus Kreisen der Kripo, war seine Mutter eingesprungen, die mit ihm zusammen den Plan ausgeheckt haben soll. Sie stellte laut bisherigen Ermittlungsergebnissen den Kontakt zu einem vermeintlichen Auftragsmörder her. Als Anzahlung wurden ihm 5000 Euro gegeben. Zu dem Mord kam es nicht. Stattdessen bekam die Polizei Wind von der Sache. Wie, das wollten die Ermittler nicht sagen. Der Fall sei noch nicht abgeschlossen.

Am Donnerstagmorgen stürmten Beamte der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten (BFE) eine Wohnung auf St. Pauli. Dort verhafteten sie Mutter und Sohn, die allein in der Wohnung waren.

Bei der Durchsuchung und durch neue Zeugenaussagen hat sich mittlerweile der Verdacht gegen den 32-Jährigen erhärtet, auch der Messerstecher zu sein, der 2014 den Taxifahrer beinahe umbrachte. „Wir sind uns sicher, das dem Mann nachweisen zu können“, so ein Beamter. Dabei sollen auch jetzt in der Wohnung gesicherte Spuren helfen. Einen Haftbefehl wegen des Messerangriffs gibt es bislang nicht.