Hamm

Ein Badeschiff in Hamburg nach Berliner Vorbild

Das Badeschiff auf der Spree in Berlin ist eine Attraktion der Hauptstadt. Ähnliches will Helge Walter jetzt auch in Hamburg verwirklichen: in Hamm

Das Badeschiff auf der Spree in Berlin ist eine Attraktion der Hauptstadt. Ähnliches will Helge Walter jetzt auch in Hamburg verwirklichen: in Hamm

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Drei Jahre nach einem Großfeuer plant Investor Helge Walter in Hamm Großes: ein Mischgebiet mit Vereinen, Gewerbe, Büros und Ateliers.

Hamburg.  Der Hammer Deich gehört nicht zu den angesagtesten Ecken Hamburgs. Hotspots und „In-Locations“ sehen anders aus. Abgewrackte Gebäude säumen hier die Straße, ein Handwerksbetrieb reiht sich an den nächsten. Industrielle Tristesse mitten in der Stadt. Mehr Langeweile geht kaum.

Geht es aber nach Helge Walter, ist es in dem Industriegebiet bald vorbei mit dem großen Gähnen. Walter ist Eigentümer des 2013 bei einem Großfeuer völlig zerstörten Lagerhallenkomplexes am Hammer Deich 70. Auf der Bille – die Kaimauer grenzt direkt an sein Grundstück – plant der 85-Jährige den Bau eines Badeschiffes nach Berliner Vorbild, wo es an der Spree im Stadtteil Alt-Treptow ein Erfolgsmodell ist. In einem 15 Meter langen und acht Meter breiten Ponton, dessen Randprofil bündig mit der Bille abschließt, sollen sich im Sommer Badegäste im 28 Grad warmen und 1,30 Meter tiefen Wasser tummeln. Auf einem vorgelagerten Sonnendeck soll zudem eine Saunalandschaft entstehen. „Stand-up-Paddling, ein Anleger für Motorboote, Wassersport – hier wäre einiges denkbar“, schwärmt Walters Gesamtprojektleiter Guntram Uhlig.

Denkbar vielleicht – aber bisher nicht möglich. Weil sich die Bauprüfabteilung im Bezirksamt Mitte querstellt, drohen die Pläne von Bauherr Walter zu platzen. Dort ist man zwar der Ansicht, dass ein Badeschiff technisch machbar wäre, zumal auch die Bille an der favorisierten Stelle breit genug ist. Doch weil das Areal laut Bebauungsplan nur industriell genutzt werden darf, verbiete sich jede andere Nutzungsart. „Dieses Areal ist als Industriegebiet ausgewiesen, und gerade in Hinblick auf dort benachbarte Industriebetriebe, die zudem Bestandsschutz genießen, wäre aktuell eine Genehmigung von Gastronomie oder Ähnlichem nicht zulässig“, sagt Amtssprecherin Sorina Weiland.

Dennoch ist Uhlig zuversichtlich, dass mit dem Bau des Schiffes im kommenden Jahr begonnen werden kann. Ein Wassersportverein habe Interesse an dem Projekt gezeigt. „Und wenn schon zwei anderen Wassersportvereinen in unmittelbarer Nähe des Areals – einer davon sogar auf einem städtischen Grundstück – der Betrieb eines Clubhauses gestattet wird, muss der Bezirk auch das Badeschiff genehmigen.“

Das Badeschiff soll Teil des neuen „Billevue Quartiers“ am Hammer Deich 70 werden – ein mehr als 20.000 Quadratmeter großer Komplex mit zwei riesigen Gebäuden. Der Name klingt etwas hochtrabend, gerade an dieser Stelle. Doch Helge Walter ist es absolut ernst damit. Dem Gastronomen und Hotelier gehörten einst unter anderem das Strandhotel in Blankenese und der Walter’s Hof auf Sylt – mit dem neuen Projekt soll nun etwas Noblesse ins Hammer Industriegebiet einziehen.

Industriegebiet soll deutlich aufgewertet werden

Auf dem Grundstück brannten vor knapp drei Jahren, am 18. November 2013, zwei riesige Lagerhallen komplett nieder; eine weitere Halle wurde stark beschädigt, blieb aber stehen. Start-up-Firmen verloren ihre Büros, Bands ihre Proberäume, Künstler ihre Ateliers. Das Feuer vernichtete die Kollektion des jungen Öko-Modelabels Kb.Klabauter, die Instrumente von sechs Nachwuchsbands und ein Tonstudio. Was die Flammen nicht zerstörten, fiel dem Löschwasser zum Opfer.

Etliche Unternehmen und Kreative standen nach dem Brand vor dem Nichts und suchten händeringend nach einer neuen Bleibe – den meisten der 36 obdachlos gewordenen Mietern gelang indes der Neuanfang. Kb.Klabauter etwa kam in einem alten Speichergebäude in der Hongkongstraße unter.

Am Hammer Deich begann anderthalb Jahre nach dem Inferno der Wiederaufbau. Der beschädigte Altbau ist saniert worden, die zwei völlig zerstörten Lagerhallen sollen durch zwei neue Gebäude (davon eine Tiefgarage) ersetzt werden. Allein für die erste, zweijährige Bauphase sind Kosten in Höhe von 15 Millionen Euro veranschlagt.

Zumindest diejenigen Ex-Mieter, die zum produzierenden Gewerbe zählen und damit die Nutzungskriterien erfüllen, sollen nach Willen des Bauherrn zurückkehren in den einst schäbigen Lagerhallenkomplex. Einige seien bereits angeschrieben worden, der Mietpreis sei fast auf dem gleichen Niveau wie vor dem Großbrand, sagt Uhlig. „Leider wollen die wenigsten zwei Jahre warten, bis das neue Gebäude fertig ist.“

Mit dem Projekt will Bauherr Walter nach eigenen Angaben das nur rund 400 Meter von der nächsten Wohnsiedlung entfernte Industriegebiet deutlich aufwerten. Ein „neues Domizil für Freizeit, Sport, Kreative und das produzierende Kleingewerbe“ soll entstehen. Das Problem: In dem Industriegebiet dürfen sich nur Betriebe ansiedeln, die viel Lärm, Schmutz und Gestank verursachen. Was wiederum nicht in Walters Konzept vom innovativen Misch-Objekt passt.

Dem Bauherrn war die gebundene industrielle Nutzung anfangs nicht bewusst. „Schließlich waren vor dem Brand doch auch Büros und Gewerbebetriebe in den Lagerhallen untergebracht“, sagt Uhlig. Einem Bewegungskindergarten und dem Altonaer Turnverein (ATV) sei ein Einzug in die neuen Räume jedenfalls untersagt worden.

„Gegen behördliche Auflagen“, sagt eine sozialdemokratische Bezirksabgeordnete, „ist auch die Politik machtlos“.