Hamburg

Hunderte Demonstranten fordern "bauen statt abschieben"

Mehr als 500 Menschen gehen für das „Recht auf Stadt“ auf die Straße. Sie fordern nachhaltiges Konzept für den Wohnungsbau in Hamburg.

Hamburg. Mit einer bunten Protestparade haben mehrere hundert Demonstranten am Sonnabend nachmittag Innenstadtbesucher und Touristen überrascht. Unter dem Motto „Das Recht auf Stadt hat keine Obergrenze! Eine andere Planung ist möglich“ bewegte sich der Umzug mit acht bunt geschmückten Fahrzeugen, mobilen Baugerüsten und Transparenten vom Karolinenplatz über den Sievekingplatz, Johannes-Brahms-Platz und Dragonerstall zum Valentinskamp, wo eine erste Zwischenkundgebung stattfand. Weitere Kundgebungen gab es auch am Gänsemarkt, am Jungfernstieg und auf dem Rathausmarkt.

Beim abschließenden Hearing am Axel-Springer-PLatz waren es ca. 800 Teilnehmer. Der Ort war nicht zufällig gewählt: Das zur Zeit weitgehend leer stehende, große Bürogebäude soll als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt werden, so die Demonstranten. Auf einem der Transparente stand der Spruch „Enteignet Springer“ auf Arabisch.

„Es ist für uns eine große Freude, dass auch so viele Flüchtlinge aus verschiedenen Erstaufnahmen gekommen sind“, sagte Niels Boring von Recht auf Stadt. Sie beteiligten sich auch mit eigenen Beiträgen am Hearing, zum Teil auf Englisch, Französisch, Arabisch und Farsi.

Die Flüchtlinge verlören in den Erstaufnahmen viel Zeit, sagte unter anderem die palästinensische Ingenieurin Mahdeya aus der ZEA Neugraben-Fischbek. „Gebt uns das Gefühl, dass wir hier hin gehören, dass Hamburg auch unsere Stadt werden kann“, sagte sie. Die Flüchtlinge könnten zur Selbstorganisation und zum Aufbau einer neuen Existenz viel mehr beitragen, wenn man sie nur ließe, „statt uns in militär-ähnlichen Camps festzuihalten“. Die Flüchtlinge wollten vielmehr „ihren Beitrag für die Stadt leisten.“

Zentrales Thema war der Satz „Hamburg hat kein Flüchtlingsproblem, sondern ein Wohnungsproblem“. Die Stadt habe immer noch kein Konzept „für bezahlbares, gutes und nachhaltiges Bauen“, sondern „den sozialen Wohnungsbau zum Investoren-Förderprogramm gemacht“, so die Initiativen. Sie plädierten für eine „Stadt des Ankommens“. Technokratische Lösungen für die Flüchtlinge, wie die Stadt sie vorsehe, würden nicht helfen. Die Ressourcen der Flüchtlinge müssten genutzt werden, um eine neue Vision von Stadt zu entwickeln, sagte eine Vertreterin.

Zahlreiche linke und soziale Initiativen wie das Hamburger Bündnis gegen Rechts, St. Pauli selber machen, Recht auf Stadt, das Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot, das Gängeviertel, Initiative Esso-Häuser, der Flüchtlingsrat und Lampedusa in Hamburg hatten sich dem Aufruf angeschlossen. Zum Abschluss wurde mit Musik weitergefeiert.