Bauindustrie

Hamburger Baufirmen machen deutlich mehr Umsatz

Neubauten entstehen in der Hafencity. Im Bild links der Michel, rechts die St. Katharinenkirche

Neubauten entstehen in der Hafencity. Im Bild links der Michel, rechts die St. Katharinenkirche

Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Branche verzeichnet Plus von mehr als 15 Prozent. Unternehmen profitieren jetzt auch von Investitionen in öffentliche Infrastruktur.

Hamburg.  Morgen Vormittag werden sich die gut 120 Mitglieder des Bauindustrieverbandes Hamburg/Schleswig-Holstein (BIV) im Hotel Steigenberger an der Heiligengeistbrücke zu ihrer Jahresversammlung treffen – und die meisten Chefs der in der Hansestadt ansässigen Unternehmen dürften beim Small Talk in der Kaffeepause von einem sehr erfreulichen Gang der Geschäfte zu berichten wissen. „Es läuft schon ganz ordentlich“, sagt BIV-Geschäftsführer Peter Wagenmann, in dessen Verband viele der großen Bauunternehmen mit Sitz in der Stadt zusammengeschlossen sind.

Es ist ein Satz geprägt von hanseatischer Zurückhaltung. Denn dass in Hamburg derzeit besonders viel abgerissen und neu gebaut, erneuert und saniert wird, dass es einen regelrechten Bauboom gibt in der Stadt, lässt sich auch an der Entwicklung der Branche ablesen: Um 9,1 Prozent ist der Umsatz der Hamburger Bauindustriebetriebe im vergangenen Jahr gewachsen. Das gesamte Bauhauptgewerbe, zu dem auch die Bauhandwerker gehören, setzte knapp zwei Milliarden Euro um. Das waren etwa 275 Millionen Euro und ein Zuwachs um sogar 15,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Viele Unternehmen halten ihre Lage für gut

Im Bundesdurchschnitt waren der Umsatz der Bauindustrie und die Gesamtinvestitionen im Baubereich dagegen jeweils nur um etwa zwei Prozent gewachsen. „Hamburg ist sicher einer der dynamischsten Märkte im ganzen Land“, sagt denn auch Verbandsgeschäftsführer Wagenmann.

Und die meisten Unternehmen beurteilen ihre Lage derzeit als gut. „Wir sind in allen Sparten gut ausgelastet und registrieren eine steigende Zahl von Ausschreibungen und Aufträgen“, sagt etwa Christian Weber, geschäftsführender Gesellschafter des Hochbau-unternehmens H. C. Hagemann, neben Otto Wulff und Aug. Prien eine der großen Baufirmen in der Stadt. Bei der Eggers-Gruppe, die zu den großen Anbietern für Erd- und Tiefbauarbeiten in der Region gehört, heißt es ganz ähnlich: „Wir sind in allen Geschäftsbereichen derzeit gut ausgelastet. Im Vergleich zu den Vorjahren können wir eine deutliche Steigerung von Aufträgen und Projekten verzeichnen.“ Derzeit sind Eggers-Mitarbeiter und -Maschinen etwa auf dem Baugelände der künftigen Neuen Mitte Altona tätig, schütten die Trasse für die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße auf und bereiten Grundstücke in der HafenCity für die Bebauung vor.

Abbruchunternehmen bekommen viele Aufträge

Weil in einer Großstadt freie Flächen rar sind und fast immer zunächst etwas abgerissen werden muss, bevor neu gebaut werden kann, sind auch die Abbruchunternehmen stark beschäftigt. „Der Auftragsbestand ist sehr gut“, sagt etwa Ralf Pietsch, kaufmännischer Leiter bei Wilko Wagner, einem der großen Unternehmen der Abbruchbranche in der Stadt. Auch in der vor mehr als 100 Jahren gegründeten Eggers-Gruppe gibt es seit dem vergangenen Jahr eine Abbruchsparte mit derzeit gut zehn Mitarbeitern. „Unsere Kunden wünschen sich alle Leistungen aus einer Hand“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Ralf Eggers.

Bei Wilko Wagner werden die Auftragsspitzen ausgeglichen, indem das Unternehmen zu den mehr als 40 eigenen Baggern weiteres schweres Gerät dazumietet. Das tun andere Firmen auch. Die Hamburger Niederlassung des Baumaschinen-Vermieters HKL hat deshalb „stark investiert und den Maschinenpark ausgeweitet“, sagt Niederlassungsleiter Jan Böttcher. Auch der Personalbestand sei gewachsen.

Bundesweit fünf Prozent mehr Umsatz erwartet

Wegen des Wohnungsbauprogramms des Hamburger Senats wachsen die Umsätze in diesem Segment bereits seit einigen Jahren stark. Der Bau von Wirtschaftsgebäuden hinkte eher hinterher, und mit Zahl und Umfang der Aufträge der öffentlichen Hand war die Branche in Hamburg noch im vergangenen Jahr „nicht zufrieden“, sagt Bauindustrieverbands-Geschäftsführer Wagenmann.

Das hat sich deutlich verändert. Nun gibt es auch mehr Aufträge zum Erhalt und Ausbau von Straßen, Schienen und Wasserwegen. „Neben dem Wohnungsbauprogramm macht sich jetzt auch der Abbau des Sanierungsstaus positiv bemerkbar“, sagt Christian Weber. Für ganz Deutschland erwartet das Baugewerbe in diesem Jahr fünf Prozent mehr Umsatz im Wohnungsbau, drei Prozent im Wirtschaftsbau und sogar 14 Prozent bei öffentlichen Bauten. In Hamburg werden sich die drei Bereiche 2016 „mindestens in dieser Größenordnung“ entwickeln, erwartet Wagenmann. Auch bei der BIV-Mitgliederversammlung 2017 dürfte gute Stimmung herrschen.